Knock-Out im weißen Kittel

04.10.2013
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Ärzte und Apotheker kämpfen täglich für das Wohl der Patienten – und schwingen dabei gelegentlich auch die Fäuste in Richtung des jeweils anderen. DocCheck Research hat sich in den Ring gestürzt, um herauszufinden, wo der Boxhandschuh drückt.

Man hört immer mal wieder, dass Ärzte und Apotheker sich übereinander aufregen. Dabei scheint doch – zumindest theoretisch – eine Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen sinnvoll: Das Wohl des Patienten sollte im Vordergrund stehen. Doch wo liegen die Differenzen, die ein Miteinander scheinbar so schwierig gestalten? DocCheck Research hat sich unter Ärzten und Apothekern umgehört.

Vor allem unklare und falsche Verordnungen treiben im Alltag drei Viertel der Apotheker in den Wahnsinn. Entstehen aufgrund falsch ausgestellter Rezepte Nachfragen, sind Ärzte häufig nicht erreichbar. Besonders ärgert es viele Apotheker, wenn sich Ärzte permanent von Arzthelferinnen abschirmen lassen.

Ein Viertel der befragten Ärzte kann es nicht nachvollziehen, dass Apotheker nicht exakt die verordneten Präparate aushändigen. Aber auch eine Prioritätensetzung zugunsten von Rabattverträgen stößt bei Ärzten eher auf Unverständnis.

Ein weiterer wunder Punkt stellt der Kompetenzbereich dar: Die Hälfte der Ärzte empfindet es als störend, dass sich Apotheker in Bereiche einmischen von denen sie aus ärztlicher Sicht wenig Ahnung haben. 34% befürchten eine Verunsicherung des Patienten, wenn der Apotheker die Verordnungen des Arztes infrage stellt. Fragt man die Apotheker, geben nahezu 90% an, der Arzt schätze ihr Fachwissen nicht. Apotheker fühlen sich in ihrer Kompetenz ignoriert und zudem von einigen Ärzten herablassend behandelt.

Problematisch sind solche Differenzen dann, wenn dadurch Fehler auf Kosten der Patienten entstehen. Durch bessere Kommunikation zwischen den beiden Berufsgruppen könnten Medikationsfehler häufig vermieden werden. Doch die Aufgabe der Patientenaufklärung zu den verordneten Medikamenten wird selten primär bei sich selbst, sondern vielmehr beim Anderen gesehen. Drei von vier Apothekern sind überzeugt, dass der Patient in der Praxis schlecht informiert wird, 40% davon sehen jedoch die Verantwortung für die Aufklärung über die Medikation beim Arzt. Umgekehrt ist ein Drittel der Ärzte der Meinung, dass die Patienten in der Apotheke schlecht beraten werden. Die Hälfte dieser Ärzte sieht den Apotheker klar in der Pflicht über die Medikamente zu informieren.

Trotz aller Unstimmigkeiten empfinden viele Ärzte und Apotheker die Situation nicht als ein striktes Gegeneinander – große Teile sind sogar recht zufrieden: So geben Ärzte an, mit rund 80% der Apotheker gut zusammenzuarbeiten. Apotheker bewerten immerhin noch die Zusammenarbeit mit zwei Dritteln der Ärzte gut. Aus Sicht beider Berufsgruppen wären alle beteiligten gute Sparingspartner bei gemeinsamen Fortbildungen, Medikationsabsprachen im Rahmen chronischer Erkrankungen und Zusammenschlüsse zur Vertretung gemeinsamer Interessen erfolgen.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Riskieren Sie einen Blick auf unsere Infografiken.

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Um die vollständigen Umfrageergebnisse einzusehen, kontaktieren Sie einfach DocCheck Research.

 


Methode

Basis der hier aufgeführten Daten war eine Online-Befragung von DocCheck Research, die im 3. Quartal 2013 durchgeführt wurde. Teilnehmer waren n = 200 Apotheker und n = 200 Ärzte, die einerseits über den DocCheck-Newsletter eingeladen und andererseits randomisiert aus dem Healthcare-Panel von DocCheck rekrutiert wurden. Die Fragebögen waren parallel aufgebaut und die Befragung dauerte insgesamt 5 Minuten.

 

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Artikel letztmalig aktualisiert am 08.01.2015.

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Ärzte haben sicherlich besseres Hintergrundwissen, Apotheken sind jedoch meist technologisch besser gerüstet (Computer-Vernetzung mit der ABDA-Datenbank), werden Kontraindikationen angezeigt ist der Apotheker ver
#7 am 04.11.2013 von Regine Baß (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA))
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Gast
Die Verordnungen in der Physiotherapie sind auch nicht regelgrecht ausgefüllt. Habe aber verständnis wegen denn unsingkeiten die der Gesetzgeber von allen verlangt. Semar
#6 am 22.10.2013 von Gast (Physiotherapeut)
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Apothekerin
Herr Rausch, ich weiß nicht in welcher Apotheke Sie 3mal waren und Ihnen 3mal gesagt wurde, dass Sie ERST morgen kommen sollten zum Abholen. Bei einer Akutversorgung, was bei einer Antibiotikum-Therapie der Fall ist, wird das an Lager befindliche Antibiotikum der beliebigen Firma abgegeben. So ist es in Bayern gang und gebe. Normalerweise muss man bei jedem Medikament laut WSG die Rabattverträge der Krankenkassen beachten. Es ist nicht wie bei den Veterinären, dass man das x-beliebige der Firma so-und-so abgeben darf. Wir sind an Rabattverträge der Krankenkassen gebunden. Wir machen die Sekretärsarbeit der Krankenkassen. Was bei den Ärzten mit der Praxisgebühr damals gleichkommt, nur noch schlimmer: denn bei jedem verordneten Medikament MUSS man das Rabattierte raussuchen. Und bei so einer Hülle von Firmen kann man ja nicht alle an Lager haben. So bestellt man innerhalb 3Stunden-Takt dieses und der Patient hat es am selben Tag. Denn man bekommt mind. 3Lieferungen am Tag. So die Logistik der Apotheken heutzutage. Der Apotheker möchte dem Arzt auf gar keinen Fall was vorschreiben. Nur haben die Ärzte nicht immer die aktuelle Software für diese rabattierten Medikamente. Das Dispensierrecht der Veterinäre möchte nicht die Apothekerschaft entziehen, sondern der Gesetzgeber, wie bei allen Übeln. Das sollte man beachten. Ich finde es schade, dass die Trägerschaft aller weißen Kitteln gegeneinander arbeitet. Sieht man sehr gut an den Kommentaren sogar hier. Man MUSS zusammenhalten und zusammen den Gesetzgeber umstimmen. Ein MITEINANDER ist wichtig bei diesem Kampf, kein Gegeneinander.
#5 am 20.10.2013 von Apothekerin (Pharmazie-Praktikantin)
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Wieso zu revoluzzerhaft? Mir ist es bis dato 3 x passiert, dass ich für meine Tochter Amoxicillin brauchte. Mit dem Rezept in die Apotheke, schnell, schnell die Kleine liegt mit 40°C Fieber im Bett. Aber das, was meine Klientel Tag täglich von mir verlangt, nämlich im Notfall sofort medikamentieren zu können, Fehlanzeige. Die Aussage war: "Das können wir bestellen, kommen Sie morgen wieder". Abgesehen davon, dass ich schon in der Spur bin wenn der Apotheker noch im Bett liegt und erst wieder zu Hause, wenn er wieder im Bett ist (fast jedenfalls), wie soll ich das Medikament dann holen (?), was passiert mit dem Kind in den nächsten 12 - 18 Stunden? Tees, Sälbchen und das eine oder andere nur apothekenpflichtige Medikament kann ich kaufen. Dies hat mit Apotheke nach meinem Verständnis nichts mehr zu tun, insbesondere wenn dieses Spiel 2 x in 3 Apotheken und einmal in 4 Apotheken (mehr konnte ich nicht erreichen) mit einem gespielt wird. Ich stimme meinem "Vorschreiber" voll und ganz zu. Medikamente werden vom Arzt verschrieben und auch abgegeben. Auch in puncto Tierärzteschaft sind wir einer Meinung. Ich möchte den Apotheker sehen der im Notfall mal einige Kilos Tetra o.