Das liegt nur am Generikum!

14.09.2013
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Die alte Dame empört sich bei mir über ihren Arzt, der ihr „Obwohl ich ihm gesagt habe, dass ich das nicht will (!) immer Generika aufschreibt. Wissen Sie, ich vertrage diese Generika nicht! Und das habe ich ihm gesagt.“

Ich schaue nach, was sie meint. Sie hat letzthin die Medikation gewechselt, aber – das neue Medikament ist ein anderes Blutdruckmedikament als sie vorher hatte. Also... schon in generischer Form, aber sie hat das Medikament ganz neu bekommen.

Ich versuche zu erklären: „Das Medikament, das Sie bekommen haben ist schon ein Generikum, aber es ist auch ein neuer Wirkstoff, etwas anderes, als sie bisher hatten.“

Frau Ritter: „Eben, ein Generikum – und meine Tochter hat mir gesagt, dass die eine schlechtere Qualität sind! Ich will wieder mein Original Medikament!“

Pharmama: „Haben Sie denn Probleme mit dem neuen Medikament?“

Frau Ritter: „Ja! Mir ist viel mehr schwindelig! Ich meine, das geht doch nicht, dass der mir auf einmal ein Generikum aufschreibt!“

Nun, es könnte auch sein, dass ihr mehr schwindlig ist, weil sie sonst immer einen recht hohen Blutdruck hatte, der auch mit dem anderen Blutdruck-medikament nicht genügend gesenkt werden konnte. Und jetzt mit dem neuen ist der Blutdruck für sie ungewohnt niedrig und das macht den Schwindel gelegentlich. Andererseits ... könnte es auch eine allgemeine Nebenwirkung des Medikamentes sein.

Pharmama: „Ich könnte Ihnen schon das Original abgeben, aber das würde hier kaum einen Unterschied machen ... das Original zu dem neuen Medikament wäre das XY. Das ist nicht das, was sie früher hatten und es wäre einiges teurer als das Generikum, das sie haben – ausserdem hätte es wohl dieselbe Wirkung wie ...“

Frau Ritter: „Nein, das ist nicht das, was ich will! Ich will wieder mein Original, kein Generikum!“

Ich versuche es noch mit anderer Formulierung, aber vergebens. Frau Ritter regt sich so aufüber das Medikament und den Arzt, der ihr „Generika verschreibt!“ – in einem Ton, als ob Generika an sich etwas minderwertiges wären, dass sie mir (auch darum?) nicht folgen kann.

Pharmama: „Dann sollten sie mit dem Arzt einen Termin abmachen und das klären.“

Keine Ahnung, ob sie das nicht will, weil sie wegen der „Generika-Geschichte“ kein Vertrauen mehr in ihn hat, oder ob er die Medikation nicht wechseln will – wahrscheinlich eher ersteres, der Arzt ist sonst wirklich vernünftig. Es kommt jedenfalls kein neues Rezept und von Frau Ritter bekomme ich bei den gelegentlichen Besuchen wegen anderer Sachen immer nur die „ich will keine Generika – die sind schlechter“-Geschichte aufgetischt.

Dazu muss ich noch sagen: sie hat auch von anderen Medikamenten Generika – seit langem. Die verträgt sie hervorragend – das sind für sie auch keine Generika. Darum ... sage ich bei diesen auch nicht, dass es welche sind.

Sie hat vielleicht Probleme mit dem neuen Mittel – aber die hätte sie wahrscheinlich egal, ob sie ein Generikum oder ein Original bekommt. Ihr Problem scheint vom Wirkstoff abhängig zu sein.

Der Arzt kann nichts dafür. Die Generika können auch nichts dafür. Das ist einzig ihre Ansicht.

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.10.2013.

