Nach Anweisung des Arztes

23.09.2013
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Auf dem Rezept: Sinupret Tabletten und Solmucol 10% Ampullen.

Ungewöhnlich. Im Normalfall nimmt man diesen Wirkstoff ein, Ampullen zu verschreiben ist seltsam – speziell, wenn es ganz offensichtlich (wegen den Sinupret) für eine Erkältung gedacht ist und nicht für etwas chronisches wie Mukoviszidose. Auch steht da keine Anleitung, wie sie angewendet werden.

Die Ampullen mussten bestellt werden.

Beim Abholen fragt die Patientin, wie sie das anwenden muss. Da der Arzt gar nichts dazu aufgeschrieben hat, haben wir darauf geschrieben: „Nach Anweisung des Arztes anwenden.“

Es besteht immer noch die Möglichkeit, dass das zum Spritzen gedacht ist – aber das dürfte dann nur der Arzt selber machen.

Und da meine Kundin immer noch leicht irritiert schaut, erkläre ich ihr: „laut Packungsbeilage steht da, dass das normalerweise zum Inhalieren mit einem Gerät ist : 1 bis 2 mal täglich“.

Sie nickt. Schaut aber immer noch nicht überzeugt.

„Falls der Arzt etwas anderes gesagt hat, können sie dort ja noch anfragen.“

Ich habe schon Ampullen von Medikamenten verschrieben gesehen, die zum einreiben waren (in dem Fall eher nicht), oder auch eingenommen werden sollten (eventuell möglich hier) - Aber wenn es zum spritzen ist – dann müsste die Patientin das doch wissen, weil sie dann damit zum Arzt zurück muss. Also denke ich, das ist wirklich zum inhalieren – manche Leute haben auch so einen Vernebler zu Hause ... anders kann ich mir eigentlich nicht erklären, weshalb der Arzt das so aufschreiben sollte.

Die Patientin nimmt ihre Ampullen und geht.

Nach einem Tag kommt sie zurück und sagt: „Ich habe Probleme mit den Ampullen. Ich kann das nicht inhalieren weil ich kein Gerät zu Hause habe.“

Ja, kein Wunder hat sie damit Probleme.

Ich frage beim Arzt nach, ob es vielleicht doch anders anzuwenden gedacht ist.

Arzt: „Nein, das soll sie inhalieren.“

Pharmama: „Okay, aber die Patientin hat kein Gerät dafür.“

Arzt (mit einer Selbstverständlichkeit): „Sie haben doch sicher Mietgeräte, die sie ihr geben können?“

Pharmama: „Ja, natürlich – aber wenn das so gedacht ist, schreiben sie es doch bitte das nächste Mal auch so auf das Rezept.“

Mal abgesehen, dass das so ist, als schreibe der Arzt Insulin Pen Refills auf, ohne dass der Patient jemals einen Pen besessen hat ... ich halte das für einen Mini-Kunstfehler, der der Patientin schliesslich auch eine Menge Zeit gekostet hat. Ich habe auch noch nie zuvor ein Rezept gesehen, wo der Arzt etwas zum inhalieren aufgeschrieben hat und dann nicht noch den Inhalator dazu aufschreibt.

Und was lernen wir daraus: Das nächste Mal immer deutlich nachfragen, ob der Kunde auchwirklich ein passendes Gerät zu Hause hat.

Nein, das war keine Sternstunde.

Auch von uns nicht.

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.10.2013.

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Pharmazie
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Gast
na ja da hat sicher jeder eine "Art" Schuld, sowohl Arzt als auch Apotheke, das das so schief gelaufen ist und der Patient wertvolle Zeit verloren hat, aber wenn ich an meine Kunden in der Apo denke hat auch der Patient eine gewisse Schuld....und klar wenn ich nachfrage ob er über die Anwendung informiert ist und demjenigen Fragezeichen im Geschicht stehen rufe ich in der Praxis an...nur leider auch schon erlebt dass die Praxis eher genervt war, lag vielleicht auch einfach daran dass eine Nachfrage wohl generell häufiger vorkam....da fragt sich dann nur warum?!
#7 am 01.10.2013 von Gast (Angestellte Apotheker)
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Also, wenn die Kundin bei der Abholung schon sagt, daß sie vom Arzt nicht über die Anwendung informiert wurde, klemme ich mich dahinter und frage beim Arzt nach. Gerade bei einer so ungewöhnlichen Medikation. Das liegt in meiner Pflicht!!!!
#6 am 28.09.2013 von Simone Wulf (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA))
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An die Vorredner: Ich finde, dass der Patientin sehr wohl sämtliche Applikationsmöglichkeiten aufgezeigt wurden. Außerdem ist nach dem Zusatz "nach ärztlicher Anweisung" davon auszugehen, dass der Arzt der Patientin erklärt hat wie sie das Medikament anwenden muss. Ein davon abweichender Rat aus der Apotheke hat nicht nur einmal zur Verunsicherung von Patienten und schlechter Stimmung bei Arztpraxen geführt. Sicherlich wäre aber eine direkte Nachfrage nach dem Inhalationsgerät sinnvoll gewesen. Aber beachten Sie doch mal die letzten beiden Sätze!
#5 am 27.09.2013 von Charlotte Range (Angestellte Apotheker)
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War da nicht mal etwas mit Plausibilitätsprüfung bei der Abgabe von Arzneimitteln? Wenn man Zweifel hat MUSS die Abgabe verweigert werden, bis die Zweifel ausgeräumt sind. Es ist wirklich peinlich, wie viele Kollegen unseren Berufstand präsentieren! Auf den Beipackzettel verweisen ist wohl keine Beratung! Warum hat man nicht einfach beim Arzt nachgefragt? Zumal das Medikament doch bestellt werden musste. Da hätte man ausreichend Zeit gehabt. Oder bedeutet dies wieder einmal, dass man viele Apotheker nur zum Schubladenziehen gebrauchen kann?
#4 am 27.09.2013 von Gast (Gast)
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Gast
ganz ehrlich, der Apotheker war auch keinen Deut besser, er hat nur die bessere Position an einem anderem rumzumeckern. Mitgedacht hat keiner von beiden. Und der Patient war brav wie ein Schaf. Gut erzogen, über die Compliance kann man nicht meckern.
#3 am 25.09.2013 von Gast
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Gast
es heisst doch immer: "fragen sie ihren Arzt ODER Apotheker..." warum wurde denn der Patientin nicht ein Mietgerät angeboten?
#2 am 25.09.2013 von Gast
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Gast
peinlich für die Ärzteschaft, leider... (schäm)
#1 am 25.09.2013 von Gast
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