Klares Jein zur Homöopathie

17.05.2018

Die Homöopathie darf in unserer Mitte bleiben. Das hat der Bundesärztetag beschlossen. Ich komme in der Klinik und auf Spielplätzen mit dem Thema in Berührung. Das kostet mich Unmengen an Geduld. Dennoch denke ich, es wäre falsch, die Homöopathie kategorisch auszuschließen.

Die deutsche Ärzteschaft hat sich für die ärztliche Zusatzbezeichnung Homöopathie ausgesprochen. Der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Montgomery betonte, es sei wichtig, dass eine homöopathische Behandlung von jemandem durchgeführt werde, der wisse, wann die Homöopathie nicht mehr helfen kann und dann auf normale schulmedizinische Verfahren umsteigen könne.

Die Homöopathie bleibt also in unserer Mitte. Sie wird nicht ausgegrenzt und die schulmedizinisch geprägte Ärzteschaft bleibt offen für die Diskussion. Gerne würde ich als Unfallchirurgin sagen, es betrifft mich nicht und ich habe keine Berührungspunkte mit dem Thema.

Homöopathie: Auch in der Unfallchirurgie ein Thema

Der Alltag spiegelt aber ein anderes Bild wider. Die Patientin mit der eitrigen Handphlegmone wünscht einen alternativen Heilungsversuch. Die Mutter eines vierjährigen Jungens mit gebrochenem Unterarm steht der notwendigen operativen Versorgung skeptisch gegenüber, da sie sonst nur homöopathisch behandelt. Die Patienten packen auf Visite die Kügelchen aus und fragen, ob sie sich denn mit den anderen Medikamenten vertragen würden.

Natürlich könnte ich mich kategorisch verschließen. Abwinken. Erledigt. Aber kann ich das auch mit den Patienten machen? Funktioniert das kategorisches Ausschließen hier? Nein, die Ärzteschaft entscheidet sich mehrheitlich dagegen.

Top-Thema auf dem Spielplatz

Als Mutter begegne ich der Homöopathie sogar noch häufiger. Sie gehört neben Kitaplatz und Schwiegermutterproblemen zu den Top Drei der Gesprächsthemen auf Spielplätzen: Der achtjährige Nachbarsjunge muss nun doch an Polypen und Mandeln operiert werden, da er nach jahrelanger homöopathischer Therapie der chronischen Mittelohrentzündungen 60 Prozent seines Hörvermögens verloren hat und sich in der Schule nicht mehr konzentrieren kann.

Die zweijährige Tochter der Freundin hat aufgrund einer Blasenentzündung schon seit drei Wochen Fieber und Bauchschmerzen. Aber die homöopathischer Therapie schlägt langsam an.

Die schlimme Bindehautentzündung des dreijährigen Kindergartenjungen heilt nur schleppend, weshalb er nun die zweite Woche nicht in den Kindergarten gehen kann. Behandelt wird nur homöopathisch.

Mütter, die an ihre Kinder mit den üblichen blauen Flecken die Notfall-Arnika-Kügelchen verteilen, sind erlebter Spielplatzalltag.

Zuhören, erklären, abwarten, vertrauen

Beispiele, die ich selbst nur schwer nachvollziehen kann. Weder medizinisch noch menschlich, ethisch oder pädagogisch. Bei denen ich immer wieder hoffe, dass der behandelnde homöopathisch arbeitende Arzt seine schulmedizinischen Wurzeln nicht vergessen hat und ebenfalls kein kategorisches Ausschließen der Schulmedizin praktiziert.

Was gefällt den Patienten an der homöopathischen Behandlungsweise? Es ist eine „sprechende und hörende Medizin“. Und dafür sind sie bereit, sehr viel Geduld mitzubringen und Schmerzen auszuhalten. Erstaunlicherweise gibt es hier auch kaum Beschwerden, keine Patienten, die sich über ärztliche „Kunstfehler“ ärgern.

