Das tägliche Schädel-Helm-Trauma

21.06.2018

Mädchen auf dem Fahrrad, von Auto in der Fußgängerzone erfasst. Rennradfahrer, an der Ampel umgefallen. Inlineskaterin, aus dem Stand auf den Asphalt gestürzt. Diese Fälle haben zwei Dinge gemeinsam: 1. Alle drei landeten bei mir. 2. Sie trugen keinen Helm.

Helm tragen. Immer wieder aufs Neue entbrennt die heiße Diskussion über das Für und Wider des Helmtragens beim Fahrradfahren. Ich würde die Debatte übrigens auch ums Inlineskaten, Rollerfahren etc. erweitern. Der Kinderdok hat dazu seine sehr kompakte, von mir voll unterstützte Meinung niedergeschrieben. Im Folgenden meine Ergänzung.

Heute im Schockraum

Mädchen, 9 Jahre, als Fahrradfahrerin von Auto (30 km/h) in der Fußgängerzone erfasst.

Vor Ort bereits Pupillendifferenz, Intubation, schnelle Rettung. Innerklinisch nach CCT Diagnose eines massiven Schädel-Hirn-Traumas mit Subarachnoidalblutung, nebenbefundlich dislozierte Oberschenkelfraktur und einige Bagatellverletzungen. „Hirn-OP“ mit Ausräumung des Blutergusses, später Oberschenkelosteosynthese, insgesamt ungewisser Ausgang.

Wir konnten nicht glauben, dass der PKW nur 30km/h gefahren sein soll, aber der Unfallhergang war komplett plausibel und leider war das Mädchen ohne Helm unterwegs.

Zerstört Frisur, rettet Leben

Ich trage einen Helm. Das ruiniert vielleicht die Frisur, es bewahrt mich aber sicher davor, durch blöde Umstände sabbernd in einem Pflegebett vor mich hin zu vegetieren. Wegen eines Fahrradunfalls liege ich dann nur noch herum und meine Familie freut sich, weil ich nicht mehr nur rechts an die Decke gucken, sondern schon den Kopf selber wenden kann. Ein Albtraumszenario. Dann lieber mit Helm.

Es geht übrigens nicht um die eigene Geschwindigkeit!

Wir hatten vor zwei Jahren mal einen, der ist an der Ampel umgefallen, weil er aus den Klickpedalen seines Fahrrads (Rennrad) nicht rausgekommen ist und deshalb aus ca. 2 m Höhe mit dem Kopf auf dem Asphalt aufgeschlagen ist. Am nächsten Tag hat er gelallt, hatte rasende Kopfschmerzen und den Rest könnt ihr euch denken.

Oder die Familienmama, die auf ihren Inlinern stehend (!) nach hinten umgekippt und auf ihren Kopf geknallt ist. Isoliertes Schädel-Hirn-Trauma mit Massenblutung, Uniklinik mit Not-OP, Schädelknochen auf, drei Tage des bangen Wartens und letztlich doch als Organspenderin geendet. Aus dem Stand!

Helm tragen. Immer.
Außer auf dem Spielplatz.

 

Bildquelle: Igor Spasic, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 02.07.2018.

