Alopezie: Auf dem Sandelholzweg

21.09.2018

Die Wirksamkeit von Haarwuchsmitteln lässt in den meisten Fällen zu wünschen übrig. Jetzt haben Forscher herausgefunden: Synthetischer Sandelholzduft lässt die Haare wieder sprießen. Gibt es bald Shampoos, die tatsächlich wirken?

Mit Produkten gegen Haarausfall machen Kosmetik- und Pharmahersteller ein Vermögen. Betroffene vertrauen auf Shampoos, Tinkturen und Pillen, die das Haar wieder in voller Pracht erscheinen lassen soll. Die Wirksamkeit lässt aber in den meisten Fällen zu wünschen übrig. Wissenschaftliche Belege fehlen ebenfalls. Beim verschreibungspflichtigen Finasterid, das für Frauen tabu ist, ist die Wirksamkeit zwar belegt – die zahlreichen Nebenwirkungen wie erektile Dysfunktion und Depression machen es aber nicht unbedingt attraktiv. Wie schön wäre es also, wenn Forschern endlich der Durchbruch gelingen würde?

Geruchsrezeptoren im Haar

Vor einigen Tagen stellte ein Forscherteam von der University of Manchester und einem privaten Forschungslabor in Münster (Monasterium Labor) in einer Studie eine mögliche neue Therapieform vor. Sie beruht auf einer ungewöhnlichen Grundlage: Bekannt ist inzwischen, dass olfaktorische Rezeptoren nicht nur in der Nase zu finden sind, sondern auch in anderen Bereichen des menschlichen Körpers, z.B. in der Haut um die Haarfollikel. Hier produzieren die Hautzellen den Geruchsrezeptor namens OR2AT4, der eine Rolle bei Wundheilungsprozessen spielt. Wenn der Rezeptor also daran beteiligt ist, neue Haut auf einer Wunde zu bilden, könnte er auch beim Haarwachstum eine Rolle spielen?

Nur echt mit Synthese

Die Forscher testeten ihre These an menschlichen Kopfhaut-Proben, die von drei Patienten nach einer Gesichtstraffungs-Operation gespendet wurden. Die isolierten Haarfollikel tauchten sie für sechs Tage in eine Lösung mit synthetischem Sandelholz-Duftstoff, einem Agonisten des OR2AT4-Rezeptors. Der Duftstoff hinderte die Keratinozyten im Haarfollikel an der Apoptose und erhöhte die Menge des Wachstumsfaktors IGF-1. Das führte zu einer Verlängerung der Wachstumsphase der Haare um 30 Prozent verglichen mit Kontroll-Proben. Echter Sandelholz-Duft hat aufgrund einer anderen chemischen Struktur keinen Effekt auf das Haarwachstum.

Warten auf klinische Studien

Die in-vitro-Ergebnisse klingen vielversprechend. Da es sich hier allerdings nur um Proben von drei Spendern handelt, sollte man die Ergebnisse mit Vorsicht genießen. Klinische Studien müssen beweisen, dass die Sandelholz-Methode wirklich funktioniert. Einer der Forscher ist in beratender Funktion für Giuliani Pharma zuständig. Diese haben inzwischen ein Patent angemeldet für die Verwendung von Verbindungen und Zusammensetzungen, die auf den Rezeptor OR2AT4 ausgerichtet sind, um Haarwachstum zu fördern.

Doch selbst wenn sich herausstellt, dass der synthetische Sandelholz-Duft das Haarwachstum fördert – es kann nicht retten, was schon verloren ist. Ähnlich wie bei Finasterid müsste die Behandlung also begonnen werden, solang das Haar noch da ist. Dann aber, so die Hoffnung, mit weniger Nebenwirkungen, dafür mehr Wirkung als das handelsübliche Haarwachstums-Shampoo.

Bildquelle: Frederick Dennstedt, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 21.09.2018.

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In meiner kosmetischen Praxis habe ich bei Haarausfall generell mit der androgenetischen Alopezie zu tun. Diese behandle ich mit einer Kombination aus Microneedling und 5%-iger Minoxidil-Lösung. Diese Methodik ist Gegenstand diverser klinischer Studien, z.B. "A Randomized Evaluator Blinded Study of Effect of Microneedling in Androgenetic Alopecia: A Pilot Study", Intl. Journal of Trichology, 23.03.2017. Meine bisherigen Erfahrungen spiegeln die in den Studien genannten Erfolgswahrscheinlichkeiten ziemlich genau wider und beziehen sich auf Stadien 2-4 gemäss Hamilton-Norwood. Bei 2 Kunden habe ich die Behandlung erfolgreich beendet, weitere 12 sind derzeit "am Laufen", in einem Fall habe ich nach 6 Sitzungen wegen fehlender Reaktion abgebrochen und diesen zu einer PRP an eine Arztpraxis weitergeleitet.
#1 am 21.09.2018 von Sharon Zielasek (Nichtmedizinische Berufe)
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