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Pharmazie
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Gast
soweit ich weiß, gibt es in der Schweiz (der Heimat von Pharmama) keine Rabattverträge und in Deutschland hat man die Möglichkeit Pharmazeutische Bedenken geltend zu machen z.B. bei Schilddrüsenhormonen
#13 am 04.10.2013 von Gast (Apothekerin)
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Das Generikum, die Rabattverträge und die Kosten... eine unendliche Geschichte. Ich gestehe: Es gibt Medikamente, die mag ich nicht als Generikum haben. Meine Schilddrüsenhormone sind ein solcher Fall. Aut idem ist da für mich unabdingbar. Sie fragen, warum? Ganz einfach: Die letzte Umstellung hat mir eine AU und ein paar Wochen massive Probleme eingebracht. Scheinbar wurde das Alternativpräparat anders von meinem Körper verarbeitet als das Präparat, dass ich sonst immer hatte. Die Informationen darüber fand ich erst später. http://www.infoline-schilddruese.de/index.php?ID=990 Seit vielen Jahren nehme ich Venlafaxin. Die Nebenwirkungen des Wirkstoffes dürften bekannt sein. Irgendwann stellte sich heraus, dass ich Retardkapseln am besten vertrage, zumindest war damit die morgentliche Übelkeit geringer. Dumm nur, dass es plötzlich keine mehr gab, da es keinen Rabattvertrag dafür gab. Und jetzt, zwei Kapsel-Hersteller weiter überrascht mich meine Apotheke mit Retardtabletten. Nur das ich 150 Tage mich mit drei verschiedenen Generika von Venlafaxin herumgeschlagen habe. Ein Hersteller muß dabei vergessen haben, dass er Kapseln zum einnehmen herstellt und keine Zäpfchen. Die Kapseln sind riesig. Gleiches beobachte ich auch bei den meisten anderen Präparaten. Vergleichen Sie mal die Größe der Tabletten bei Generika. Bei Modafinil kam eine Tablette von ca. 1,5 cm Länge daher. Das Zeug muß auch irgendwie runter... Ich habe nichts gegen Generika, sie mögen wirklich Kosten sparen. Aber das bitte mit Sinn und Verstand. Und wenn ich aller ein paar Wochen den Hersteller wechsle, dann muss auch mein Körper damit fertig werden. Und mein Apotheker. Mittlerweile gibt es fast keine Verordnung mehr, die mich nicht dazu nötigt, die Apotheke zweimal aufzusuchen. Einmal zum bestellen, einmal zum abholen.
#12 am 03.10.2013 von Gast (Gast)
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#6 Wie wäre es mal mit lesbarer Orthographie und Grammatik?
#11 am 21.09.2013 von Gast (Gast)
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Und das ist dann der viezitierte mündige Bürger, der stolz zur Wahl schreitet und sich berufen fühlt, über Wohl und Wehe unseres Landes zu bestimmen. Aber es zeigt einmal mehr: Mit intelligenzmäßig minderbemittelten Personen ist jedwede Diskussion sinnlos, es geht nicht um Argumente, sondern lediglich darum, was sich diese Leute in den Kopf gesetzt haben ... und das wollen sie dann mit Gewalt durchsetzen. Das nächste "Argument" wäre dann: "Wenn ich das bei Ihnen nicht bekomme, gehe ich eben woanders hin". Zieht auch dieses nicht, so folgt: "Mit uns kleinen Leuten können die es ja machen". Vergebene Liebesmühe!
#10 am 21.09.2013 von Gast (Gast)
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#9 am 21.09.2013 von Elke Stöckel (Apothekerin)
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Gast
Verpacken wir doch mal von einem einzelnen Kuchen eine Hälfte in rotes Papier mit der Aufschrift: Firma AB und die andere Hälfte in blaues Papier mit der Aufschrift: Firma XY. Jetzt darf jeder mal raten, wieviele Menschen den Kuchen aus dem roten Papier wohl schmackhafter finden würden..... Das Firmengeflecht von ratiopharm, ct, abz unter dem Dach von teva hat auch nicht für jedes ihrer Arzneimittel einen separaten firmeneigenen Herstellungsort. Leider erfahren wir aber fast nie, welche Generika in Wirklichkeit aus demselben Kessel kommen und nur mit andersfarbiger Verpackung versehen werden.
#8 am 20.09.2013 von Gast
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Gast
