Causa obscura: Der versunkene Schatz

26.09.2018

In einer pneumologischen Abteilung einer Klinik soll ein Mann untersucht werden, der seit Jahren an Husten leidet. Für die Ärzte ist der Fall schnell klar, denn ihr Patient hat jahrelang stark geraucht. Wie sich herausstellt, ist das aber nicht die Ursache seiner Symptome.

Ein 47-jähriger Mann wird in die pneumologische Abteilung einer Klinik überwiesen. Dort soll untersucht werden, warum der Mann seit Jahren an produktivem Husten leidet. Zwei Monate zuvor litt er an einer Lungenentzündung, die aber mit einer Antibiotika-Behandlung schnell in den Griff zu bekommen war.

Der Patient gibt an, lange geraucht (30 Packungsjahre), es aber vor einigen Jahren aufgegeben zu haben. Zu Asbest oder anderen lungenschädlichen Materialien hatte der Handwerker laut eigenen Aussagen keinen Kontakt. Bei der Auskultation der Lunge lassen sich keine Besonderheiten feststellen. Eine spirometrische Untersuchung zeigt ein mildes Defizit der Lungenfunktion. Auf einem Röntgenthorax ist eine Verdichtung im rechten Lungenflügel sowie ein Pleuraerguss erkennbar.

Verdächtiges CT

Hinsichtlich der Verdichtung und Rauchervergangenheit führen die Ärzte zudem eine kontrastmittelverstärkte CT-Aufnahme der Brust durch. Diese zeigt eine fleckige Verdichtung im rechten mittleren und unteren Lappen, erheblichen Volumenverlust, Bronchiektasen im rechten Unterlappen und damit verbundene Pleuraverdickungen. Mehrere verdickte Lymphknoten im Mediastinum lassen die Ärzte vermuten, dass der Patient möglicherweise an Lungenkrebs leidet. Sie veranlassen sofort eine Bronchoskopie.

Dabei finden sie eine Entzündung im rechten Unterlappen der Lunge. Aber nicht nur das: Das entzündete Gewebe umschließt ein kleines gelbes Objekt. Worum es sich dabei handelt, können die Ärzte nicht ausmachen. Krebs hat ihr Patient jedenfalls nicht.

Lange verschollen

Die Ärzte bergen den Gegenstand mittels Biopsiezange aus der Lunge. Bei näherer Betrachtung können sie das kleine Objekt identifizieren und sind verblüfft: Es handelt sich um ein winziges Playmobil-Verkehrshütchen aus Plastik.

Nach der Entfernung der Spiel-Pylone erzählt der Mann, dass er als Kind oft mit Playmobil gespielt hat und sogar auch Teile verschluckte. Er erinnert sich, dass er ein Playmobil-Spielset zum Thema Straßenverkehr zu seinem siebten Geburtstag geschenkt bekommen hat. Kurz darauf war eine der Pylonen verschwunden. Daran, dass er sie eingeatmet haben muss, kann sich der Mann aber nicht erinnern. Nach der Entfernung des Fremdkörpers verbessern sich seine Symptome merklich.

Laut der Ärzte ist das der erste bekannte Fall, bei dem ein Fremdkörper 40 Jahre lang unbemerkt in der Lunge verbleiben konnte. Ungewöhnlich ist auch, dass der eingeatmete Gegenstand erst in den letzten Jahren Probleme verursachte. Die Ärzte vermuten, dass sich das Lungengewebe des damals 7-Jährigen an den Fremdkörper angepasst hat. Erst das jahrelange Rauchen sowie Infektionen im Erwachsenenalter führten zu Entzündungen und Verdichtungen in der rechten Lunge.

 

Quelle:

An airway traffic jam: a plastic traffic cone masquerading as bronchial carcinoma.
Denny N et al., BMJ Case Reports, doi: 10.1136/bcr-2017-220514; 2018

 

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Artikel von Anke Hörster
 
 

 

 

 

Bildquelle: MasterTux, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.10.2018.

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was es nicht alles gibt
#1 vor 47 Tagen von Robert Wagner (Heilpraktiker)
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