Homöopathie-Debatte ersetzen

Also höre ich zu und lerne. Ich versuche in der Diskussion zu bleiben. Zu erklären, warum aus schulmedizinischer Sicht ein Einschreiten notwendig ist. Oder eben aufzuzeigen, warum die Besserung der Symptome noch einige Zeit dauern wird.

Zuhören und Abwarten wird allerdings in unsererm System (noch?) nicht ausreichend vergütet. Ein homöopathisches Gespräch übrigens schon. Zuhören und abwarten schafft Vertrauen. 

Lieber Ärztetag, wie wäre es also mit einer Diskussion, die sich um bessere Vergütung für Anamnese, Zuhören, Abwarten und Vertrauen dreht? Vielleicht braucht es dann keine Homöopathie-Debatte mehr.

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 30.05.2018.

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#31 am 30.05.2018 von DocCheck News Redaktion (Mitarbeiter von DocCheck)
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Kranke Schwester
Ärzte sind Menschen. Menschen machen Fehler. Alle. Krasse Sache. Freuen Sie sich einfach, dass Sie leben! In China gibt es gemessen an der Relation zur Bevölkerung weniger Ärzte, die TCM praktizieren als in D. Hmmm. Was das wohl heißt?
#30 am 30.05.2018 (editiert) von Kranke Schwester (Gast)
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"Scharlatanerien in höchster Potenz ( dazu gehören neben Homöopathie, Akupunktur, Magnetfeldth., Bachblüten, die gesamte TCM etc)". Genau! Undweil die sogenannte Schulmedizin immer weiß, was sie tut und allwissend ist und nie Fehler macht muss ich seit 1975 mit den Folgen eines schwersten Lyell-Syndroms leben! Damals war ich 10 Jahre alt und der Arzt, der das definitiv verschuldet hat, weil er nicht kapiert hat, dass ich auf sein (aufgrund eines simplen Schnupfens den ich damals zugegebenermaßen sehr häufig hatte) verschriebenes Antibiotikum allergisch reagiert habe, hat es nicht mal für nötig befunden, mich auch nur mal anzusehen! Statt sich über die Tatsache, dass mein Fieber immer weiter stieg statt zu sinken, mal nachzudenken und evtl. meine massiven Hautablösungen, einscließlich der Schleimhäute, mal anzusehen, ordnete er die Höherdosierung des Antibiotikums an. Der dringende Appell meiner Eltern zu einem Hausbesuch wurde ignoriert. Als ich dann dem Tod näher war als dem Leben (mit Fieber von knapp 42 Grad ist man das), fiel ihm nichts mehr ein. Er rief dann wenigstens den Notarzt. Ich habe das ganze Drama nur ganz knapp überlebt! Damit war eine halbwegs normale Kindheit und Jugend und überhaupt ein halbwegs normales Leben vorbei! Es kann sich niemend vorstellen,was es heißt mit diesen Folgen zu leben und wie eingeschränkt das Leben danach ist! Was es heißt, nachts mit irrsinnigen Schmerzen wach zu werden, weil durch eine Augenbewegung die Hornhaut a u f r e i ß t!!! Und der Arzt, der das verschuldet hat, konnte nie dafür verantwortlich gemacht werden!!! Und trotzdem bekam ich bei jedem weiteren Infekt wieder Antibiotika! Das ist doch an Unverantwortlichkeit, Dummheit und Ignoranz nicht zu überbieten! Als die Schulmedizin mich für austherapiert erklärte und man mich in Erwerbsunfähigkeitsrente schicken wollte, wolte ich das nicht hinnehmen und suchte nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten, die ich in der TCM fand. Und siehe da, ganz langsam ging es gesundheitlich aufwärts. Inzwischen bin ich selber Heilpraktikerin, u.a. spezialisiert auf "unheilbare" Augenerkrankungen. Das heißt nicht, dass ich heute vollständig gesund bin, ich habe immer noch massive Einschränkungen, aber es geht mir doch deutlich besser und ich kann zumindest in