PR: Ich bin kein Leistungserbringer, kein Zuweiser, kein Mediziner – ich bin Arzt!

21.06.2018

Sprache formt und entlarvt unsere Denkmuster. Was steckt also dahinter, wenn immer mehr von „Leistungserbringern“, „Zuweisern“ und „Medizinern“ anstatt einfach von Ärzten gesprochen wird? Sind das wirklich nur harmlose Vereinfachungen?

 

„Leistungserbringer“

Seit den 90ern verwenden die gesetzlichen Krankenkassen zunehmend den Begriff „Leistungserbringer“ anstelle der korrekten Bezeichnungen wie Arzt, Physiotherapeut, Logopäde oder Psychotherapeut. Es handele sich dabei um eine vereinfachende Zusammenfassung, hieß es.

Der Begriff „Leistungserbringer“ reduziert die bezeichneten Berufsgruppen aber gleichzeitig auf einen Teil ihrer Tätigkeit. Diese umfasst ja deutlich mehr als nur die Erbringung von medizinischen, diagnostischen oder therapeutischen Leistungen. Die Krankenkassen betrachten die Heilberufsgruppen nur unter dem Aspekt der Kostenverursachung. Dort verliert man aus dem Blick, dass die „Leistungserbringer“ mehr als nur Leistungen erbringen, nämlich ihre Patienten als Menschen in ihrer Ganzheit betrachten, behandeln, begleiten und damit zu ihrer Genesung beitragen. Die Heilkunde kann nicht auf die Leistungserbringung verkürzt werden.

 

„Zuweiser“

Der Ausdruck „Zuweiser“ wurde von Krankenhausverwaltungen eingeführt. Auch er reduziert den Partner in der Behandlung von Patienten auf den wirtschaftlichen Aspekt der Zusammenarbeit. Der Arzt wird zum reinen Zubringer, der im Krankenhaus Leistungen auslöst und damit für den wirtschaftlichen Betrieb des Krankenhauses unerlässlich ist.

Im Ärzteblatt 2016 113 (9) wurde ein Artikel zum „Einweisermanagement“ veröffentlicht. Darin wurden die Ärzte in A-, B- und C-Einweiser unterteilt. Die B-Einweiser waren die interessantesten, um die sich ein Team aus Chefarzt, Oberärzten, Geschäftsführung, Controlling und Marketing kümmern sollte. Damit wird klar, dass in den Augen solcher Verwaltungen jedwede Kommunikation, Fortbildungsveranstaltungen und Ähnliches im Wesentlichen als Marketingmaßnahmen verstanden werden.

Solche Sprache versinnbildlicht die Ökonomisierung, und damit meine ich den mittlerweile bestehenden Primat der Ökonomie im Krankenhaus. Sie drückt auch ein offensichtlich bestehendes Konkurrenzverhältnis von Krankenhäusern untereinander aus.

 

Verkürzende Sprache ist Ausdruck der Deprofessionalisierung

Die Begriffe „Leistungserbringer“ und „Zuweiser“ tragen damit zur Deprofessionalisierung des Arztberufes bei. Mit Deprofessionalisierung ist das Zurückdrängen des freien Berufes Arzt gemeint. Darüber haben wir schon in einem eigenen Blogbeitrag berichtet.

Profession ist hier im engeren Sinne die Berufung als Angehöriger eines freien Berufs, als Arzt und Heilkundiger, der nur dem Patienten und der Allgemeinheit zu dienen verpflichtet ist. Wie es in der Berufsordnung steht, geht der Arzt nämlich keinem Gewerbe nach – auch nicht als angestellter Arzt.

Daher ist eine Verkürzung durch Begriffe wie „Einweiser“ auf Teilaspekte der Profession nicht nur unzulässig, sondern auch gefährlich. Wir – alle Ärzte – müssen diese Entwicklung entschieden zurückweisen. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin entwickelt gerade einen Klinik-Kodex, mit dem klargestellt wird, dass Medizin vor Ökonomie geht. Eine notwendige und wichtige Initiative.

 

„Generalist“ und „Spezialist“

Aber auch im eigenen, ärztlichen Bereich müssen wir aufpassen mit bestimmten Begriffen. Der angebliche Haus- und Facharzt-Konflikt wird immer wieder hochstilisiert – befeuert von interessierter Seite. Dabei existiert dieser Konflikt an der Basis überhaupt nicht!

In meinem Stadtteil arbeiten Hausärzte und Fachärzte Hand in Hand und versuchen der Patientenflut gemeinsam Herr zu werden. Mit dem Projekt „Gesundheit für Billstedt/Horn“ zeigen wir Ärzte im Stadtteil, dass wir gemeinsam an einer Lösung arbeiten wollen. Wir beginnen, die Probleme, die uns die Politik vor die Füße gekarrt hat, jetzt selbst zu lösen. Dabei ist es wenig hilfreich, wenn mit Namen wie „Generalist“ auf der einen Seite und „Spezialist“ auf der anderen Seite neue abgrenzende Begriffe eingeführt werden und die Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten belasten.

Das Sozialgesetzbuch kennt die Begriffe „Hausarzt“ und „Facharzt“. Dabei sollten wir es belassen. Meine persönliche Meinung geht sogar noch weiter: Für mich gibt es nur Fachärzte. Auch der Hausarzt ist für mich ein Facharzt, denn er versteht sein Fach. Das steht übrigens auch auf seiner Facharzturkunde. Jeder Facharzt betrachtet den gesamten Menschen, und behandelt nicht nur einzelne Organe. Das sollten wir einander nicht absprechen. Es schadet nur dem Arztberuf insgesamt.

Handeln wir also auch bei den Begrifflichkeiten, die wir selbst verwenden, professionell. Lassen wir uns nicht verkürzen auf „Leistungserbringer“, „Zuweiser“, „Generalist“ oder „Spezialist“.

 

Ihr Dr. med. Dirk Heinrich
Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes

 

Die Zeit der Einzelverbände ist vorbei. Der NAV-Virchow-Bund vertritt niedergelassene und ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen. Wir setzen uns ein für die Freiberuflichkeit, für die Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten und für vernetzte ärztliche Strukturen. Gemeinsam erreichen wir mehr. Erfahren Sie hier, was unsere berufspolitische Arbeit für Praxis-Ärzte verändert.

 


 

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Artikel letztmalig aktualisiert am 21.06.2018.

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