ä. sofort zur Verfügung stellen kann. Wir versorgen nämlich gleich mal einige Tausend kg Körpermasse (zum Verständnis Kuh ~ 500-700 kg, Pferd ~ 1 t, Sau ~ 300 kg, Mastschwein ~ 30-120 kg). Bei einer nur um 6 - 12 Std. verspäteten Therapie kommen auch gleich einige bis einige -zig Leichen zusammen. Noch machen es die Tierärzte vor. Wie lange noch, werden wir sehen und das Chaos dann auch. Ich hoffe, im Fall uns wird das Dispensierrecht entzogen, dass der Apotheker sich dann auch um den Schreibkram kümmert, so wie wir jetzt auch den Kopf dafür hinhält wenn sich der Landwirt nicht an die Behandlungsanweisung hält und sich im wöchentlichen Abstand über den Therapieerfolg informiert, rsp. ihn kontrolliert. Und, über schwarze Schafe wurde auch hier schon geschrieben und die gibt es beileibe nicht nur in der Tierärzteschaft. Ich habe oft genug erlebt wie Landwirte mit ASS Reinsubstanz im 5 oder 10 kg Gebinde vom Apotheker kamen, da die Abgabe von nicht zugelassenen Arzneimitteln den Tierärzten strengstens verboten ist, somit damals nicht einmal ASS zur Verfügung stand. Übrigens steht auch der Einsatz unter Strafe. Solche Dinge kamen (kommen?) auch bei u. a. Antibiotika vor.
#4 am 18.10.2013 von Reinhardt Rausch (Tierarzt)
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Gast
Es ist eigentlich viel zu revoluzzerhaft, aber trotzdem: welche Daseinsberechtigung haben öffentliche Apotheken eigentlich noch, nachdem die Apotheker nur noch in sehr sehr geringem Umfang Arzneimittel herstellen? Man stelle sich mal folgendes vor: Abgabe er Medikament in der Arztpraxis selbst, stellen sich von mir aus von einem dort arbeitenden Pharmazeuten, der Einkauf und Abgabe managt. Jeder Patient erhält an Ort und Stelle und sofort, genau das, was er haben soll in der richtigen Menge mit den richtigen Angaben. Diskussionen zwischen Arzt und Pharmazeut sind vom Tisch und billiger wäre es wahrscheinlich auch - weil eben nicht in jedem Haushalt zig Anbruchpackungen rumliegen und entweder auf ihre Entsorgung warten oder zur fehlerhaften Selbst- oder Fremdmedikation ("beim letzten Mal hat es ja mir auch geholfen...") veführen. Tierärzte machen es erfolgreich vor, von den im Grunde wenige Illegalen mal abgesehen, denen man niemlas richtig Herr werden wird (und die es unter Apothekern auch gibt).
#3 am 18.10.2013 von Gast (Tierärztin)
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Gast
Siehe Stiftung Warentest vor einiger Zeit. Es wurde die Beratung in der Apothelke getestet. Ein eindeutiges Ergebnis..... Die meisten Apotheken beraten schlecht oder falsch!!!!
#2 am 17.10.2013 von Gast (Tierarzt)
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vor der Gesundheitsreform funktionierte das ohne Probleme . Jeder kannte seine Position . Ein Arzt denkt sich ja was dabei , wenn er bestimmte Medikamente verordnet . Es ist ja tatsächlich so , daß er erst mal imfassenden Überblick in Bezug auf seinen Patienten hat und über seine Ausbildung , Fortbildungsseminare , Facharzt das notwendige KnowHow besitzt . Daß die Apotheken korrigieren hängt mt der Gesundheitsreform zusammen und hat nichts mit "besser wissen" zu tun . Es sollen halt nach "Wirtschaftlichkeitsgebot" die Billigmedikamente verschrieben werden . Ich halte das für gefährlich , weil die teilweise nicht so aus getestet sind wie früher . Teilweise schon auf dem Markt sind , obwohl die Studien noch laufen mit einer vorläufigen Lizenz . Unglaublich . Man könnte meinen , aus Contergan wurde nicht gelernt. Aber das ist es nicht >> hauptsache billig . Die Gesundheitsreform ist nicht verfassungskonform . Es laufen zwar Klagen ... Merkel wurde bereits Strafanzeige wegen Veruntreuung der Verfassung , Antrag auf Immunitätsentzug ... Aber da kommt man nicht gegen an ... bisher Alles im Sande verlaufen .... Man könnte meinen -- die Gesundheitsreform überleben nur Harte , Starke unbeschädigt oder fast . Eine schlimme Zeit ... Habe Ihren Artikel mit Interesse gelesen und stimme zu :-))
#1 am 05.10.2013 von Ingeborg Schnatterzahn (Nichtmedizinische Berufe)
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