eingeschränktem Maße berufstätig sein. Geistig bin ich nämlich nicht behindert! Bei soviel Arroganz, Überheblichkeit und Unverschämtheit, wie ich von Ärzten in den letzten 44 Jahren erlebt habe, kriege ich die Wut, zumal wenn ich solchen Schwachsinn, wie oben genanntes Zitat lese! Die TCM ist in China seit dem 1. Jahrtausend v. Chr. bekannt und damals wurden die Ärzte hingerichtet, wenn einer ihrer Patienten krank wurde. Die TCM ist nämlich sowohl kurativ als auch präventiv wirksam! Mit herzlichen Grüßen von Ulrike Peitsch (vorher Frings, habe vor 3 Jahren geheirtat), Heilpraktikerin
#29 am 29.05.2018 von Ulrike Frings (Heilpraktikerin)
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@ Remedias Cortes: Göttlich der Link!
#28 am 29.05.2018 von Frida Stern (Medizinjournalist)
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Wieso im Falle der Homöopathie nicht endlich gehandelt wird ist und bleibt mir ein Rätsel. Als Kind mit Asthma war ich in den sechziger Jahren selbst das Opfer Homöopathie gläubiger Eltern und wurde über Jahre mit Grindelia D 12 gegen die Infektexacerbationen des Asthmas behandelt. (Hieß damals "spastische Bronchitis). Ein Kurzschuljahr musste ich aufgrund mangelnden Schulbesuches wegen Erkrankung wiederholen. Wenn Ärzte nicht erkennen, wann Reden und Placebo am Ende und ein Antibiotikum oder Cortison indiziert sind, dann sollte ihre Zulassung überprüft werden. Aber es ist leider tatsächlich so, dass die Betroffenen selbst, dies gar nicht als Behandlungsfehler erkennen und sich nicht wehren. Deshalb sollte das Bild der Homöopathie als sanfte Heilmethode im öffentlichen Bewusstsein schleunigst verschwinden und über die tatsächliche Faktenlage informiert werden. Aber hier traut sich die Ärzteschaft mal wieder nicht ran.
#27 am 29.05.2018 von Frida Stern (Medizinjournalist)
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#26 am 29.05.2018 von Ulrich Sallen (Arzt)
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Das Hauptproblem in der Medizin ist ein Mangel an Zeit (oder Bezahlung). Die Psychische Seite wird oft bei der Behandlung einer Krankheit übersehen. Laut Studien ist anzunehmen, dass die Heilungserfolge auch auch abhängig von der Verfassung des Patienten ist. Bei bestimmte Erkrankungen, bei den kein organische Grund gefunden wird, fehlt die Zeit sich in vollem Umfang und Fach übergreifend dich damit zu befassen. Fundierten Anamnese ist oft ein Fremdwort. Bei seltene Erkrankungen, ist der Patient oft allein gelassen. Niemanden ist wirklich zuständig und kennt sich ausreichend aus.
#25 am 29.05.2018 von Jean-Jacques Sarton (Nichtmedizinische Berufe)
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Spekulatius. Diese Heilmethode basiert vermutlich auf der Erkenntnis, daß ca. 50% aller Krankheiten bzw. "Beschwerden" sowieso von selbst wieder weggehen. Viele Heilungen finden auch im Kopf statt, wo zu die Zuckerkugeln sicher gut brauchbar sind. Wenn Erwachsene sich mit dem Zeug tottherapieren wollen, können sie das machen, sie legen sich dann ohne die böse "Chemie" ins kühle Grab. Wenn sie diese Methoden an Kindern ausprobieren, ist es grob fahrlässig, gehört bei der Polizei angezeigt und hart bestraft. @ DocCheck: Das mit dem "Geben Sie einen gültigen Kommentar ein" würde mich auch interessieren; da hat der Systemadministrator was verkehrt geklemmt.
#24 am 29.05.2018 von Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Was ist denn ein gültiger Kommentar?
#23 am 29.05.2018 von Gast (Mitarbeiter Industrie)
