Urlaubsplanung: Worauf Diabetiker achten müssen

05.07.2018

Für viele geht es allmählich in den langersehnten Sommerurlaub. Bei Diabetikern können sich Zeitumstellung und extreme Temperaturen auf den Blutzuckerstoffwechsel und mitgeführte Medikamente auswirken. Wie man urlaubsreife Patienten am besten darauf vorbereitet, erfährst du hier.

Ob Badeurlaub am Sandstrand, Wildwasser-Touren im Amazonas oder Wanderurlaub in den Bergen – egal, welche Variante es am Ende wird, sie bedeutet eine Umstellung für den menschlichen Körper. Während der Blutzuckerstoffwechsel für Diabetes-Patienten im Alltag gut zu kontrollieren ist, kann er im Urlaub durch unterschiedliche Faktoren aus dem Gleichgewicht gebracht werden.

Diabetiker: Umstellung im Urlaub

Besonders in ungewohnter Umgebung besteht für Diabetiker die Gefahr der Unterzuckerung. Ausgelöst durch Faktoren wie Zeitverschiebung, Hitze, Stress und veränderte Essgewohnheiten können Diabetiker im Urlaub mit starken körperlichen Veränderungen reagieren. Insbesondere bei starker sportlicher Belastung (z.B. längeres Schwimmen, Wandern, Mountainbike fahren, etc.) kann das Risiko für eine Hypoglykämie rasch ansteigen. Starke Hitze und Sonneneinstrahlung beschleunigen zudem die Insulinwirkung. Hinzu kommt das starke Schwitzen. Die Dehydration des Körpers und der einhergehende Verlust an Flüssigkeit kann bei Diabetes-Patienten zu einem schnellen Anstieg der Blutzuckerwerte um bis zu 25% führen.

Eine wesentliche Rolle für insulinpflichtige Diabetiker spielt der Faktor Zeitverschiebung. Bei Reisen nach Westen (z.B in die USA) wird der Tag länger. In diesem Fall sollten Patienten zur Aufrechterhaltung ihres Blutzuckerspiegels mit zusätzlichen Mahlzeiten die Zeit bis zum Schlafengehen überbrücken. Anders ist es bei Reisen in den Osten (z.B nach Asien). Auf Grund des verkürzten Tages sollten insulinpflichtige Diabetiker die Dosis des Mischinsulins zum Abendessen oder des Langzeitinsulins zum Schlafengehen leicht reduzieren. Mit der Zeitverschiebung ändern sich auch die geplanten Injektionsdosierungen. Hierbei gilt die Faustregel: Pro Zeitzone in Richtung Osten kann die notwendige Insulinmenge um ein 24stel reduziert werden. So ergibt sich bei einer Verschiebung um sechs Zeitzonen eine Reduzierung des Insulins um ein Viertel. Auch tablettenpflichtige Patienten mit Typ-2-Diabetes sollten vor Antritt ihrer Reise mit dem behandelnden Diabetologen Rücksprache halten, wie sie mit der „gewonnenen“ oder „verlorenen“ Zeit umgehen können.

Die richtige Urlaubsvorbereitung

Bereits vor Antritt einer Reise sollten sich Diabetiker frühzeitig über die medizinische Versorgung im auserwählten Urlaubsziel informieren. Ausführliche Informationen und Reisehinweise finden Patienten auf der Internetseite des Auswärtigen Amts oder bei einer reisemedizinischen Beratung. Neben Sonnenschutzmitteln, Impfausweis und Mückenschutz sollte das Notfallkit fester Bestandteil im Reisegepäck eines jeden Diabetikers sein.

Die Deutsche Diabetes Hilfe empfiehlt, auf eine ausreichende Menge an Notfallmedikation, Reserveutensilien und Verbrauchsmaterialien zu achten. Als Richtwert sollte hierbei das Zwei- bis Dreifache an Bedarf eingeplant werden. Darüber hinaus sollten insulinpflichtige Patienten ihre Medikamente im Urlaub vor intensiver Sonnenstrahlung schützen. Insuline, aber auch Glucagone, können bei erhöhter Temperatur ihre Wirksamkeit verlieren. Reisende sollten daher auf spezielle Kühlboxen und Taschen zur Verwahrung ihrer Medikamente zurückgreifen.

Um Schwierigkeiten und lange Diskussionen am Zoll oder bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen zu vermeiden, sollten Diabetiker einen mehrsprachigen Diabetikerausweis bei sich führen, der die für sie notwendigen Medikamente auflistet. Außerdem ist es empfehlenswert, sich vom behandelnden Arzt ein Attest zum Mitführen von Insulinspritzen ausstellen zu lassen.

Zusätzlich sollten Diabetes-Patienten auf Kurz- oder Langstreckenflügen stets ausreichende Mengen an Traubenzucker oder Zwischenmahlzeiten im Handgepäck führen. Wie viele Menschen mit chronischen Stoffwechselerkrankungen sollten auch Diabetiker im Hochsommer auf eine regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme achten und ihren Blutzucker in regelmäßigen Abständen (ca. alle 3 Stunden) messen.

Grenzenloses Reisen?

Gibt es trotz gründlicher Reisevorbereitung doch noch Reiseziele, die für Diabetiker ungeeignet sind? Prinzipiell müssen Diabetes-Patienten bei ihren Urlaubsplänen keine Abstriche machen. Jedoch sollten sie Reisen in Gebiete mit unzureichender medizinischen Versorgung meiden. Davon abgesehen steht einem erholsamen Sommerurlaub nichts mehr im Weg.

 

 

Quellen:

https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/nc/presse/ddg-pressemeldungen/meldungen-detailansicht/article/gesund-durch-den-urlaub-reisetipps-fuer-diabetespatienten.html?cHash=bef2c3bdfb91638d134576fcca0cf3b6&sword_list%5B0%5D=urlaub

https://www.diabetes-news.de/leben-mit-diabetes/diabetes-und-reisen

https://www.diabetes-news.de/nachrichten/reisezeit-jetzt-den-urlaub-mit-diabetes-planen

Bildquelle: Free-Photos, pixabay, CC0

Artikel letztmalig aktualisiert am 05.07.2018.

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Medizin, Diabetologie
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