Stellvertretung ist kein Weiterbildungsberuf

24.09.2018

Das neue Heilmittelgesetz der Schweiz ist da – und bringt für Apotheker nicht nur gewünschte Änderungen. Ärgerlich: Stellvertretungen sollen zukünftig nicht mehr ohne abgeschlossene Weiterbildung möglich sein. Und wer vertritt mich dann, während ich die Weiterbildung absolviere?

Das neue Heilmittelgesetz ist da … und es bringt für Apotheker bei weitem nicht nur gewünschte Änderungen. Während es ja schön ist, als Medizinalperson auch offiziell praktisch auf Stufe Arzt gestellt zu werden, hat das auch seine Tücken – davor habe ich schon vor längerer Zeit gewarnt und jetzt ist das Problem da.

Pech: Sieben Jahre Ausbildung

Die im MedGes vorgeschriebene Weiterbildung verhindert faktisch, dass Apotheker gleich nach dem Studium arbeiten gehen können in eine Apotheke. Bevor sie selber und vor allem alleine in einer Apotheke stehen dürfen (Stichwort „selbständig“), müssen sie eine 2-jährige Weiterbildung absolviert haben. Dies zusätzlich zum bisherigen 5-jährigen Studium. Das bedeutet, dass sich die Ausbildung auf 7 Jahre verlängert – und verteuert, denn gratis bekommt man das natürlich nicht. Zudem ist vorgeschrieben, das neben der Arbeit in der Apotheke zu machen …

Aus dem Kommunique der Pharmasuisse an die Studenten:

Dieser Titel kann in einer mehrjährigen berufsbegleitenden Weiterbildung erworben werden.

Wie das gehen soll, wenn man ja nicht mehr alleine in der Apotheke stehen darf, ist allerdings noch offen. Wenige Apotheken können es sich leisten, zwei Apotheker gleichzeitig angestellt zu haben. Und noch weniger, dann diesen zweiten zusätzlichen Apotheker zum gleichen Gehalt anzustellen, wenn dieser auf die Stufe Assistent degradiert wurde.

Es scheint, als habe der schweizerische Apothekerverband Pharmasuisse da geschlafen, dass ein Vorhaben wie dieses so durchgehen konnte. Wie die Kantone das dann auslegen, ist natürlich wieder eine andere Sache und ich will hier auch daran erinnern, dass Assistenzärzte (für sie gelten die gleichen Voraussetzungen) auch nicht immer gleichzeitig mit einem Oberarzt im Krankenhaus arbeiten. Die meisten Nachtdienste wären nach dieser Argumentation dann eigentlich auch illegal.

Jeder regelt das Gesetz anders

Inzwischen trudeln von den Kantonen die Auslegungen für das Stellvertretergesetz herein. Das geht von

Man sieht: Mehr als 1-2 Tage pro Woche sind da meist nicht drin…

(Bitte korrigiert mich hier oder ergänzt die kantonalen Regelungen – im Moment finde ich das enorm unübersichtlich!)

Wie plötzlich dieses neue Gesetz gekommen ist, zeigt sich auch daran, dass die Pharmasuisse die nun vorgeschriebenen Weiterbildungen noch gar nicht anbieten kann. Erst im nächsten September (also 2019) wird das der Fall sein. Unklar ist auch noch, wie das finanziert werden soll. Weiterbildungen sind teuer und eine Unterstützung durch den Staat wäre da angedacht.

Wer will da noch Apotheker werden …

Jedenfalls: Sehr unangenehm für die Apotheker, die jetzt ihren Abschluss gemacht haben. Sie stehen nun fast ein Jahr lang auf dem Abstellgleis.

Unter diesen neuesten Entwicklungen wird die Attraktivität des Berufs und des Studiums leiden – und das macht mir tatsächlich Angst. Wir haben schon jetzt einen Apothekermangel. Wir brauchen Nachwuchs! Wir wissen, dass wir zu wenig ausbilden, um den jetzigen und vor allem zukünftigen Bedarf zu decken.

Hier der Link zur Stellvertreterregelung auf Pharmasuisse: https://www.pharmasuisse.org/de/1133/swissYPG-Stellvertreterregelung-f%C3%BCr-junge-Apotheker-Keine-Panik.htm?Article=1413257

Bildquelle: FotoArt-Treu, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.09.2018.

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