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"Die zweijährige Tochter der Freundin hat aufgrund einer Blasenentzündung schon seit drei Wochen Fieber und Bauchschmerzen. Aber die homöopathischer Therapie schlägt langsam an." da kenne ich einen Fall, da wurde eine Niere zerstört. Unverantwortlich! Wenn es in diesem Fall nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen wie hier: https://www.youtube.com/watch?v=Uvvp2lYz1J8
#22 am 29.05.2018 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Ist das nicht unser aller Ziel? Menschen zu helfen? Das meine ich mit "Toleranz". Ich räume dann ein, das es vielleicht Dinge gibt, die sich wissenschaftlich nicht erklären lassen, aber dennoch vielleicht helfen. Lege mich nicht fest auf die Erde als Scheibe, sondern bin bereit meinen Horizont, trotz aller Bildung auch mal zu erweitern und Alternativen zumindest in Erwägung zu ziehen, ob beweisbar oder nicht. Das angewandte Zitat erfordert minimales um die Ecke denken um zu verstehen, was es hier aussagen sollte, aber das traue ich Ihnen ohne weiteres zu.
#21 am 29.05.2018 von Oliver Roth-Obertopp (Heilpraktiker)
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Frau Parsch, ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Natürlich verdient ein krankes Kind eine optimale evidenzbasierte medizinische Versorgung, schon, weil es (noch) nicht unbedingt für sich selber sprechen kann. Bei einer entsprechenden Indikation finde auch ich es sträflich falsch mit irgendetwas anderem "herum zu machen". Ich komme aus einer schulmedizinischen Familie und bin ausdrücklich ein Befürworter selbiger! Ich selber hatte vor fünf Jahren einen Myokardinfarkt und nehme selbstverständlich regelmäßig Statine und Trombozytenaggregationshemmer sowie ACE Hemmer, alles andere wäre grober Unfug! Ich käme nie auf die Idee hier mit Homöopathie zu experimentieren. Aber es gibt Situatonen wo auch die Schulmedizin nicht weiter weiß. Wenn eine eigenverantwortlicher erwachsener Mensch sich dann entscheidet, eine Alternative zu probieren, ist das doch ok. Wenn es dann auch noch hilft, ob durch Vodoo, Engelchen und Teufelchen, Placebo oder whatever, dann gilt finis mediis iustificat.
#20 am 29.05.2018 von Oliver Roth-Obertopp (Heilpraktiker)
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Gast
Sehr geehrter Herr Dr. Greiner. Um die Wirksamkeit eines Medikamentes für eine Zulassung zu belegen, wird neben anderen Kriterien auch gegen Placebo getestet. Also stimmt Ihre Ausführung leider nicht!
#19 am 29.05.2018 von Gast (Arzt)
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Gast
Ich lese hier: Homöopathie hilft, man soll tolerant sein und es ist eine dem Patienten zugewandte Heilmethode. Das sind Kriterien für eine wissenschaftlich- akademische Medizin des 21. Jahrhunderts? Ich muss mich doch wundern! Also kann ich auch einfach etwas Unschädliches erfinden, eine Theorie dahinter aufbauen und das als anerkannte Heilmethode anbieten? Wo führt das hin?
#18 am 29.05.2018 von Gast (Arzt)
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Eine Placebo-Anwendung ist die höchste Form der Heilkunde: keine Symptomverdrängung, keine Nebenwirkungen.
#17 am 29.05.2018 von Dr. med. Manfred Doepp (Arzt)
