Tsuwarmi in der Notaufnahme

30.07.2018

Bei der Hitze arbeite ich gerne in der Notaufnahme, dort ist es kühler als auf Station. In meinem heutigen Dienst begegnen mir Sonnenbrände verschiedenster Art. Und außerdem auffällig viele Leute mit Fußschmerzen in der Notaufnahme. Und alle haben eine Ursache.

Es ist sieben Uhr, ich bin wirklich gut gelaunt. Ich darf unsere Stationen im saunaartigen Hochhaustrakt nämlich für heute verlassen. Ab geht es in die Notaufnahme. Die Unfallchirurgie ist ein heißes Pflaster zu dieser Jahreszeit.

Es gibt nur einen schöneren Ort bei diesen Temperaturen: den OP-Trakt. Der verliert allerdings mit Bleischürze und OP-Kittel sogleich wieder an Attraktivität. Also los zu den Schockräumen und offenen Frakturen.

Bei dem Wetter verzichtet der leichtsinnige Motorradfahrer gerne auf die Schutzkleidung. Und der Mountainbiker findet sich auf einer ausgetrockneten Schotterpiste wieder, auf der er nicht bremsen kann. Vergessen wir ja nicht die Omas, die aus vollen Obstbäumen fallen oder auf den Beckenrand im Babybecken stürzen.

Das Wetter bietet viel Potenzial für Verletzungen. Heute aber drängen sich mir in der Notaufnahme viele Fragen auf. Eine lange Liste an Unerklärlichkeiten, die ich nur auf die unglaubliche Hitze zurückführen kann.

Kommen wir aber zur allerwichtigsten Frage an diesem Tag: Warum haben soviele Menschen Fußschmerzen zwischen dem ersten und zweiten Strahl?

Die Weichteilschwellung und die druckschmerzhaften Stellen sind nicht weg zu diskutieren. Eine leichte Rötung noch dazu. Nicht selten ist das Ganze begleitet von einer Schürfung oder Hornhaut im Bereich dazwischen. Meist beidseits und äußerst unangenehm. Manchmal vergessellschaftet mit Bein- und Rückenschmerzen.

Untersucht man genauer, erkennt man bei vielen Patienten Tendenzen zu Krallen- oder Hammerzehen. Das Phänomen kennt keine Grenzen. Je nach Kilometerstrecke würde ich sagen. 

Dieses unglaubliche Chamäleon des Krankheitsausmaßes kennt eine Ursache: Flip-Flops! Ein absoluter Flop für unser Gangbild und unser Fußgewölbe. Der Treter für den Strand schafft es in seiner Bandbreite der Langzeifolgen tatsächlich auf Platz 2 der heutigen Hitzerangliste. 

Platz 1 geht an den hitzigen Verrückten, der die Treter erst gar nicht angezogen hat und stattdessen barfuß über den Asphalt gegangen ist: Verbrennungen an beiden Fußsohlen bis Grad 2b.

 

Bildquelle: 4144132, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 03.08.2018.

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Medizin, Chirurgie
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Gast
Meine Frau bekommt vom AG besondere Kleidung gegen UV Strahlen gestellt und die ist nicht billig.
#4 am 06.08.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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"Und wie sieht das mit UV- Schutzcremes aus? UV-Schutzcremes sind immer als ergänzende Maßnahme zu betrachten, um die von Kleidung nicht bedeckten Körperregionen vor der UV-Strahlung zu schützen, wenn technische oder organisatorische Maßnahmen keinen ausreichenden Schutz bieten. In diesem Fall sind die UV-Schutzmittel als Maßnahme nach Arbeitsschutzgesetz zu bewerten und vom Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen." Quelle 2018_04_19_Sonnenschutz_A5_V.7.pdf — PDF document, 1.25 MB
#3 am 05.08.2018 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
Klar muss der AG für Sonnenschutz sorgen.
#2 am 05.08.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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Die Beschreibung trifft auf meine Fußbeschwerdene beidseitig leider auch zu. Und ich trage überwiegend Flip Flops – zumindest im Hausbereich. Aber was ist mit den Leuten in Brasilien, woher ich die Dinger habe, die tragen die immer. Das ganze Jahr. Ich abe dort noch nie von einem gehört, dass er diese Beschwerden hat. Und ich war schon oft dort. Treten die beschriebenen Beschwerden also nur in Deutschland auf?
#1 am 05.08.2018 von Gisela Steinecke (Heilpraktikerin)
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