vielleicht hätte ein vertrauensvolles Gespräch mit dem Arzt mehr geholfen als das Gespräch mit der Patientin, die diese Dinge nicht verstehen KANN.
#7 am 20.09.2013 von Gast
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Gast
Ich hasse diese Rabattverträge...ich finde es einfach nur schrecklich. Ich hatte vor einer weil in der Apotheke. Es kahm ein Kunde rein und erzählte mir seine Geschichte, diese möchte ich mit euch teilen: Er ist schön ein älterer Mann ca. 87 Jahre alt. Hat eigentlich immer das selbe Medikament bekommen, dann kahm das Generikum vom Doktor mit dem Worten es sei genau so gut. Leider bekam er dann Ohrenrauschen. Der Arzt konnte es sich nicht erklären... die Familie hielten in für verrückt und meinten das er Dement oder ähnliches wird. So kam es dann schließlich dazu das der arme Mann zum Psychologen geschickt wurde. Bei ihm hat er es ca. 6 Monate probiert bis der der Psychologe nichts weiter für den alten Mann tun konnte. Irgendwann kam er zu uns in der Apotheke und klagte über sein leiden. Wir wussten das bei dieser Sorte Medikament es sehr typisch ist das viele Ohrenrauschen davon bekommen. Als wir ihm später unter Rücksprache mit der netten Sprechstundengehilfin das "alte Medikament" ihm wider gaben und nicht das Generikum war das Ohrenrauschen weg. Ich habe im Grunde nicht an Generika auszusetzen, ich finde es nur nicht richtig das Arzte nur eine bestimmte Anzahl an Kreuzen setzten dürfen. Ich finde es auch nicht richtig das die Patienten erst das Generikum ausprobieren müssen, damit sie bei eventuellen Nebenwirkungen dann ihr Kreuz bekommen können. Menschen sollte man nicht wegen Kostengründen als "Versuchskaninchen" benutzen. Ich finde das ok das die Kassen die Verträge abschließen, aber man sollte die Leute die gut eingestellt sind auf deren Medikament lassen und das nicht ständig wechseln. Man könnte es ja so machen das die Kunden/Patienten auf das aktuelle Rabattarzneimittel eingestellt werden und das man sie dann NICHT mehr umstellen. Ich könnte noch mehr Sachen aufzählen aber das lass ich lieber....
#6 am 20.09.2013 von Gast
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Gast
Hat jemand schon mal darüber nach gedacht gleich ist nicht gleich? 5 Frauen backen in einer Backschule jeweils den selben Kuchen. Zutaten, Backofen, Bleche und Formen alles gleich. Ergebnis: 5 verschiedene Kuchen, zum Teil andere Optik und zum Teil anderer Geschmack und Bekömmlichkeit. Denkt überhaupt jemand jemals darüber nach, in wie weit die Verfahrenstechnik der Herstellung ein Produkt verändern kann und damit die Verträglichkeit? Billig kann auch auf Dauer teuer werden.
#5 am 20.09.2013 von Gast
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An sich trifft es genau auf viele Alltägliche Situationen zu. Aber als Pharmazeut sollte man nicht unbedingt auf Begrifflichkeiten rumreiten. Viele Patienten benutzen die Falschen für das, was sie eigentlich meinen. Genauso wie Frau Ritter, sie hat den Begriff Generika von ihrer Tochter aufgeschnappt... Letztendlich meint sie wahrscheinlich nur ihr allererstes RR-Medikament "ihr Original" was sie mal hatte- bevor sie umgestellt wurde... Man sollte auf solche Situationen individuell eingehen und es nicht als "die spinnt doch" (überspitzt) abtuen
#4 am 20.09.2013 von Gast (Gast)
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Gast
Hier liegt ein Unverständnis von Pharmama gegenüber dem Kunden. Wir sollten uns nicht arrogant auf intellektuelle Definitionen berufen, sondern versuchen, den Kunden zu verstehen. Leider mangelhaftes Zeugnis diesmal für Sie...
#3 am 20.09.2013 von Gast
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Gast
Zwar etwas überspitzt, trifft aber voll ins Schwarze!
#2 am 20.09.2013 von Gast
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wie im wahren Leben
#1 am 20.09.2013 von Gast (Gast)
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