Homöopathie gegen Homosexualität

21.06.2018

Es gibt Tage, da verschlägt es mir regelrecht die Sprache wenn ich eine Internetseite öffne. So auch heute, denn mein Weg hat mich zur Seite des „Arbeitskreis Homöopathie“ beim Bund katholischer Ärzte (BKÄ) geführt. Und die sprechen sich ganz klar dafür aus, Homosexualität zu behandeln. Notfalls auch homöopathisch.

Ein kleiner Link in einer Facebook-Gruppe führte mich zur Seite der homöopathischen Arbeitsgruppe innerhalb der Vereinigung katholischer Ärzte. Dort ist man sich darüber einig, dass Homosexualität eine Art Erkrankung sein kann:

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In der Arbeitsgruppe werden wichtige Fragen geklärt, unter anderem die, ob man denn auch Frauen, die an gleichgeschlechtlicher Liebe erkrankt sind, mit Homöopathie heilen kann. Die Antwort lässt tief blicken: Man könne auch Tiere und Pflanzen homöopathisch behandeln, daher könne man auch Frauen heilen. Puh. Da hab ich ja noch mal Glück gehabt.

 

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Ich lese weiter und bin nach dem erstem Amusement werde ich immer entsetzter. Homosexualität wird von diesem homöopathischen Arzt Dr. Gero Winkelmann als Leiter des BKÄ (Bund katholischer Ärzte) offensichtlich als Perversion und behandlungsbedürftige geistige Störung gesehen.

Am Ende der Seite findet sich dann noch ein Hinweis, dass nicht alle katholischen Ärzte der Vereinigung mit der homöopathischen Herangehensweise an dieses Problem einverstanden sind. Ach! Gibt es vielleicht doch noch sowas wie christliches Verständnis dort?

Mittelalterlicher Wunsch nach ICD-Code

Ich sehe mir die Hauptseite genauer an und erstarre ein weiteres Mal. Die Schulmediziner verlangen sogar eine Wiederaufnahme der Homosexualität in den ICD-Schlüssel! Weil sie ja sonst nicht behandeln dürften, wenn jemand verzweifelt zu ihnen kommt.

Als Beispiel wird eine unglückliche italienische Mama aufgeführt, die ob der Abartigkeit ihres Sohnes verzweifelt weinend in ihre Praxis kommt. Sollte man diese Dame etwa rüde wegschicken? Die Bibel sage ja auch, man dürfe keinen Hilfsbedürftigen abweisen. Es wird sogar das Beispiel des barmherzigen Samariters bemüht.

Gelungene Beratung geht anders

Bei mir geht jetzt langsam der Blutdruck durch die Decke. Diese Hybris! Nur weil jemand den Dr. med. (cath.) vor seinen Namen stehen hat, bedeutet das doch nicht, dass er einen solchen gequirlten Unsinn in die Welt setzen darf. Wenn eine solche Dame weinend in die Praxisräumlichkeiten gewankt kommt, würde ich ihr freundlich die Beratungsstelle „ProFamilia“ empfehlen. Da ist sie bei ihrem Hausarzt einfach an die falsche Adresse geraten.

Und wenn ein unter seiner Sexualität leidender Homosexueller sich dort hin verirrt, wäre es die Aufgabe des Arztes, zu erklären, dass das keine behandlungsbedürftige Krankheit oder Perversion ist. Vielleicht könnte er noch den Gang zum Psychologen anraten, der dem Patienten hilft, sich mit seiner Sexualität zu versöhnen. Oder er könnte den Mann meinetwegen auch für sein Seelenheil an die Kirche verweisen. So ein erzkatholischer Arzt hat doch sicher einen guten Pfarrer zu Hand, der dem Betroffenen helfen kann. Ansonsten will ich gar nicht wissen, mit welchen Methoden diese Exorzisten eigentlich die Homosexualität austreiben wollen würden?

Bekehrung wird von Krankenkassen bezahlt

Ich grabe weiter im Netz und erfahre, dass diese sogenannte „Konversionstherapie“ tatsächlich von den Krankenkassen bezahlt wird. Es wird dann von den Ärzten eben nicht „Austreibung von homosexuellem Verhalten“ genannt, sondern „Erläuterung einer lebensverändernden Erkrankung“, was man dann dem Katalog für Krebserkrankte entnimmt. Und das in Deutschland im Jahr 2018.

 

Bildquelle: Guillaume Paumier, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.06.2018.

