Durch den 'Lancet' wird man nicht immer klüger

19.10.2013
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Eine in der renommierten britischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlichte Metaanalyse aus Australien zur Wirkung von Vitamin D-3-Substitution wird hier kritisch beleuchtet.

Die hier vorliegende Lancet-Publikation von Ian R. Reid et. al. (Auckland-University AUS) zum F e h l e n positiver Effekte (?) von Vitamin D³-Supplementation auf den  g e s u n d e n Knochen: Effects of vitamin D supplements on bone mineral density: a systematic review and meta-analysis. Lancet 2013, online 11. Oktober; doi: 10.1016/S0140-6736(13)61647-5  lässt sich leitmotivisch auf einen einzigen Grundsatz eindampfen: Den der wissenschafts- und erkenntnistheoretischen B e l i e b i g k e i t von Metaanalysen.

Man nehme eine beliebige Anzahl von Publikationen aus frei verfügbaren Datenbanken ["Science, Embase, and the Cochrane Database"], destilliere aus 3.930 Literaturstellen ganze 23 Studien ["3930 citations identified by the search strategy, 23 studies..."], mische die Messpunkte zur Detektion einer Osteoporose vom Oberschenkelhals über die gesamte Hüfte, Trochanter, Lendenwirbelsäule und Radius nach Belieben oder verwende einen zur Osteoporose-Diagnostik völlig untauglichen Ganzkörperscan ["lumbar spine, femoral neck, total hip, trochanter, total body, or forearm"]. Dann ergehe man sich in vagen Andeutungen über die Höhe der möglichen Vitamin-D-Dosierung ["vitamin D doses less than 800 IU per day"] und den daraus folgenden, nicht vorhandenen Auswirkungen auf den völlig gesunden Knochen.

Die primär ungeschädigte Knochensubstanz wird völlig überraschend durch die Extra-Zufuhr von Vitamin D doch keineswegs gesünder(er) als gesund? ["Interpretation - Continuing widespread use of vitamin D for osteoporosis prevention in community-dwelling adults without specific risk factors for vitamin D deficiency seems to be inappropriate."].

Liebe DocCheck®-Blogger, hoffentlich fällt Ihnen auf, dass die Autoren hier n i c h t wie sonst in wissenschaftlichen Publikationen üblich von Schlussfolgerung ("Conclusion"), sondern lediglich von "Interpretation" bzw. von "scheinbar unangemessen" sprechen. Das lässt m. E. nur den Schluss zu, dass dümmliche Studien durch dumme Interpretationen nicht klüger werden. Höchstens unklüger! 

Artikel letztmalig aktualisiert am 24.10.2013.

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Gast
... man muss wahrscheinlich jemanded in der Pharma Industrie kennen - Vitamine sind nicht patentierbar und es wäre doch eine Schande wenn man durch etwas so Billiges wie Vitamin D vielen Zivilisationskrankheiten vorbeugen könnte! Und dadurch dann auch noch Riesenumsätze bei Insulin, Betablockern, Statinenen, Psychopharmaka usw. einbüßen müsste - einfach undenkbar! Super Beitrag!
#5 am 24.10.2013 von Gast (Heilpraktikerin)
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Gast
Ist wie immer! Im Kleingedruckten steht das wichtige. Besten Dank dafür!
#4 am 23.10.2013 von Gast (Ärztin)
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Danke! Endlich mal klare Worte zu solchen "Analysen" oder "Studien". Wer im Lesen geübt ist, findet häufig solche völlig unnützen und beliebigen Publikationen - egal in welcher Zeitschrift.
#3 am 23.10.2013 von Dr. med. Angelica Wegener (Ärztin)
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Schön geschrieben. Man fragt sich wen man kennen muss, dass solcher Sch... in den Lancet kommt.
#2 am 23.10.2013 von Dr. Dr. Ernst Heissler (Arzt)
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Danke für die kritische Beurteilung. Leider kann man bei schnellem Durchlesen solcher Veröffentlichungenf schnell darauf hereinfallen und die falschen Schlüsse ziehen und wer sich nicht 100%ig statistisch und fachlich auskennt, der glaubt auch jeden Schrieb.
#1 am 23.10.2013 von Ricarda Friedrich (Ärztin)
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