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Im Zusammenhang mit Homöopathie wird häufig die Wirkmächtigkeit von Placebos gewaltig unterschätzt: gerade weil die Placebowirkung eine der mächtigsten Wirkungen in der Medizin ist (stärker als die pharmakologische Wirkung sehr vieler, erwiesenermaßen wirksamer Medikamente!), ist es ja so schwierig und aufwendig, den pharmakologischen Effekt vom Placeboeffekt zu trennen. Dass Homöopathie "nur" ein Placebo ist, heißt eben nicht, dass sie deswegen effektiv am Patienten unwirksam sein müßte! Wer heilt, hat recht - auch wenn die Heilwirkung "nur" auf Placebo beruht. Homöopathie ist ein ideales Vehikel, um den Placebo-Effekt heilend einzusetzen: sie ist pharmakologisch zuverlässig unschädlich, sie ist billig, und sehr viele Menschen glauben inbrünstig daran. Es wäre schade darum... Freilich muß man sich als Arzt dessen bewußt sein, dass man "nur" mit Placebo arbeitet - und dass das auch seine strikten Grenzen hat, jenseits derer Kunstfehler und unterlassene Hilfeleistung drohen.
#16 am 29.05.2018 (editiert) von Dr. med. dent. W. H. Greiner (Zahnarzt)
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Kranke Schwester
@ Frau Parsch: wenn Sie alle meine Beiträge hier und im Parallel-Artikel gelesen hätten, wüssten Sie, dass ich die aktuelle Entscheidung von Montgomery noch für den besten Kompromiss halte. Dass das eigentliche Problem woanders liegt, nämlich in der Nichtvergütung des Gesprächs hatte ich bereits erwähnt. Von Homöopathie halte ich nichts. Absolut nichts.
#15 am 29.05.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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Zwischen Homöopathie und der evidenzbasierten Medizin besteht schlicht keine Kompatibilität. Alle Medikamente wirken nach dem Schlüssel-Schloss Prinzip. Ich brauche also zumindest ein Wirkmolekül als Schlüssel und einen Rezeptor im Körper wo das Molekül wirken kann. Die Potenz von beispielsweise C30 bedeutet nun ein Verdünnungsverhältnis von einem Teil Wirkstoff zu Milliarden von Galaxien. Wo nichts ist, da kann auch nichts wirken. Samuel Hahnemann ist aber zu entschuldigen, als Kind seiner Zeit ahnte er nichts von Bakterien und Viren und ging von "geistartigen Veränderungen der Lebenskraft" als Krankheitsauslöser aus. Hahnemann persönlich lehnte die Kombination seiner Homöopathie mit Medikamenten übrigens bereits in seinem Medizinbuch Organon unmissverständlich ab. Witzigerweise sind Homöopathika ja gar nicht herstellbar, da keine Technik zur "Enthomöopathisierung" von Wasser oder Alkohol existiert. So würden dann logischerweise jegliche Verunreinigungen und Rückstände mitpotentiert.
#14 am 29.05.2018 (editiert) von Mike Hardmeier (Krankenpfleger Psychiatrie)
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Mit der Entscheidung wird das große Problem im Gesundheitswesen manifestiert wird: Ein Arzt muss, um seine Gesprächszeit ordentlich vergütet zu bekommen, Kurse in scheinwissenschaftlichen Verfahren belegen. Ein Patient, der einen Arzt will, der sich Zeit nimmt, muss damit leben, dass am Ende dieses Gespräches keine wirksame Therapie folgen __kann__, sondern ein Placebo stehen muss... weil Homöopathika eben nichts anderes sind. Der Bundesärztetag hat hier eine Gelegenheit verpasst, die Empathie zurück in die seriöse Medizin zu holen. Über Forderungen nach besserer Bezahlung der sprechenden Medizin (anstatt scheinwissenschaftlicher Verfahren) hätte man einen Weg geöffnet, dem Patienten empathisches Zuhören PLUS einer seriösen Therapie bieten zu können. Traurig Wir brauchen keinen Dialog mit Homöopathen, die den Placebocharakter ihrer Mittelchen NIE einräumen werden. Wir brauchen Ärzte, die nicht nur auch, sondern gerade dann, wenn sie seriös arbeiten, ausreichend vergütet werden.
#13 am 29.05.2018 von Ute Parsch (Nichtmedizinische Berufe)
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@ #5 Kranke Schwester Wenn Sie schreiben "Von daher denke ich, dass es eine gute Entscheidung der BÄK ist. Genau mit dem Argument von Montgomery. Es gibt viel zu viele Homöopathen, die ihre Grenzen eben NICHT kennen." übersehen Sie aber, dass sehr viele Homöopathen eben Ärzte sind. Und die kennen die Grenzen des Verfahrens oft eben auch nicht (an). Ärzte und Homöopathen ist eben leider oft kein Wíderspruch, auch Ärzte verdienen gerne mit der Homöopathie. Wir haben in D den DZVhÄ, der teure Kurse anbietet, deren Bezahlung... äh Absolvierung dann berechtigt, die Zusatzbezeichnung zu tragen, die wiederum berechtigt, satte Abrechnungszuschläge für Patientengespräche zu kassieren, die den Kollegen, die EbM-basiert arbeiten und beraten nicht nachgeworfen werden. Das "Argument" von Montgomery würde nur dann greifen, wenn das nicht der Fall wäre. Ist es aber.
#12 am 28.05.2018 von Ute Parsch (Nichtmedizinische Berufe)
  6
Kranke Schwester
Die Toleranz wäre möglicherweise größer, wenn die Ärzte nicht das ausbaden müssten, was Homöopathen verbockt haben. Es überschätzen sich einfach zu viele aus diesem Bereich. Dass es Dinge und Vorgänge gibt, die man noch nicht versteht, ist nix Neues. Aber Infektionskrankheiten mit Placebo zu "behandeln" ist einfach nur grausam und gefährlich. Wenn dann die Pat. nach 4 Wochen doch beim Arzt landen, ist doch klar, dass der von Homöopathie nix hören will, oder?
#11 am 28.05.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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Schade, schade, wie arrogant studierte Mediziner das Thema Homöopathie als Hokus Pokus abkanzeln. Gerade von derart gebildeten Menschen würde ich mir etwas mehr Toleranz wünschen. Ganz klar ist die wissenschaftliche Schulmedizin gut und unverzichtbar und über große Strecken alternativlos. Aber warum hilft Homöopathie oft? (Mir zum Beispiel) Warum lassen sich Warzen besprechen? Nicht alles, was sich nicht naturwissenschaftlich herleiten lässt, ist damit automatisch falsch oder pure "Geldmacherei"... Wenn ich an dieser Stelle ein Zitat bemühen darf: "Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, von denen sich Eure Schulweisheit nichts träumen lässt". Ich als jemand, der an Zuckerkügelchen glaubt, halte die Schulmedizin für gut, wichtig und unverzichtbar. Meine absolute Hochachtung vor studierten Schulmedizinern und ihrem erworbenen Wissen, ich weiß wohl wie hoch das Bildungsniveau dort ist! Aber... Sie wissen nicht alles...oder?
#10 am 28.05.2018 von Oliver Roth-Obertopp (Heilpraktiker)
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Kranke Schwester
@ Herr Maertin. Welcher der 300 podcasts ist gemeint? Nicht, dass ich mir das anhören kann (mangels iTunes) (bin ja auch nicht die Angesprochene) aber neugierig und wissbegierig...
#9 am 28.05.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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Kranke Schwester
Berufung? Was ist das? Leider ein Fremdwort für viele geworden - zumindest kann ich in meinem beruflichen Umfeld nur wenige nennen. Zu Dr. Montgomerys Entscheidung hatte ich mich schon geäußert. Entweder hier oder im Parallel-Artikel zum Thema. Wie ich es aus menschlicher Sicht finde, mit Placebo Geld zu verdienen, kann ich mit diplomatischen Worten nicht äußern auch wenn natürlich JEDEM frei steht, ob er den M... kauft, oder nicht.
#8 am 28.05.2018 (editiert) von Kranke Schwester (Gast)
