Sie müssen jetzt ganz tapfer sein

09.08.2018

Ich werde ins CT gerufen, um einen Zugang für eine Kontrastmitteluntersuchung zu legen. Herr B. hatte eine Chemotherapie und ist daher schwierig zu stechen. Die Kolleginnen von der Radiologie haben sich schon dreimal daran versucht, sind aber gescheitert, weshalb sie mir das Feld überlassen.

Ich schaue mir erst den rechten Arm an, finde aber nichts, das mir gefällt. In der Ellenbeuge wäre eine Vene, aber ich kann sie nur schlecht ertasten, habe ein schlechtes Bauchgefühl und dann mach ich das nicht gern. Lieber überprüfe ich zuerst, ob vielleicht auf der linken Seite etwas zu finden ist. Mein Bauchgefühl vor dem Stechen ist ziemlich zuverlässig. Wenn ich der Vene nicht traue, klappt es meist nicht.

Nach ein paar Minuten werde ich tatsächlich fündig: Ein kleines Venchen guckt mutig zwischen dem Knöchel des Ring- und des kleinen Fingers hervor. Aus Mangel an Alternativen, und weil ich dabei ein gutes Gefühl habe, entscheide ich mich für einen Versuch.

Achtung, jetzt wird's unangenehm

Die MTRA (Fachperson für Medizinisch-technische Radiologie) ist ganz offensichtlich nicht begeistert. Sie hat mich schon während meiner Suche mehr oder minder sanft auf die Vene in der Ellenbeuge hinsteuern wollen. Das mag ich nicht – ich steche gerne da, wo ich mich wohl fühle. Dort, wo ich mir des Erfolgs einigermaßen sicher bin. Wenn sie diese am besten findet, soll sie's selbst machen.

Bevor ich irgendwas sagen kann, wendet sie sich an den Patienten. „Das wir jetzt ganz schön weh tun, Herr B.“, warnt sie ihn. „Da müssen Sie gut stillhalten, das wird sehr unangenehm.“

Wow.

Ernsthaft?

Versteht mich nicht falsch, man muss Patienten gegenüber ehrlich sein. Aber wenn man so etwas sagt, verkrampfen sie sich und bekommen Angst, und dann wird alles gleich viel schlimmer. Der Handrücken ist schmerzmäßig etwa im mittleren Feld anzusiedeln: Schmerzhafter als die Ellenbeuge, weniger schmerzhaft als die Innenseite des Unterarms.

Verängstigen ist unnötig

Hinzu kommt auch immer das individuelle Schmerzempfinden des Patienten, die Technik des „Stechenden“ und tausend andere Faktoren, die beeinflussen, wie schlimm (oder eben auch nicht) die Sache ist. Ich selber sage daher jeweils schlicht: „Es gibt jetzt einen Stich. Entschuldigung“. Das reicht aus. Wirklich.

Am Ende, wer hätte es gedacht, war es dann doch nicht so schlimm. Der Zugang saß einwandfrei (puh, Glück gehabt). Und auch wenn der Ort nicht der günstigste ist, wird der Zugang ja gleich nach der Untersuchung wieder entfernt und kann dann nicht mehr stören.

Aber bitte: Verängstigt mir nicht meine Patienten. Die wissen schon, dass das nicht gerade Spaß macht – immerhin war das bei Herrn B. auch schon der vierte Versuch. Die ersten drei waren bestimmt auch keine Geburtstagsparty. Dramatisieren und extra darauf hinweisen ist wirklich nicht nötig.

Bildquelle: Hans, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 10.08.2018.

