Gibt es eine Milch-induzierte Akne?

14.09.2018

Kuhmilch-Konsum und Akneentwicklung sind vermutlich miteinander verknüpft. In Studien waren Assoziationen, Korrelation, aber keine plausiblen Kausalitäten nachzuweisen. Dermatologen wie Ru Dai et al. aus der VR China unterzogen 4 Kohorten- und 9 Fall-Kontroll- bzw. Querschnittstudien einer Metaanalyse (J Eur Acad Dermatol Venereol 2018, online 6. August 2018).

Studienergebnisse

Milchtrinker erkrankten insgesamt um 16% häufiger an Akne als Nicht-Milchtrinker. In den Kohortenstudien lag die Steigerung  bei 17%, in den Fall-Kontroll- und Querschnittuntersuchungen bei 16%. Die höchsten Zunahmen gab es bei Magermilchkonsumenten mit plus 24%. Wer fettarme Milch trank, hatte 14%, wer Vollmilch trank, hatte nur 13% häufiger Akne. 

Zusammenhänge

Ein Zusammenhang zwischen Akne und Milchkonsum zeigte sich besonders in Europa (Steigerung 28%) und Amerika (16%), wo geografisch westliche Ernährungsgewohnheiten und Lebensstile verbreitet sind. Da Magermilch das Aknerisiko am stärksten steigert bzw. fettarme Milch für das Hautbild offenbar problematischer als Vollmilch ist, vermuten Dai et al. den Verursacher vielmehr im Milcheiweiß. 

Kritische Würdigung 
Doch trotz allem ist "The effect of milk consumption on acne: a meta‐analysis of observational studies" von R. Dai et al. 
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jdv.15204 
eine von diesen berühmt-berüchtigten Schreibtisch-Studien, euphemistisch als Metaanalyse von "Beobachtungsstudien" tituliert, ohne dass die Autoren auch nur jemals einen dieser Akne-/Nicht-Akne Patienten zu Gesicht bekommen hätten. 
 
Fakten-Check
"We carried out comprehensive databases search of PubMed, Embase, Medline and Cochrane Library and identified four cohort studies and nine case–control or cross‐sectional studies, including a total of 71.819 participants" bedeutet reine EDV-Recherche am PC, um dann auch noch statistisch besonders wenig aussagekräftige Kohorten-Studien oder noch schwächere Fall-Kontroll- bzw. Querschnitt-Studien mit aufgepushten Probandenzahlen von 71.819 Teilnehmern auswerten  und präsentieren zu können. 

Fall-Kontroll-Studien 
Fall-Kontroll-Studien liefern jederzeit die gewünschten Ergebnisse, wenn man sich als Forscher an folgende, möglichst eindringlich-laute Befragungstechnik hält 
1. Akne-Patienten: "Sie haben doch bestimmt viel Milch getrunken, bevor Sie diese fürchterliche Akne bekommen haben?" 
2. Nicht-Akne Patienten: "Sie haben bei Ihrer glatten, schönen Haut doch bestimmt immer nur wenig oder gar keine Milch getrunken?" 

Lichtblicke 
Aber es gibt auch Lichtblicke: "Association of dairy intake with cardiovascular disease and mortality in 21 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study" von Mahshid Dehghan
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)31812-9/fulltext 
belegt, Vollmilch-Verbrauch ist assoziiert mit niedrigerem Mortalitätsrisiko und verringerten kardiovaskulären Krankheitsereignissen in einer multizentrischen und multinationalen Kohorte ["Interpretation - Dairy consumption was associated with lower risk of mortality and major cardiovascular disease events in a diverse multinational cohort"]. 

 

Bildquelle: Milchflasche Copyright Praxis Dr. Schätzler

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.11.2018.

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