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Das darf doch nicht wahr sein, eine dringend psychiatrisch behandlungsbedürftige „Leitung“ der Ärzteschaft befürwortet in unserer aufgeklärten, evidenzbasierenden medizinischen Wissenschaft Scharlatanerien in höchster Potenz ( dazu gehören neben Homöopathie, Akupunktur, Magnetfeldth., Bachblüten, die gesamte TCM etc) und öffnet der Abzocke unserer Patienten Tür und Tor. Wo leben wir denn? Auch schäme ich mich für die „Kollegen“, die nicht mal 25 Wochenstunden als Behandlungszeiten ausschildern. Kein Helfersyndrom mehr? Schade, lasst endlich den Nummerus clausus fallen und wieder Ärzte in Praxen arbeiten, die das gekonnte Helfen als Berufung sehen
#7 am 28.05.2018 von MR Dr.med Rolf Förster (Arzt)
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#6 am 28.05.2018 von Felix Maertin (Student der Pharmazie)
  6
Kranke Schwester
Wer 'ne Otitis Media (sehr schmerzhaft, übrigens!) mit Homöopathie "behandelt", gehört für mich angezeigt. Da hab' ich NULL Verständnis!
#5 am 28.05.2018 (editiert) von Kranke Schwester (Gast)
  25
Kranke Schwester
Von daher denke ich, dass es eine gute Entscheidung der BÄK ist. Genau mit dem Argument von Montgomery. Es gibt viel zu viele Homöopathen, die ihre Grenzen eben NICHT kennen.
#4 am 28.05.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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Kranke Schwester
Ich bin etwas im Zwiespalt: Persönlich lehne ich Homöopathie komplett ab. Allerdings ist der Glaube daran - gefühlt - von Jahr zu Jahr stärker verbreitet. Dass man die desinformierten Eltern verprellt, indem man sie aus der Praxis wirft, ist sicher nicht sinnvoll. Dass das Gespräch mit dem Pat. nicht/schlecht vergütet wird, ist blöd. Mit (freundlicher!) Aufklärung erreicht man vielleicht mehr als mit Rauswürfen aus der Praxis. Offenbar bekommen die Eltern von Homöopathen das, was sie bei Ärzten oft vermissen: das Gefühl, ernst genommen zu werden. Der Glaube an die Homöopathie lässt sich vielleicht eher senken, wenn man den Dialog sucht. Da hätten die Kinder vielleicht auch eine kürzere Leidenszeit bei Otitis Media, Konjunktivitis, etc.
#3 am 28.05.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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Ich war sehr enttäuscht über die Entscheidung des Ärztetages und schliesse mich meinem Vorredner an. Wissenschaft ist in unserer Gesellschaft noch nicht angekommen und Aberglauben nimmt wieder überhand. Betrug dieser Art hat es immer schon gegeben, aber wir sollten uns als Ärzte nicht daran beteiligen. Auch sollte uns nicht die katastrophale Vergütung unserer Tätigkeit dazu verleiten, diesen Unfug weiter zu betreiben, hier schliesse ich auch alle anderen Igel-Leistungen ein (CO" oder Ozontherapie, Dunkelfeldmikroskopie, Irisdiagnostik etc). Es ist mehr als wissenschaftlich erwiesen, das die Homöopathie nix bringt und die Grundthesen sind ehrlich gesagt ja auch zum Weglaufen (Inhaltlich mit Chemtrails etc vergleichbar) und von Einzelpersonen vor hundert Jahren ausgedacht (Wassergedächtnis???). Das gute ist, wenn ich mal Hilfe brauche, sehe ich am Türschild wer sich dem aktuellen Stand der Medizin fernhält, und ich kann einen anderen Kollegen aufsuchen.
#2 am 28.05.2018 von Robert Schuhmann (Arzt)
  63
Gast
Homöopathie darf in unserer Mitte bleiben!? Für mich ein Beleg, dass Wissenschaft noch nicht in den Köpfen angekommen ist. Solange die Religion Homöopathie, hier noch Märchen erzählen darf, sollten wir uns nicht unter den führenden Wissenschaftsnationen dieser Welt wähnen.
#1 am 28.05.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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