97 Wertungen (4.72 ø)
15032 Aufrufe
Um zu kommentieren, musst du dich einloggen. Einloggen
Korrektur zum Flow. üblich sind 2-4 ml/sekunde. Daher rosa 20G. Ab 5 ml/s grün 18G.
#7 vor 6 Tagen von Max Hess (Medizinisch-Technischer Assistent)
  1
Es ist natürlich knapp das 6 fache von 3,5ml/min für die blaue G22.
#6 vor 6 Tagen von Klaus Samer (Gesundheits- und Krankenpfleger)
  0
Wenn alle MTRAs eine hohe Kompetenz im legen von Zugängen hätten, wäre wohl kaum jemand gerufen worden um es zu machen, sondern sie hätten es selber gemacht. Mal abgesehen davon wurden mir als Patient von den hochkompetenten MTRA s bisher, wenn überhaupt, bisher nur Braunülen mit der Größe G22 (blau) gelegt, darunter gibt es nur noch gelb die man auch gelegentlich bei Säuglingen anwendet. Übrigens schaffen selbst die niedriglumigsten gelben Braunülen laut Hersteller einen Fluß von 22ml/min also dem 3x dessen was hier unten vom kommentierenden Arzt beschrieben wurde. Um 70ml Paravasat zu erzeugen müssen Sie bei einer Geschwindigkeit von 3,6 ml/min 20 Minuten nichts tun. Jemanden um Hilfe zu bitten und dann nicht hilfreiche Kommentare abzusetzen, ist unprofessionel und schon garnicht im Interesse des Patienten, insbesondere dann wenn schon 3 frustrane Versuche von der eigenen Abteilung durchgeführt wurden.
#5 vor 6 Tagen von Klaus Samer (Gesundheits- und Krankenpfleger)
  0
Erstens haben MTRA's eine hohe Kompetenz im legen von Zugängen. Bei rund 40 CT's pro Tag gehört das zur Routine. Zweitens ist es extrem heikel eine Minivene einem so grossen Flow auszusetzen. Siehe Kommentar von Herrn Klaus. Und drittens ist es alleinige Sache des Stechenden den Patienten zu informieren ob es vielleicht etwas mehr Schmerzen bereitet. Alles andere ist unprofessionell.
#4 vor 9 Tagen von Max Hess (Medizinisch-Technischer Assistent)
  13
Wenn drei Leute schon versucht haben, und dann jemand gerufen wird, um die Sache zu retten… Dann darf keiner einen Kommentar dazu abgeben, dass eventuell ein anderer Stelle gewählt werden soll, oder erst recht nicht den Patienten noch zusätzlich – nach drei erfolglosen Versuchen-verängstigten, dass das jetzt schmerzhaft ist. Das ist ein absolutes no go. Die Person hätte gegebenfalls sieben ja vorher schon ausprobieren können…Meine MA wissen das mittlerweile. Sie wissen auch, dass ich ggfs. Nadeln an Füße oder Unterschenkelvenen lege. Dann muss man das CT-programm halt umstricken.
#3 vor 9 Tagen von Dr. Babett Arntz (Ärztin)
  2
Schön, dass es gut gegangen ist, aber vielleicht hätten Sie doch auf die MTRA hören sollen. Die vorgesehene CT-Untersuchung wird üblicherweise mit KM-Flow von 3,5 ml/min (gern auch mehr) gefahren, was ein dünnes Hautgefäß an der Hand oft nicht aushält. Ein Paravasat von 70 ml hypertonem KM an der Hand ist aber viel gefährlicher (Kompartmentsyndrom!!) als präcubital. Dann noch eher die "Anästhesie-Vene" radial benutzen!
#2 vor 9 Tagen von Dr. med. Hubertus Klaus (Arzt)
  40
Gast
Da weiten sich einem beim Lesen nicht nur die Blutgefäße, sondern auch das Herz.
#1 vor 10 Tagen von Gast (Mitarbeiter Industrie)
  3
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Der junge Mann, knappe 10 Jahre jünger als ich, humpelt in mein Sprechzimmer. Eine Fußoperation soll er erhalten. mehr...
Das Gespräch gestaltet sich soweit unauffällig. Seltsam ist nur, dass der Patient keine einzige Frage allein mehr...
Ein spitalinterner Service, den wir anbieten, ist die Liquorpunktion, kurz LP genannt. Wir bieten dies mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2018 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: