„Hallo, ich würde mich gern selbst beraten“

17.05.2018

Neulich betrat ich eine Apotheke und wollte dort beraten werden. Die Umsetzung meines Vorhabens erwies sich in der Praxis als schwieriger als gedacht. Was ich seitdem aber immerhin weiß: Als Apotheker mache ich mich gar nicht schlecht.

„Hallo, ich hätte gerne Azelastin als Kombipackung, zum Beispiel Aller.go.dil als Kombi“, sage ich zur Mitarbeiterin, die auf der anderen Seite des HV-Tischs steht.

„Moment, muss ich erst schauen, ob wir das da haben“, antwortet sie. Tippeditipp. „Ja, wollen Sie das als Augentropfen oder Nasentropfen?“

„Gerne als Kombipräparat, bitte. Einzeln ist es bestimmt teurer.“

„Ich schaue nochmal.“ Tippeditipp. „Nein, leider nicht da.“

„Haben Sie denn ein anderes Kombipräparat mit Azelastin?“

„Ich schaue einmal, Moment.“ Tippeditipp. „Ja, ich weiß jetzt nicht …“

„Da hinten im Regal, das ist doch Li.vo.cab als Kombi.“

„Ja, das ist richtig. Möchten Sie das?“ (Sie holt es schnell, bevor ich antworten kann.)

„Eigentlich nicht, das ist ja Levocabastin, das wirkt bei mir nicht so gut.“

„Tja, dann vielleicht das einfache Chromoglicin?“

„Danke, ganz sicher nicht. Und da hinten, neben dem Li.vo.cab? Da steht doch noch Vi.vi.drin akut.“

„Ja? Möchten Sie das?“

„Ist das nicht Azelastin? Und das gibt es auch als Kombi, oder?“

„Ich schau mal.“ Tippeditipp. „Ja, das haben wir da.“

„Und was ist da der Wirkstoff?“

„Ich weiß jetzt nicht, Moment.“ Tippeditipp. „Der Wirkstoff … der Wirkstoff … Ahja, hier: A-ze-las-tin.“

„Na, das ist doch prima. Das nehme ich.“

„Also das Vi.vi.drin akut als Kombi?“

„Genau. Azelastin als Kombinationspräparat.“

„Prima. Schön, dass ich Ihnen helfen konnte.“

„Ja, fand ich auch. Und ich Ihnen.“

Eine Packung Taschentücher gab es auch. Nein, die Apotheken-Umschau habe ich liegen gelassen. Da steht zu viel Schwurbel drin.

 

Bildquelle: JacquesTiberi, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.05.2018.

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Medizin, Pharmazie, Pädiatrie
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Kranke Schwester
Dass Ärzte, Krankenschwestern und andere med. Fachleute ungeliebte Kunden/Patienten sind, ist nix Neues. ;-) Manche Dinge ändern sich nie und zum Glück habe ich einen prima Apotheker, mit dem ich mich in fachlicher Hinsicht perfekt austauschen kann. Für die Fans der Online-Apotheken: Ich hoffe, die Mitarbeiter dort reißen sich dort auch den Allerwertesten auf, um Ihnen am Mittwoch Nachmittag vor einem Feiertag noch ein Medikament beizuschaffen für den gleichen Tag.
#10 am 02.06.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
  3
Gast
@#7 Schwierig Ihre Antwort: Der Kunde, der nicht Arzt ist, merkt es nicht und glaubt, was der Lehrling (ver)spricht. Wer in die Apotheke kommt, muss die Gewissheit haben, fundierte Infos zu bekommen. Ansonsten können Discounter den Apo-Job machen.
#9 am 24.05.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
  1
Lieber Kinderdok, ich gebe Ihnen recht: ein professionelles Beratungsgespräch sollte anders sein! Eine Kollegin, die das nicht beherrscht hätte bei uns "vorne" nichts zu suchen und PTA- und Pharmaziepraktikanten arbeiten unter Anleitung. Fachwissen aus dem ff ist schließlich das A und O. Leider geht es mir aber manchmal auch wie Ihnen und ich denke: als Arzt wäre ich auch ganz gut, wenn ich, um nur ein Beispiel zu nennen, den vom Hausarzt kommenden vermeintlichen Juckreiz-Patienten bei genauerer Betrachtung und Befragung mit Verdacht einer beginnenden Gesichtsrose zum Hautarzt schicke und der Patient kurz darauf wieder mit Zostex vor mir steht! Sie sehen, Gesundheit ist ein weites Feld und keiner von uns ist unfehlbar. Und lernen müssen wir alle ein Leben lang. In diesem Sinne frohes Schaffen.
#8 am 23.05.2018 von Dr. Sabine Schenck (Apothekerin)
  28
Wow, jemand der offensichtlich noch lernt, lernt also offensichtlich noch. Ansonsten, Suche nach Wirkstoff, Lagerbestand prüfen, passendes Präparat abgeben. Und was sollte die Frage nach einem Präparat, was nicht gewünscht wird? Doof?
#7 am 23.05.2018 von Alessandro Büring (Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA))
  34
Gast
@ #5 Jetzt ist der Böse Computer schuld, wie nett. Meine Online-Apo leistet das, die ruft an, wenn es klemmt.
#6 am 23.05.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
  16
leider sind manche Computersysteme so ausgereift, dass man "vor lauter Bäumen den Wald" nicht mehr sieht. Oftmals sind es (zu) viele Klicks bis man das richtige Medikament samt Inhaltsstoff eingekreist hat, und zu viele Warnhinweise, die erst sortiert werden müssen. Leider hat der Patient wenig Ahnung davon, was sich bei uns hinter den Kulissen abspielt. Berufsanfänger müssen also erstmal viele Abläufe im Laden kennengelernt haben und umsetzen. Das erlernte Wissen im richtigen Augenblick überzeugend dem Kunden zu vermitteln ist am Anfang gar nicht so einfach. Aber eines ist sicher: Wir sind keine Hellseher aber wir Apotheken-Personal sind sehr kompetent und mit Wissen angereichert. Und wir sind eine Schnittstelle zwischen Leitlinien orientierter technisierter Medizin und dem Kunden als Mensch. Wir nehmen den Kunden (Patienten) ernst und hören auch "zwischen den Zeilen" was er sagt, oder das was er nicht sagt. Das kann keine Online Apotheke oder Internet Doktor leisten!!
#5 am 23.05.2018 von Dr. Claudia Baniahmad (Apothekerin)
  38
Gast
Wenn ich in eine Apotheke gehe, erwarte ich kompetente Beratung. Wenn man Lehrlinge vorschickt (die müssen es ja auch mal lernen), dann sollte man davon ausgehen können, dass eine fachkundige Person im Hintergrund das Gespräch verfolgt und ggf. eingreift. Dies war hier nicht der Fall. M.E. eine Pflichtverletzung.
#4 am 23.05.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
  3
Gast
Wow, Sie wissen mehr als eine Praktikantin. Und brüsten sich damit noch auf einem Blog. Gratuliere, Sie habens voll drauf.
#3 am 23.05.2018 von Gast (Angestellter Apotheker)
  105
Gast
Tja die Apotheke, ein schwieriges Umfeld. Seinen sie froh, dass man Ihnen keine Schüsslersalze empfohlen hat.
#2 am 23.05.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
  33
ohje, dabei kann man es sich doch kaum einfacher wünschen als einen reinen Wirkstoff-Wunsch. Ich gehe mal davon aus dass es eine Praktikantin zwischen den Examina war, die noch ungeübt ist und auch die Arzneimittelnamen noch nicht auswendig weiß aber es hoffentlich mindestens noch eine Frage/Angebot zwecks Beratung gab und die hier übersprungen wurde. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt
#1 am 22.05.2018 von J. Kögler (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA))
  30
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