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Entschuldigung! Ich bezog mich auf Kommentar #9, nicht #8
#12 am 23.07.2018 von Eva Julia Fischer (Zahnärztin)
  0
@8 ERST denken, DANN schreiben! Was geht es irgendwen an, was zwei Erwachsene einvernehmlich miteinander machen?! Die beiden sind unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit gleichberechtigte Partner und sie empfinden ob ihrer sexuellen Ausrichtung keinen Leidensdruck- sofern nicht ihre Umwelt ihnen das Leben schwer macht. Sie werden doch nicht ernsthaft die Qualität einer Liebesbeziehung daran festmachen wollen, welche Sexualpraktiken zum Einsatz kommen oder welche primären Geschlechtsmerkmale die Beteiligten haben? Ganz anders sieht das bei Menschen aus, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen: Hierbei wird das Kind geschädigt und es muss alles unternommen werden um Kinder vor Missbrauch zu schützen und Menschen, die solche Neigungen verspüren, zu helfen,nicht zu Tätern zu werden. Problematisch für diese Gesellschaft sind doch eher diejenigen,die mit missionarischem Eifer ungefragt andere Menschen bewerten......da sehe ICH eher Behandlungsbedarf.
#11 am 23.07.2018 von Eva Julia Fischer (Zahnärztin)
  0
Gibt halt leider bis heute unter Christen ganz viele, die das Wort Gottes (Jesus Christus) mit den Buchstaben verwechseln. Jesus - auf den sich diese Fanatiker leider fälschlicher Weise beziehen, hat solche Menschen, die sich Gesetze benutzt haben um Menschen auszugrenzen immer wieder scharf angegriffen - einfach mal nachsehen, was er zu Pharisäern gesagt hat. Ich hoffe, das sich irgendein homosexueller Anwalt mal mit diesem suspekten Verein beschäftigt
#10 am 30.06.2018 von Gunnar Götze (Physiotherapeut)
  4
Gast
Dann ist jemand der sich zu auch oder nur zu Kindern und Tieren sexuell hingezogen fühlt nicht krank sondern erlebt die Ausprägung einer vielfältige Sexualität? Wenn der also dem Wunsch, des Auslebens seines Triebes aber nun nicht nach gehen darf, weil Gesetze dem Tun im Wege stehen, dann leidet er und muß behandelt werden? Also ist es die Gesellschaft die ihn krank werden läßt?????
#9 am 27.06.2018 (editiert) von Gast
  47
Homosexualität ist zu 100% keine Erkrankung, auch keine "Art Erkrankung". Punkt! Sollte ein Mensch wegen seiner sexuellen Veranlagung (egal welche) einen Leidensdruck empfinden, könnte eine angemessene ärztliche Beratung und eine psychologische Betreuung den Leidensdruck evtl. mindern. Ich finde gerade medizinisches Personal insbesondere Ärzte sollten im Jahr 2018 angekommen sein. Frage an die Vereinigung katholischer Ärzte: wirken die Globulis auch gegen Homophobie?
#8 am 27.06.2018 von Sascha Jung (Gesundheits- und Krankenpfleger)
  7
Das ist total grauenhaft und unbedingt zu verurteilen, was da beim "Arbeitskreis Homöopathie" des BKÄ ausgeheckt wurde. Sie benutzen die Homöopathie, um gegen Homosexuelle zu hetzen! Leider gibt es offenbar in jeder Berufsgruppe total Verirrte!? Ich arbeite als Heilpraktiker mit Homöopathie, ich bin genauso entsetzt über solche Nachrichten wie die meisten anderen Kolleginnen und Kollegen auch, die mit Homöopathie arbeiten, gleich ob Ärzte oder Heilpraktiker. Man kann nur hoffen, daß dem BKÄ und seinem seltsamen Arbeitskreis das Handwerk gelegt wird, und darüber hinaus hoffe ich, daß niemand auf die absurde Idee kommt, der Homöopathie als Therapieform seien solche Absurditäten eigen. In einem Arbeitskreis "Chinesische Medizin" oder "Arbeitskreis Chirurgie" würde der BKÄ wahrscheinlich inhaltlich nichts anderes tun...? Mit freundlichen Grüßen, Thomas Mickler
#7 am 27.06.2018 (editiert) von Thomas Mickler (Heilpraktiker)
  2
Gast
Ich kenne einige wenige sehr gläubige Katholiken. Da wundert mich das hier nicht. Wenn dann noch Ärzte diesem Glauben verfallen wird es beschämend.
#6 am 27.06.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
  5
Schrecklich! Eine Psychotherapie könnte vielleicht helfen. Wird von der Kasse bezahlt und macht Sinn!
#5 am 27.06.2018 von Hildur Bohland (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
  24
Sind die in den 1950er Jahren hängengeblieben?!
#4 am 26.06.2018 von Dr. med. Bernd Hegemann (Arzt)
  8
Unglaublich...
#3 am 26.06.2018 von Dr. med. Bernd Hegemann (Arzt)
  6
Schockierend, einfach nur schockierend!!!!
#2 am 26.06.2018 von Schwester Annette Latka (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
  7
Es ist schon interessant, kritische Kommentare werden wegzensiert.
#1 am 26.06.2018 von Dr. med. Jens Bernhardt (Arzt)
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