Vorsicht, Patient hört mit!

30.07.2018

In den Krankenhausfluren sprechen wir manchmal ganz unbefangen mit unseren Kollegen. Einige Gesprächsfetzen können in den Patientenohren aber für viel Verwirrung sorgen – und in Extremsituationen sogar Anzeigen zur Folge haben.

Katharina wurde morgens in der Übergabe spontan auserkoren, eine Intensivverlegung eines Beatmungspatienten zur Weaning-Klinik zu fahren. Vorgesehen war ein bodengebundener Intensivtransport, kalkulierte Fahrtzeit ca. zwei bis drei Stunden. Inklusive Rückfahrt wäre sie also den ganzen Tag unterwegs gewesen.

Da sie sich auf einen gemütlichen Tag im OP eingerichtet und keine Stulle und nix dabei hatte, musste sie sich für das Mittagessen vor Ort etwas Geld bei einer Kollegin leihen. Gesagt, getan.

Tüddelige Oma in Aufregung

Am nächsten Tag wollte ich mit einer 86-jährigen und beginnend-tüddeligen Patientin bei der morgendlichen Untersuchung ein bisschen Smalltalk halten. Zu meiner Frage nach ihrem Befinden kam ich aber gar nicht.

TO (tüddelige Oma): „Ich will hier weg!“

Ich: „Wo wollen Sie denn hin?“

TO: „Weg. Hauptsache nicht länger hier bleiben. Hier dreht sich alles nur ums Geld. Geld, Geld, Geld. Herr Doktor, hier gibt es Leute …“, sie holt Luft, „ … hier gibt es Leute, die haben noch nicht mal Geld, um mittags was zu essen! Die müssen sich bei anderen was leihen. Schlimm ist das.“

Wir konnten das Missverständnis klären. Ansatzweise. Und mir wurde mal wieder klar, dass unsere Gespräche viel Raum für Interpretation lassen. Patienten und Angehörige nehmen manches von dem, was wir so dahinsagen sehr ernst. Und das kann sehr ernste Konsequenzen haben, auch und gerade für Genesungsprozess.

Anzeige wegen Bewältigungshumor

Ich kann mich noch an meinen Kollegen Dr. Götzmann erinnern, der mal einen längeren Briefwechsel mit dem Öffentlichkeitsbeauftragten eines großen deutschen Automobilclubs hatte. Bei einem Einsatz mit gelbem Hubschrauber gab es einen schwerverletzten Patienten, nennen wir ihn Müller, und einen Leichtverletzten namens Maier. Offensichtlich war sich einer der Feuerwehrmänner nicht ganz über Maiers (unproblematischen) Zustand und die Platzverhältnisse im Hubschrauber im Klaren. Denn er fragte seinen Kollegen, warum sie denn Müller mitnehmen würden und Maier nicht. 

In einer für den Rettungsdienst typischen Form des Bewältigungshumors, der für Außenstehende manchmal schwer zu verstehen ist, antwortete Dr. Götzmann: „Na, Maier is schließlich kein Mitglied beim Großer-Deutscher-Automobil-Club“.

Das wiederum hörte einer der umstehenden Unbeteiligten und sah sich direkt genötigt, hier mal eine Anzeige zu schreiben. Ups. Also: Pass auf kleiner Mund, was du sprichst.

 

Bildquelle: Couleur, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 30.07.2018.

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Bewältigungshumor, war mir neu, ist aber sehr passend. Bewältigungshumor ist in allen Bereichen, in denen Menschen mit Menschen, Kunden und Patienten arbeiten "Überlebenswichtig". Das Beispiel von Maier und dem Hubschrauber ist Klasse.
#1 am 31.07.2018 von Jürgen Sauß (Nichtmedizinische Berufe)
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