Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil!

29.10.2013
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15,7 Millionen chirurgische stationäre Eingriffe in Deutschland im letzten Jahr sind nur scheinbar viel. Gegenüber 2010 sind 300.000 Eingriffe hinzugekommen - ein Anteil von 1,911 Prozent. Dies reflektiert die Alterspyramide bzw. höhere Ansprüche an Lebensqualität und Teilhabe. Doch der "SpiBu" will davon nichts wissen. (Abb. Z. n. Ventrikelseptumdefekt-OP)

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden (www.destatis.de) meldet für 2012 eine Zahl von 15,7 Millionen stationären chirurgischen Eingriffen in Deutschland. Circa 300.000 mehr als im Jahr 2011. Sozialversicherungs-Spezialisten des Spitzenverbandes Bund (SpiBu) der Gesetzlichen Krankenkassen gehen weitab von jeglicher OP-Routine angesichts dieser Zahlenverhältnisse eher von medizinisch unnötigen, operativen Eingriffen bei einem Überangebot von Krankenhausbetten in der Chirurgie aus.

Das ist naiver Empirismus und vergleichbar mit der Hypothese, durch ein Überangebot von Einmalwindeln könne man  die Geburtenrate wieder ankurbeln? 

• Die Zahl der chirurgischen Akutbetten ist seit 25 Jahren nicht zuletzt wegen reduzierter Verweil- und Liegezeiten (z.B. "fast-track"-Eingriffe) massiv verringert worden. 

• Viele neue OP-Techniken (z. B. Hybrid-OP's, minimal-invasive Interventionen) sind hinzugekommen. 

• Rund 300.000 Eingriffe mehr als 2011 bedeuten bei 15,7 Millionen Eingriffen in 2012 einen Anteil von 1,911 Prozent. 

• Dukumentationseffekte durch Veränderungen der Operationen- und Prozedurenschlüssel will ich gar nicht erst diskutieren.

• Der SpiBu hatte geradezu spitzbübisch die Einführung von DRG-Finanzierungen (diagnosis-related groups) gefordert. Ein-zeitig mögliche, doppelseitige Operationen (z. B. Leistenhernien, Ohr-Eingriffe, gefäßchirurgische Interventionen bei p-AVK usw.) werden dadurch nicht höher vergütet. Deshalb führt man diese an verschiedenen Terminen mit erneuter Krankenhauseinweisung durch. 

Dass aber ein Steigerungsanteil von nur 1,911 Prozent n i c h t mit der Überalterung der Gesellschaft und mit erhöhten Ansprüchen an Lebensqualität und Teilhabe zu erklären sei, lässt nur darauf schließen, dass der GKV-Spitzenverband in Berlin im Kopfrechnen zu schwach ist. 

Artikel letztmalig aktualisiert am 02.11.2013.

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@ Ulrich Schwanke
#7 am 02.11.2013 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
@ Ulrich Schwanke - Ich schreibe ja deshalb auch n i c h t oberflächlich von absoluten Zahlen, sondern statistisch korrekt von annuellen relativen Prozentzahlen. Ihre Steigerung von 136% mehr Wirbelsäulen-OPs von 2006 an wirkt grotesk, weil das auf 7 Jahre durchschnittlich plus 19,43% j ä h r l i c h e r Anstieg ist. Zu viel, aber wie oft wurden in diesem Zeitraum der OP- und Prozedurenschlüssel statistisch verzerrend verändert? Krude Auswertungen von OP-Zahlen nach Bezirken sind epidemiologischer Unfug, weil krasse Unterschiede an OPs je 100.000 Einwohner bestehen, wenn Regionen k e i n e oder w e n i g e, andere dagegen v i e l e Kliniken haben.
#6 am 02.11.2013 von Gast (Arzt)
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Darum geht es nur oberflächlich. Es geht nicht um die absolute Zahl, sondern die Steigerungen in einzelnen Disziplinen, z.B. sind die Wirbelssäulen-OPs von 2006 an um 136% gestiegen. Wertet man die Operationen nach Bezirken aus ergeben sich bis zu 6 fache Unterschiede in der Anzahl bestimmter OPs je 100.000 Einwohner und da bei benachbarten Bezirken. Kurzum: es wir regional sehr unterschiedlich operiert, d.h. den Graubereich der Therapie sehr stark in Richtung OP in der einen Gegend, während es 50km weiter stark konservativ behandelt wird.
#5 am 01.11.2013 von Ulrich Schwanke (Arzt)
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Na ja, die Freude am gesunden Altern wäre viel größer würde mal mehr Wert auf Prophylaxe in Form von gesunder Ernährung, Mineralstoffen und Enzymen gelegt. Aufklärung hierüber, schon in der Schulzeit, das ist dringend nötig. Denn jedes eingenommene Medikament bringt ein Ungleichgewicht in den Stoffwechsel und mir ist noch kein Arzt begegnet, der zuallererst über das täglich Brot gesprochen hätte. Wenn sich das mal ändert und aus unseren Nahrungsmitteln wieder Lebensmittel werden, gibt es auch wieder natürliche Lebensqualität. Solange aber im politischen Geschehen die Lobbyisten das Sagen haben, wird es ein steiniger Weg.
#4 am 31.10.2013 von Heilpraktikerin Marion Wolf (Heilpraktikerin)
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"glaube nur der Statistik, die Du selber gefälscht hast". Die Kassen sind die großen Beschneider und Schlechtredner der ärztlichen Kunst und des ärztlichen Fortschrittes. Die treiben immer wieder die gleiche "S.." durchs Dorf um die Honorare der Ärzte möglichst kürzen zu können. Was wäre denn, hätten wir heute noch die Verhältnisse wie 1950. Mit 50 Jahren würden wir auf dem Ofenbänkchen sitzen und auf unser Ende warten; heute dagegen fahren Senioren mit über 70 Jahren in der Weltgeschichte herum und haben eine noch nie dagewesene Lebensqualität und Freihet !!! Fortschritt in der Medizin ist teuer - unbestritten - das aber muss es uns wert sein, wenn wir auf die Freuden eines gesunden Alters nicht verzichten wollen.
#3 am 31.10.2013 von Dr. med. Burkard Kinkel (Arzt)
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Was wird eigentlich gezählt? Stationäre Eingriffe, was ist das? Werden analog dem "aus einem Schein mach zwei" notwendige Eingriffe in mehreren Sitzungen/stationären Aufnahmen erbracht und doppelt gezählt?
#2 am 30.10.2013 von Dr. med. Bodo Mees (Zahnarzt)
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Ausgezeichnet!
#1 am 30.10.2013 von Dr. med. Wolfgang P. Bayerl (Arzt)
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