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Ja Herr Sallen, es geht ums Radfahren. Sie haben offenbar keinerlei Vorstellung davon, wie Fallen lernen funktioniert und wie sich das auf die allgemeine Bewegungskoordination auswirkt. Dabei hat der Studi unter #5 es bereits anschaulich erklärt: In der Schule Falltechniken aus dem Judo gelernt, die dann beim Sturz auf dem Eis geholfen haben. Man muß das Fallen nicht mit dem Fahrrad üben, um besser mit dem Fahrrad fallen zu können. Judo geht auch. Jiu Jitsu geht auch. Oder Turnen. Oder Pacours. Oder Fußball (s. Neymar). Oder sonst ein beliebiger Sport mit regelmäßigem Bodenkontakt. Und - jetzt kommt's - das Fallen lernen hilft sogar dann, wenn man beim Judo ohne Helm übt und später mit Helm vom Fahrrad stürzt.
#8 vor 11 Tagen von Annika Diederichs (Tierärztin)
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...aber bei dem hier kommentierten Beitrag geht es eindeutig ums Radfahren, und zwar mit Helm!
#7 vor 12 Tagen von Ulrich Sallen (Arzt)
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Herr Sallen, es mag Sie überraschen, aber man kann Fallen auf verschiedenste Art und Weise lernen. Bevor ich das erste mal mit dem Fahrad gestürzt bin - was nicht ausbleibt, wenn man seit dem zweiten Lebensjahr jeden Tag Fahrad fährt, auch bei Eis und Schnee, zigtausende Kilometer - bin ich schon beim Laufenlernen hingefallen, beim Spielen im Garten und auf dem Spielpatz, beim Turnen und bei ~ 20 weiteren Sportarten und zu diversen weiteren Gelegenheiten. Durch das tausendfache Hinfallen habe ich allerdings nicht nur das Fallen gelernt, sondern auch das Balancieren. Verletzt habe ich mich nur ein einziges mal, als das Pferd, auf dem ich saß, sich überschlug und mein Schlüsselbein gebrochen ist. Ein Ast auf dem Weg, ein Schlagloch oder eine Straßenbahnschiene, Missachtung der Vorfahrt etc. etc." waren übrigens nie ein Problem, weil ich vorausschauend fahre. Ich habe übrigens nirgendwo behauptet, daß man speziell den Sturz vom Fahrrad üben sollte.
#6 vor 12 Tagen von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Gast
Man kann vielleicht nicht den Sturz selbst, aber das Aufkommen auf dem Boden üben. „Damals“ im Sportunterricht haben wir uns u.a. an ein paar Techniken von Judo (oder was auch immer) versucht; vorher musste allerdings das korrekte hinfallen beherrscht werden: abklatschen, Kopf hoch ziehen und ein Bein nach oben - insofern ich mich richtig erinnere. Als ich einige Jahre später einmal auf dem Eis ausrutschte bin ich genauso gestürzt und hatte nichts außer ein paar Hämatomen.
#5 vor 13 Tagen von Gast (Student der Humanmedizin)
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@#2 Das ist ja mal ein interessanter Aspekt, man soll einen Sturz vom Fahrrad vorher üben, und zwar tausend-, wenn nicht zehntausendfach! Ich vermute, dass Frau Diederichs noch nie auf einem Fahrrad gesessen hat. Fahrradstürze passieren völlig unvermittelt. Ein Ast auf dem Weg, ein Schlagloch oder eine Straßenbahnschiene, Missachtung der Vorfahrt etc. etc. Genauso gut könnte man ja mal mit dem Auto gegen eine Wand fahren, um zu "üben", wie man aus einem demolierten Fahrzeug wieder heraus kommt.
#4 vor 13 Tagen von Ulrich Sallen (Arzt)
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Ich seh viele Kinder beim Radausflug mit Helm. Die Eltern insbesondere die Mütter fahren dabei oben ohne.
#3 vor 15 Tagen von 9 (Medizinphysiker)
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Viele der schweren Verletzungen bei Sturz resultieren u.a. auch daraus, daß viele Menschen nie gelernt haben, richtig zu fallen. Wer ungeschickt fällt, verletzt sich viel eher und vor allem auch viel schwerer, als jemand, der sich gut schützt und abrollt beim fallen. Ich plädiere daher sehr dafür, Kinder das fallen üben zu lassen. Jedesmal, wenn ich Eltern auf dem Spielplatz hysterisch schreien höre: "Fall bloß nicht hin!", hoffe ich, das Kind tut es doch und hat so eine Chance, in geschützter Umgebung fallen zu lernen. Es braucht einige tausend, besser noch einige zehntausend Fallübungen, bis man halbwegs gelernt hat, gut und sicher zu fallen. Sportler wissen das, Eltern häufig nicht.
#2 vor 15 Tagen (editiert) von Annika Diederichs (Tierärztin)
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So schlimm die Unfallberichte sind, aber die Anmerkung: 30KmH in der Fußgängerzone kann ich nicht glauben :-) In der Fußgängerzone darf man entweder gar nicht mit dem Auto, oder max mit Schrittgeschwindigkeit fahren.... Ansonsten: JA, Helm tragen!
#1 vor 16 Tagen von HPA Nicole Dams (Heilpraktikerin)
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