EKG-App: Kardiologen bewerten Apple Watch

02.10.2018

Mit ihrer EKG-Funktion kann die neue Apple Watch Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern frühzeitig erkennen. Doch auch wenn erste Studien die Verlässlichkeit des Device stützen, birgt die Interpretation der Messergebnisse Risiken.

Eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen ist das Vorhofflimmern. Es kann auf das Vorliegen einer Herzerkrankung hindeuten und mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle einhergehen. Das frühzeitige Erkennen von Vorhofflimmern ist somit ausschlaggebend für eine positive Prognose der Patienten.

Die neue Apple Watch 4 beinhaltet einen kardialen Monitor, der dazu dient, unregelmäßigen Herzschlag zu erkennen. Dafür befinden sich auf der Rückseite der Smart Watch ein optischer Pulssensor und ein elektrischer Sensor, die von einer Elektrode in der Krone ergänzt werden. Mit einer speziellen EKG-App kann die Apple Watch 4 damit ein 1-Kanal-EKG durch einfaches Fingerauflegen aufzeichnen.

Kann ein wertvolles Monitoring-Tool darstellen

„Ziel dieser durch die American Heart Association unterstützten Apps ist es, frühzeitig einen unregelmäßigen Herzrhythmus zu erkennen, der auf Vorhofflimmern hindeutet und eine weiterführende ärztliche Abklärung einzuleiten“, erklärt Prof. Thomas Deneke, Sprecher der Arbeitsgruppe Rhythmologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) sowie Chefarzt der Klinik für interventionelle Elektrophysiologie der Herz- und Gefäß-Klinik in Bad Neustadt, „Die Apple Watch 4 kann somit ein wertvolles Monitoring-Tool zur Etablierung wichtiger Informationen für Patienten und deren Ärzte darstellen.“

Voruntersuchungen zeigen tatsächlich, dass eine 95%-ige Übereinstimmung mit der von Smart Watch detektiertem Vorhofflimmern und klinisch dokumentiertem Vorhofflimmern besteht.

Trotzdem kein Ersatz

Die Apple Heart Study, eine Kooperation zwischen Apple und Stanford Medicine, entwickelt derzeit eine Strategie der EKG-Diagnostik (inklusive Evaluation mittels 7-Tage-Langzeit-EKG) basierend auf einer durch die Apple Watch detektierten unregelmäßigen Herzfrequenz. Seit August ist der Einschluss in diese Studie abgeschlossen.

Prof. Peter Radke, Vorsitzender des Ausschusses Electronic & Mobile Health der DGK, sieht eine zwingende Notwendigkeit weiterer Studien zu dem Device: „Die Apple Watch 4 erweitert ihr Leistungsspektrum stetig von Fitnessapplikationen hin zu medizinischen Fragestellungen, wie aktuell der Detektion von Vorhofflimmern. Bevor auf dieser Datenbasis konkrete Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden können, beispielsweise die Einleitung einer Antikoagulation bei asymptomatischen Patienten mit einem in der Apple Watch 4 detektierten Vorhofflimmern, sind noch umfangreiche klinische Folgestudien notwendig.“

Die Zulassung durch die Food and Drug Administration zeigt die zunehmende Relevanz dieser Technologien zum Monitoring gesundheitsrelevanter Informationen. Dennoch weist die Behörde in ihrem Device approval letter explizit darauf hin, dass die Ergebnisse der EKG App in jedem Fall von einem Arzt abgeklärt werden müssen.

Prof. Deneke folgt dieser Einschätzung: „Die Apple Watch sollte nicht als Ersatz für einen Besuch beim Arzt verwendet werden, sondern kann vielmehr helfen, relevante Herzrhythmusdaten aufzuzeichnen und einen betreuenden Arzt in der Diagnostik zu unterstützen.“

Deutschland noch ausgeschlossen

Insgesamt bietet die Apple Watch eine interessante Möglichkeit zum Monitoring möglicher Herzfrequenzauffälligkeiten und kann vor allem Patienten mit bekannten Herzrhythmusstörungen bei der Nachsorge unterstützen. Die Nutzer der Funktion sollten aber hinlänglich über die Notwendigkeit einer ärztlichen Begleitung insbesondere bei Risikopatienten aufgeklärt werden.

Auch der Schutz von patientenbezogenen Daten ist ein relevantes Thema für die Zukunft. Ob die App in Deutschland zugelassen wird, ist derzeit noch fraglich. Apple erwähnt die begleitende EKG-App auf der deutschen Produktseite vorerst noch nicht.

 

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. aus dem Pressetext DGK 09/2018.

Bildquelle: Juhan Sonin, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.10.2018.

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Medizin, Kardiologie
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