Die Lösung liegt auf der Haut

23.05.2018

Wegen Bewusstseinsstörungen wird ein Mann ins Krankenhaus eingeliefert. Bei der Untersuchung fällt den Ärzten ein Hautausschlag auf. Der Zustand des Patienten verbessert sich zwar zunächst, doch plötzlich erleidet er einen Herzstillstand. Die Suche nach den Ursachen beginnt.

Wegen zunehmender Wesensveränderung, Somnolenz und vermindertem Sprachverständnis wird ein 56-jähriger US-Amerikaner ins Krankenhaus eingeliefert. Er zeigt deutliche Symptome einer Enzephalopathie. Bei Aufnahme ist der Mann hämodynamisch stabil und afebril, doch sein Glasgow Coma Score (GCS) beträgt 9. Die Ursache hierfür ist den Ärzten zunächst schleierhaft. Der Mann hat keine relevanten Vorerkrankungen, keine bekannten Allergien, raucht und trinkt nicht.

Bei der körperlichen Untersuchung fällt ein generalisierter makulopapulöser Ausschlag auf. Die Frau liefert hierzu die Erklärung: Ihr Mann sei seit zwei Wochen wegen eines Ameisenbisses in ärztlicher Behandlung. Das Gift der Feuerameise habe eine massive lokale Rötung verursacht. Durch das vom Hausarzt verschriebene Amoxicillin sei dann zusätzlich ein generalisierter, juckender Ausschlag aufgetreten, weshalb der Arzt das Antibiotikum wieder abgesetzt und stattdessen Kortison und Antihistaminika verschrieben habe.

Agitation statt Ausschlag

Zwar sei der Ausschlag dadurch etwas zurückgegangen, jedoch war ihr bei ihrem Mann in den folgenden Tagen erstmals die starke Agitationund zunehmende Gangunsicherheit aufgefallen.

Die Diagnostik im Krankenhaus führt die Ärzte zu keinem Ergebnis. Im Labor fallen lediglich eine Leukozytoseund respiratorische Azidoseauf, alle anderen Werte sind unauffällig. Auch die Bildgebung gibt keinen Aufschluss über mögliche Ursachen der Enzephalopathie. Die Ärzte behandeln ihn schließlich rein symptomatisch, wodurch sich der GCS auf 12 verbessert.

Die Lage wird ernst

Drei Tage später erleidet der Patient jedoch plötzlich einen Herzstillstand in Form einer pulslosen elektrischen Aktivität (PEA). Die Reanimation zeigt nach 10 Minuten Erfolg, der Kreislauf ist zunächst wieder stabil. Im CT ist als Ursache für den Herzstillstand eine massive bilaterale Lungenembolie sichtbar. Bevor die Thrombolyse begonnen werden kann, bricht der Kreislauf erneut aufgrund einer PEA ein, stabilisiert sich auch diesmal nach 17 Minuten Reanimation.

Das Labor bringt die Lösung

Die Ärzte verstärken daraufhin ihre Suche nach der Krankheitsursache. Der Ameisenbiss bleibt die einzige Spur, weshalb sie im Labor den Nachweis sämtlicher infektiösen Erreger anfordern, die eine Enzephalopathie verursachen. Endlich werden sie fündig: Sowohl die IgG- als auch die IgM-Titer des Patienten sprechen deutlich für eine akute Infektion mit Bartonella henselae, dem Erreger der Katzenkratzkrankheit.

Nachvollziehbar ist dieser Befund nicht. Das Hauptreservoir des Erregers B. henselae ist die Hauskatze. Die Übertragung erfolgt vermutlich über den Kot des Katzenflohs, möglicherweise auch über Zecken – doch zu keinem der genannten Tiere hatte der Patient Kontakt.

Der Verdacht ist richtig

Die Behandlung mit einer Kombination aus Vancomycin, Piperacillin und Doxycyclin zeigt Erfolg. Bereits vier Tage später kann mit der Entwöhnung vom Beatmungsgerät (Weaning ) begonnen werden, bleibende neurologische Schäden hat der Patient nicht davon getragen.

In ihrem Bericht stellten die Ärzte somit zwei Besonderheiten dieses Falles heraus. Einerseits sei die mutmaßliche Übertragung von B. henselae durch Ameisen in der Literatur noch nicht dokumentiert. Andererseits sei eine derart schnelle und gute Genesung nach wiederholtem Herzkreislaufstillstand bemerkenswert und Ausdruck eines gut funktionierenen Notfallmanagements.

Quelle:

A miraculous recovery: Bartonella henselae infection following a red ant bite; Pramod K. Guru et al, BMJ Case Reports, doi: 10.1136/bcr-2017-222326

 

Artikel von Maren Böcker

 

Bildquelle: Arundaga2 / Wikimedia

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.06.2018.

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