Scanner am Muttermund.

10.10.2013
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Bei der Erkennung des Zervixkarzinoms setzen Gynäkologen nach wie vor auf Kolposkop und Biopsie. Bioelektrische Scanverfahren könnten die Diagnostik epithelialer Veränderungen bald deutlich erleichtern.

Wenn man eine elektrische Spannung an menschliches Gewebe anlegt, ist der resultierende Stromfluss u.a. von der Form und Anordnung der Zellen abhängig. Geht man einen Schritt weiter und misst den Gewebestrom bei verschiedenen Wechselstromfrequenzen (z.B. zwischen 9.6 und 1.200 kHz), kann man durch entsprechende Algorithmen Aussagen über die Gewebstruktur machen. Das Ganze nennt man dann elektrische Impedanz-Spektrometrie, kurz EIS.

Bereits im Jahr 2000 konnten Brown et al. (The Lancet, 355: 892-95) nachweisen, dass eine direkte Korrelation zwischen der histologischen Dignität eines Gewebes und seiner Impedanz besteht, die sich messtechnisch erfassen lässt. Diese Grundlagenforschung hat nun nach einigen Jahren zur Entwicklung eines neuen Diagnosegeräts geführt, dass Anfang Oktober seine CE-Zertifizierung erhalten hat und auch im Rahmen der Medica vorgestellt wird.

ZedScan® der englischen Firma Zilico kann durch eine kleine Sonde, die während  der Kolposkopie in den Zervikalkanal eingeführt wird, die Gewebeveränderungen des Epithels elektrisch messen und so Aussagen zur Dignität der Veränderungen machen.

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Eine Studie mit 474 Patientinnen (BJOG Volume 120, Issue 4, pages 400–411, March 2013) zeigte, dass sowohl der positive prädiktive Wert als auch die Spezifität der Kolposkopie durch den Einsatz der EIS signifikant gesteigert werden konnte. Auch die Identifikation einer geeigneten Biopsiestelle konnte deutlich verbessert werden. Dadurch verringerte sich die Notwendigkeit multipler Biopsienentnahmen.

Ein großer Vorteil der EIS-Methode ist, dass sie bereits während der Untersuchung erste Ergebnisse liefert. Die Fähigkeit, hochgradige CIN im Rahmen der Kolposkopie auszuschließen, stieg von 38,5 auf 65,1% - dadurch würden in Zukunft nicht wenige Biopsien vermieden. Wenn das Gerät hält, was es verspricht, wäre das eine gute Nachricht für die betroffenen Patientinnen.

 

Bildquelle: depositphotos.com / PirenX

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.10.2013.

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Medizin, Forschung, Gynäkologie
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