Ibuprofen und Valsartan: Die Apo-kalypse

10.07.2018

Firma abgebrannt, Tabletten vergiftet, Lieferengpässe. In der Schweiz werden die Ibuprofen-Vorräte knapp. In Deutschland scheint das Problem mit dem verunreinigten Valsartan immer mehr Chargen zu betreffen. Die Arzneilandschaft ist ganz schön düster zur Zeit.

Ich bin Mitglied verschiedener Apothekergruppen auf Facebook – so erstaunt es vielleicht nicht, wenn ich als Schweizer Apothekerin dort faktisch als erste über neue Entwicklungen informiert werde. So wie die (vielleicht?) auch in der Schweiz drohende Knappheit von Ibuprofen-Tabletten.

Deutschland, Land der Rabattverträge

Offenbar ist in den USA eine der Firmen, die den Wirkstoff herstellen, abgebrannt – eine der nur 6 Firmen weltweit. In Deutschland äußert sich das jetzt schon darin, dass manche Ibuprofen-Tabletten nicht mehr lieferbar sind. Gut, dort wird das Problem noch durch die Rabattverträge verschärft: Die Apotheken sind gezwungen, die Medikamente gewisser Firmen abzugeben, da die Krankenkasse mit denen Verträge hat und andere einfach nicht vergütet. Da merkt man so Ausfälle noch schneller durch die entstehenden Engpässe. Dafür haben wir in der Schweiz an sich schon viel weniger Generikafirmen überhaupt, die die Tabletten vertreiben. Tatsächlich kann ich sie an einer Hand abzählen. Und was die Suspension mit Ibuprofen angeht: Dafür reicht ein (!) Finger.

Und jetzt Valsartan

Das wird heute ebenfalls in wenigen Firmen hergestellt – Globalisierung und Preisdruck sei Dank (ich sag nur: Geiz ist Geil) – hauptsächlich in China und Asien allgemein. Und von einer dieser Firmen wird nun (letzte Woche) gemeldet, dass der Wirkstoff mit einem Nitrosamin (potentiell krebserregend) verunreinigt ist.

Kein Wort darüber in welchem Ausmaß das Problem besteht. Da diese Firma (als einer der wenigen Hersteller) viele Firmen beliefert, die daraus Tabletten machen, sind nun entsprechend viele von einem Rückruf betroffen. Die Liste der betroffenen Firmen und möglichen Chargen verlängert sich fast täglich. In Deutschland finden sich die Rückruflisten zum Beispiel hier in der DAZ.

Und in der Schweiz? Es ist in Abklärung, meldet die Pharmavista: Ganz sicher sei die Novartis (und damit Sandoz als deren Generikahersteller) nicht betroffen (die lassen woanders herstellen). Ansonsten führt die swissmedic weitergehende Untersuchungen durch. Gestern Montag habe ich dann einen ersten (vorsorglichen) Rückruf erhalten, allerdings nur bis Stufe Detailhandel vom Schweizer Pharmaunternehmen Spirig. Die Patienten werden ebenfalls noch nicht informiert. Ob weitere Firmen betroffen sind, ist immer noch unklar.

Kein Grund zur Sorge

Grundsätzlich gilt für betroffene Patienten (egal wo): Keine Panik. Es handelt sich dabei um Verunreinigungen in sehr sehr geringen Mengen (die wahrscheinlich keine gesundheitlichen Schäden nach sich ziehen). Es wird angewiesen, die Tabletten vorläufig weiter zu nehmen, da ein plötzliches Absetzen viel (und akutere) üblere Folgen haben kann. Wer eine der betroffenen Chargen gerade nimmt, sollte sich mit dem Arzt in Verbindung setzen wegen eines Wechsels.

Ich habe das Gefühl, da kommt noch etwas auf uns zu.

 

Bildquelle: Maya West, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 16.07.2018.

68 Wertungen (3.71 ø)
13119 Aufrufe
Um zu kommentieren, musst du dich einloggen. Einloggen
Was wäre bei uns los, wenn plötzlich Indien als Arzneihersteller ausfallen würde?
#1 am 13.07.2018 von Robert Wagner (Heilpraktiker)
  5
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Das neue Heilmittelgesetz ist da … und es bringt für Apotheker bei weitem nicht nur gewünschte Änderungen. mehr...
Irgendwie warte ich immer noch auf den öffentlichen, europaweiten Aufschrei. Aber bis jetzt ist die Medienlandschaft mehr...
Der Patient, den ich in der Apotheke habe, bezahlt grummelnd die 150 Franken für seine Medikamente. Er muss – er mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2018 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: