Brustkrebs: Schritt für Schritt zur Diagnose - Teil I

06.06.2018

Ein durch Zufall ertasteter Knoten in der Brust – so entsteht meistens erst der Verdacht auf Brustkrebs. Um eine konkrete Diagnose stellen zu können, müssen im Vorfeld verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden. Welche das sind, erklärt Dr. Riedel anhand dieses Fallbeispiels.

Der Fall:

Frau M., 54. Jahre, stellt sich in der Sprechstunde ihrer Frauenärztin vor mit einem neu aufgetretenen tastbaren Knoten in der rechten Brust. Die Patientin gibt an, diese Veränderung erst vor wenigen Wochen durch Zufall beim Duschen bemerkt zu haben. Anfangs habe sie dem Ganzen keine besondere Bedeutung zugemessen, aber nachdem der Knoten nicht von alleine verschwunden war, ist sie nun doch ein wenig verunsichert, zumal ihre Nachbarin vor wenigen Monaten an Brustkrebs erkrankte. Die letzte Vorsorge im Rahmen des regulären Mammographie-Screenings vor knapp 1,5 Jahren war anamnestisch unauffällig.

Frau M. ist sonst gesund, nimmt bis auf L-Thyroxin 75 μg aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion keine regelmäßige Medikation ein. Die Patientin hat über 20 Jahre die Pille zur Kontrazeption eingenommen. Eine Hormonersatztherapie hat sie trotz ausgeprägter Wechseljahresbeschwerden nicht genutzt.

Die Familienanamnese bzgl. Brusterkrankungen ist bis auf die Großmutter, welche an einem unklaren Knoten in der Brust erkrankt war (ohne nähere Angaben), unauffällig. Die Patientin hat 2 Kinder geboren und diese nach der jeweiligen Entbindung problemlos über mehr als 6 Monate gestillt.

Die Frauenärztin äußert in Zusammenschau von klinischer Tastuntersuchung und einem orientierenden Ultraschall in der Praxis gegenüber der Patientin den dringenden Verdacht auf Brustkrebs.

Da die Patientin auf diese Verdachtsdiagnose sehr geschockt reagiert, vereinbart die Frauenärztin für Frau M. direkt einen nächstmöglichen Termin zur Abklärung im benachbarten Brustzentrum und stellt eine Überweisung aus.  

 

Die Abklärung im Brustzentrum:

Die Pat. stellt sich 1 Woche später mit dem „V.a. Mammakarzinom links“ in der Brustsprechstunde des nächstgelegenen Brustzentrums vor.
 

Die klinische Untersuchung

In der klinischen Untersuchung zeigt sich links unten außen bei 4 Uhr eine ca. 2 cm knotige Verdichtung, schlecht verschieblich, an der Thoraxwand gelegen. Zudem zeigt sich im Bereich des Tastbefundes eine leichte Einziehung der Haut. Keine sonstigen Hautveränderungen, die Brüste erscheinen symmetrisch. Es lässt sich keine Sekretion aus den Mamillen provozieren.
 

Die Mammographie

Es erfolgt standardmäßig eine konventionelle Mammographie beider Brüste in 2 Projektionsebenen (CC „cranio-caudal“ sowie MLO „medio-lateral-oblique“).

Die Mammographie-Aufnahmen der linken Brust ergeben den Nachweis eines in 2 Ebenen darstellbaren Herdbefundes bei 4 Uhr mit einer Ausdehnung von 15x18 mm. Der Befund erscheint irregulär, unscharf, hyperdens, an der Thoraxwand gelegen, ohne begleitenden suspekten Mikrokalk (siehe Abbildung 1). Das restliche Brustparenchym wie die Mammographie der kontralateralen Seite sind unauffällig.

 

m_1528267445.jpg

Abb. 1: Mammographie in MLO („medio-lateral-oblique“) und CC

 

Die Mamma-Sonographie

Der Arzt im Brustzentrum führt, wie auch bereits die Frauenärztin, unter Kenntnis der Mammographie einen gezielten Mamma-Ultraschall beider Brüste durch. Hierbei zeigt sich, passend zum Tastbefund und der Mammographie, ein suspekter Herdbefund bei 4 Uhr mit einer Ausdehnung von 18x14x19 mm, welcher polygonal, irregulär und inhomogen echoarm imponiert. In einem Abstand von 8 mm Richtung ventro-medial zeigt sich ein fraglicher Satellit dem Hauptherd benachbart mit einer Ausdehnung von 4x6,5 mm, ebenfalls unscharf begrenzt und echoarm (siehe Abbildung 2). Dieser lässt sich nicht in der Mammographie korrelieren. In der Dopplersonographie dagegen zeigt sich verstärkte Vaskularisation im randständigen Bereich des Herdbefundes. Sonographisch kein Anhalt für eine Tumorinfiltration der Thoraxwand.

Die komplettierende Ultraschall-Untersuchung der Achselhöhle beider Seiten ergibt keinen suspekten Befund: Die axillären Lymphknoten sind beidseits nicht vergrößert und morphologisch unauffällig (d.h. mit regulärer Mark-Rinden-Differenzierung, siehe Abbildung 3).

 

m_1528267595.jpg

Abb. 2: Mammasonographie mit Ausmessung des Herdbefundes (+ Satellit) bei 4 Uhr

 

m_1528267590.jpg

Abb. 3: Sonographie der Achselhöhle mit unauffälligem axillären Lymphknoten

 

Auch der Arzt im Brustzentrum äußert den dringenden Verdacht auf ein Mammakarzinom links (gemäß TNM-Klassfikation „cT1c cN0“). Zur definitiven Diagnosestellung ist aber eine histologische Bestätigung mittels Biopsie des Knoten notwendig. Frau M. wird im Rahmen der allgemeinen Aufklärungen vor einem solchen invasiven Eingriff erklärt, dass die Biopsie nicht nur notwendig sei, um die Diagnosebestätigung zu erhalten („gutartig“ oder „bösartig“), sondern auch, um anhand einer Reihe von immunhistochemisch definierten Parametern (Hormonrezeptoren für Östrogen und Progesteron, HER2-Status, Proliferationsmarker Ki67) die Aggressivität des Tumors einschätzen zu können, was wiederum entscheidende Implikationen für die weitere individuelle Therapiestrategie habe (Entscheidung über adjuvante bzw. neoadjuvante systemtherapeutische Konzepte, d.h. Notwendigkeit einer Chemotherapie bzw. ggfs. Antikörpertherapie).
 

Die Stanzbiopsie („core-cut biopsy“)

Zur histologischen Abklärung des suspekten Herdbefundes erfolgt daher bei Frau M. am gleichen Tag im Brustzentrum noch eine sonographisch geführte Stanzbiopsie des Hauptherdes in Lokalanästhesie (Abbildung 4). Durch diese Biopsie werden 3 repräsentative Zylinder gewonnen. Diese werden an den kooperierenden Pathologen zur weiteren histologischen Beurteilung weitergeleitet.

 

m_1528267597.jpg

Abb. 4: Equipment für Ultraschall-gesteuerte Stanzbiopsie

 

Nach der weitgehend schmerzfreien Biopsie, welche nach wenigen Minuten abgeschlossen ist, erhält die Patientin einen Pflasterverband sowie direkt einen Folgetermin, an welchem die Ergebnisse der Biopsie und die sich daraus ergebenden nächsten Schritte für die weitere Therapie besprochen werden sollen.

 

Hier geht es weiter zum zweiten Teil.

 

Zur Verfügung gestellt von:

Dr. med. Fabian Riedel
Universitäts-Frauenklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 440
69120 Heidelberg
fabian.riedel@med.uni-heidelberg.de

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.06.2018.

9 Wertungen (4.78 ø)
1085 Aufrufe
Medizin, Gynäkologie, Onkologie
Um zu kommentieren, musst du dich einloggen. Einloggen
Lieber Herr Dr. Doepp, vielen Dank für den Hinweis. Sie haben vollkommen Recht. Wir haben die Stelle im Text entsprechend korrigiert. Viele Grüße, Ihr DocCheck Community Team
#2 am 07.06.2018 von Anne Düchting (Mitarbeiterin von DocCheck)
  0
L-Thyroxin-Dosis: 75 ug, 75 mg wären tödlich.
#1 am 06.06.2018 von Dr. med. Manfred Doepp (Arzt)
  1
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Was sind die Ursachen für eine Endometriose? Gerne werden zur Beantwortung dieser Frage der Lifestyle und die damit mehr...
Schätzungsweise bis zu 15 Prozent aller Mütter leiden an einer Wochenbettdepression. Die Gründe sind nach wie vor mehr...
Vorreiter bei Fruchtbarkeitsbehandlungen in Europa sind die Spanier mit 120.000 Befruchtungszyklen pro Jahr, mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2018 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: