Sport-Events: Ansteckende Stimmung

03.07.2018

Die Fußball-WM ist im vollen Gange und Fans aus aller Welt feiern mit. Unter den Fußballbegeisterten tummeln sich aber auch unliebsame Besucher wie Treponema pallidum. Das Bakterium, das Syphilis hervorruft, hat aufgrund von engem Körperkontakt bei Public Viewing & Co. praktisch ein Heimspiel.

Die Aids-Paranoia der 1980er Jahre rückte das Thema Infektionskrankheiten in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Angst vor dem „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ veranlasste Sportverbände, sich zunehmend mit der Tragweite von sexuell übertragbaren Krankheiten während internationaler Begegnungen auseinanderzusetzen. Einen wahrlich olympischen Rekord erzielten die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016. So wurden für das sportliche Event ganze 450.000 Kondome kostenlos für die Athleten zur Verfügung gestellt. Das sind 42 Kondome pro Athlet, fast dreimal so viele wie vier Jahre zuvor in London.

Doch nicht nur in den Athletendörfern geht es heiß her. Neben den aktiven Sportlern kommen abertausende, schaulustige Fans verschiedener Nationalitäten ins Austragungsland. Abseits der sportlichen Ereignisse, erfreuen sich die angereisten Sportbegeisterten an den kulturellen Vorzügen und dem ausschweifenden Nachtleben des Gastgeberlandes. Hier treffen Kulturen und Krankheitserreger aus aller Welt aufeinander.

Syphilis auf dem Vormarsch?

Selten war die Anbahnung von Kontakten, Partnerschaften, aber auch flüchtigen Sexualkontakten so einfach wie in der heutigen Zeit. Der veränderte und offenere Umgang mit Sexualität und die Präsens von Dating Apps wie Tinder und Grindr sind nach Aussage des Präsidenten der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG), Norbert Brockmeyer, für den Anstieg von Sexualinfektionen mitverantwortlich. Trotz vielfältiger Maßnahmen zur Prävention, Diagnostik und Therapie von Syphilis, hat die Zahl der gemeldeten Infektionen in Deutschland in den letzten Jahren stark zugenommen. So stieg nach Angaben des Robert-Koch-Instituts die Zahl der jährlichen Neuinfektionen im Vergleich zum Vorjahr um 19,4%.

Übertragung und Symptome

Syphilis ist eine weltweit verbreitete Erkrankung und gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten (STD). Sie wird durch das Bakterium Treponema pallidum hervorgerufen. Syphilisinfektionen unterliegen der Meldepflicht und müssen in Deutschland unmittelbar nach Feststellung in der Praxis oder im Labor dem Robert-Koch-Institut gemeldet werden. Die Übertragung von Syphilis erfordert einen engen Kontakt. Jegliche Form von Schleimhautkontakt kann zur Übertragung von Syphilis führen. Der Hauptübertragungsweg bleibt jedoch der (hetero- oder homosexuelle) Geschlechtsverkehr. Die Übertragung erfolgt über das Eindringen des Erregers in kleinste Haut- oder Schleimhautläsionen in Vagina, Anus oder der Mundhöhle. Besonders leicht ist eine Übertragung beim Drogenkonsum, etwa durch den gemeinsamen Gebrauch von Spritzen.

Ist man erst einmal infiziert, treten verschiedene Beschwerden auf. So bilden sich zu Beginn der Infektion häufig kleinere Geschwüre, z.B. am Penis, in der Scheide, im Analbereich oder am Mund. Hinzu kommen Schwellungen der Lymphknoten, Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen. Während die Symptome der Syphilis im Frühstadium oftmals von selbst abklingen, erreichen die Beschwerden in der dritten Phase ihr maximales Ausmaß. Zu diesem Zeitpunkt treten überall am Körper Geschwüre auf, die Organe und das Nervensystem schädigen. Mögliche Folgen reichen bis hin zu Taubheit, Blindheit und geistigem Verfall.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Heutzutage ermöglichen serologische Untersuchungen ein schnelles und zuverlässiges Screening zur Bestimmung einer Syphilis-Erkrankung. So zeigen der TPPA-Test oder der TPHA-Test nach einer Inkubationszeit von zwei Wochen ein positives Ergebnis. Behandelt wird die Syphilis mit Antibiotika, hauptsächlich mit Penicillin. Wird die Krankheit in den ersten beiden Stadien diagnostiziert und behandelt, dauert die Therapie zwei bis drei Wochen. Auch im späteren Krankheitsverlauf ist eine Behandlung möglich. Diese setzt jedoch einen längeren stationären Aufenthalt voraus.

Fazit:

Bleibt für den Rest der WM also festzuhalten: Trotz ihrer Euphorie sollten feierwütige Fußball-Fans die Risiken von Infektionskrankheiten ernst nehmen und präventive Maßnahmen vornehmen, wie den Gebrauch von Kondomen bei sexuellen Aktivitäten oder die Nutzung von Desinfektionsmitteln.

 

Quellen:

1.    https://www.aidshilfe.de/syphilis

2.    https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/S/Syphilis/Syphilis.html

3.    https://www.welt.de/vermischtes/article157427501/Ein-Hoch-auf-das-Kondom.html

4.    http://www.deutschlandfunkkultur.de/zunahme-von-geschlechtskrankheiten-eine-gewisse.1008.de.html?dram:article_id=419853

5.    http://flexikon.doccheck.com/de/Syphilis?utm_source=www.doccheck.com&utm_medium=web&utm_campaign=DC%2BSearch

6.    https://www.stern.de/politik/ausland/russland-vor-wm--wo-hiv-zur-epidemie-wird-und-die-behoerden-gegen-kondome-wettern-8000710.html

7.    https://rp-online.de/sport/olympia-winter/pyeongchang-2018-sex-im-olympischen-dorf-110000-kondome-verteilt_aid-18934035

Bildquelle: Andy03, pixabay, CC0

Artikel letztmalig aktualisiert am 03.07.2018.

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Medizin, Allgemeinmedizin
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