Ich möchte einen Privatarzt und keine Frau

01.09.2018

Herr Binzel hatte eine billige Privatversicherung oder so etwas Ähnliches. In der Notaufnahme hatte man ihm nun essenzielle Fragen gestellt. Zum Beispiel: „Seit wann haben sie denn das Fieber?“, „Welche Farbe hat der Schleim, den sie aushusten?“ und „Sind sie mit Chefarzt versichert?“

Herr Binzel war hiervon etwas verwirrt und als man ihm den wichtigsten Zettel von allen, den Privatversicherten-Zettel, hinlegte, kreuzte er zur Sicherheit überall „Ja“ an. Ja, natürlich sei er privat versichert. Mit Chefarztarztbehandlung.

Am nächsten Tag wanderte also der Chefarzt mit Chefoberarzt, Chef-Privatassistenzarzt und diversem anderem chefarztbegleitendem Personal durch Herrn Binzels Zimmer. Herr Binzel freute sich, es fiel ihm im Anschluss jedoch ein, dass er am Vortag wohl ein Kreuz zu viel gesetzt hatte. Seine Privatversicherung war leider ohne Chefarztbeteiligung und nun drohte ihm eine hohe Extrarechnung. Die Klinikverwaltung hatte aber Verständnis, der Chefarzt-Vertrag wurde storniert und man beorderte einen normalen 08/15-Assistenzarzt zur Betreuung des Patienten herbei.

Ich ging also hin und erzählte irgendetwas wie: „Ja, hallo ich bin Frau Dr. Zorgcooperations und ab jetzt ihre zuständige Ärztin.“ Dann betreute ich Herrn Binzel täglich ausgiebig. Ich machte Visiten, einen extra Ultraschall und nahm Blut ab. Herr Binzel schien zufrieden zu sein.

Nach drei Tagen sagte nun meine Krankenschwester zu mir: „Haha, vorhin hat sich der Herr Binzel beschwert. Er sei jetzt schon so lange hier und seit drei Tagen sei kein Arzt mehr da gewesen. Da habe ich gesagt: ‚Aber die Frau Dr. Zorgcooperations, die war doch jeden Tag bei Ihnen!‘‘“

Herr Binzel sei hierauf sehr erstaunt gewesen, dass die mitteljunge Frau, die täglich fragte, wie es ihm ginge, die Medikamente umstellte, das Blut abnahm, den Ultraschall machte und die Befunde mit ihm besprach, ein Arzt sein solle.

Was in aller Welt hatte er denn gedacht, wer ich sei?! Eine Art Spezielkrankenschwester?

Grumpelig besuchte ich Herrn Binzel und erklärte nochmals, dass ich der Arzt sei.

Herr Binzel schien jedoch das Zeremoniell der Chefarztvisite voller ernst schauender, grauhaariger Männer zu vermissen und fragte, ob denn nicht auch mal ein Oberarzt vorbei käme.

„Wir haben einmal in der Woche Oberarztvisite. Da treffen Sie unseren Oberarzt morgen.“

„Nur einmal in der Woche?!“ Herr Binzel war enttäuscht und murmelte dann noch, dass es sich da ja überhaupt nicht lohne, hier im Krankenhaus zu sein.



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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 05.09.2018.

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Gast
Also ich kann das schon nachvollziehen. Man reisst sich 5+1 Jahr im Studium diverse Sachen auf, macht unzählige Praktika und hat schon einige Jahre Berufserfahrung unter dem Gürtel... da will man schon irgendwie als das wahrgenommen werden das man ist. Das gehört zum guten Ton. Und jeder der es einem Arzt (gerade einem weiblichen Arzt die es sowieso schon schwer haben von einigen Menschen wahrgenommen zu werden) vergönnt etwas säuerlich zu werden der hat eindeutig was verpasst. (Außerdem: Keine Abwertung gegenüber Schwestern. Aber Schwester und Arzt sind andere Berufe, andere Arbeitsfelder und jeder Mensch hat es verdient für das wahrgenommen zu werden was er ist. Alles andere ist respektlos)
#10 vor 11 Tagen von Gast (Arzt)
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@#9: Man versucht es halt immer wieder unter anderen Alibi-Namen. Die DocCheck-Redaktion könnte tatsächlich etwas aufmerksamer sein.
#9 vor 13 Tagen von Sylvia Robinson (Ärztin)
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@#6: Gerade erst registriert und schon undifferenziert herumpöbeln. Bitte ändern sie ihr Auftreten oder sie sind aus meiner Sicht hier nicht willkommen. Diskussion und Kritik kann hier gerne auf sachlicher Ebene stattfinden.
#8 vor 14 Tagen von Florian Burkhart (Student der Humanmedizin)
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Der historisch gewachsene, altehrwürdige Stand des Arztes ist, so scheint es, zunehmend dem Niedergang geweiht. Allerdings: Wenn ich als Arzt wahrgenommen werden möchte, muss ich auch wie ein solcher auftreten und handeln.
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Gast
#6: Da scheint aber jemand voller (sozialer) Neidgefühle, ansonsten läßt sich dieses Sammelsurium an unreflektierten Entwertungen kaum erklären.
#6 vor 14 Tagen von Gast (Arzt)
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Wie bedauerlich, dass Sie erfahren mussten, von einem Patienten in ihrem Status als Ärztin nicht gewürdigt zu werden. Die Verletzung greift, bei allem ironischen Unterton, offenbar sehr tief. Was allerdings machen Sie? Sie haben erstens Sorge, dass Sie für eine "Art Speziellkrankenschwester" gehalten werden (Oberärztin hätte ihnen wohl besser gefallen). Zweitens sprechen Sie von "meiner Krankenschwester", was diese gewiss von sich weisen weisen würde. Falls es also so sein sollte, dass Sie selber den professionellen Status ihrer nichtärztlichen Kolleg/innen ignorieren, würde ich mir eine diesbezügliche Neuorientierung ihrerseits wünschen.
#5 vor 17 Tagen von Jörg Rahmann (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Ja, wer als Patient einmal eine richtige hofhaltende Chefarztvisite erleben durfte, muss es als herbes Downgrade empfinden, wenn dann NUR die junge Ärztin kommt.... Habe mich in meiner Zeit auf der Kinder-Intensivstation auch immer geärgert, wenn die Eltern nur mit dem Oberarzt sprechen wollten (obwohl es meist die jungen Assistenten waren, die die ganze Nacht um ein Kind gekämpft hatten und dann den Oberarzt für das Elterngespräch "briefen" mussten...)
#4 vor 18 Tagen von Gast (Ärztin)
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Vor gaaanz vielenJahren war ich noch Pfleger - da nannten mich Patienten Wärter "Wärter gibt es im Zoo, und wenn Sie nicht der Affe sind bin ich heute die Schwester mit Bart".
#3 vor 18 Tagen von Rainer Kumm (Arzt)
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Das letzte Mal bei Asklepios in meiner Eigeschaft als Patient gab es gar keine OA Visits - die waren im Funktionsdienst oder im Urlaub dann habe ich denen mal gesagt wie es weitergeht. Bei Frau Zorgs Klinik muss es sich um eine handeln die sich den kostspieligen Luxus OA Visite noch leistet Die wird wohl bald aufgekauft ?!
#2 vor 18 Tagen von Rainer Kumm (Arzt)
  3
Ja, Arzt des Vertrauens. Seit wann und wieso dürfen Frauen überhaupt etwas außer Archäologie studieren...? Liebe Frau Dr. Zorg, möglicherweise wirken Sie auf die Herren der Schöpfung zu attraktiv, um Arzt sein zu können. Ich empfehle kurzen Stoppelhaarschnitt, sog. Stiftekopp ("Lehrlingsschnitt"), dazu einige Trauerränder um die Augen und ca. 6 Monate jeden Abend mind. 2 Flaschen Vollbier für die anständige Arztfigur. Bißchen Nikotinfinger wären vorteilhaft, randlose Brille oder mit Nickelrand nicht schlecht. Vielleicht kriegen Sie auch sogar einen Damenbart auf der Oberlippe hin... Alles zusammen müßte dann den nötigen Pat.-Respekt erzielen. Stethoskop haben Sie ja immer, wie man sieht. Dann gibts noch diese runden Spiegel, die manche Doktors um den Kopf geschnallt tragen - das wäre vielleicht was! Ansonsten: Nicht ärgern, nur wundern, und Anekdote schreiben...
#1 vor 19 Tagen von B. Herbert Hoffmann (Arzt)
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