Quälender Kopfschmerz

08.05.2018

Mit massiven Kopfschmerzen stellt sich ein 34-Jähriger Mann in der Notaufnahme vor. Er berichtet, dass er seit Tagen immer wieder an sekundenlangem, unerträglichen Schmerz leidet. Die Ärzte finden die Ursache dafür auf seinem ungewöhnlichen Speiseplan.

Ein 34-jähriger Mann leidet plötzlich an intensiven Nacken- und Hinterkopfschmerzen, die sich dann über den gesamten Kopf ausbreiten. Erst nach Tagen, die von mehreren Episoden mit quälend starkem, einige Sekunden andauerndem Kopfschmerz geprägt sind, stellt er sich in der Notaufnahme vor.

Unauffälliges CT

Bei der körperlichen Untersuchung beträgt der Blutdruck 134/69 mmHg. Der Patient zeigt keine neurologischen Defizite. CT-Aufnahmen des Schädels und Nackens sind unauffällig.

Zum Glück des Patienten können die behandelnden Ärzte mittels einer CT-Angiografie eine Subarachnoidalblutung ausschließen. Diese Blutung kann u.a. nach Ruptur eines Aneurysmas entstehen und wird häufig durch einen vom Patienten beschriebenen Kopfschmerz angezeigt. Die Ärzte stoßen allerdings auf mehrere verengte Abschnitte der Hirnaterien. Betroffen sind Segmente der Arteria carotis interna und der Arteria cerebri media.

Die Diagnose: Der Patient leidet an Vernichtungskopfschmerzen aufgrund eines reversiblen zerebralen Vasokonstriktionssyndroms (RCVS). Doch was löste das Syndrom aus?

Ungewöhnliche Ursache

Als Auslöser kommt meist die Einnahme adrenerger oder serotonerger Medikamente sowie Kokain oder Amphetamin in Frage. Der Patient erklärt, er habe nichts dergleichen eingenommen. Auch ein durchgeführter Drogentest ist negativ.

Stattdessen berichtet der Mann, dass er wenige Tage zuvor an einem Chili-Wettessen teilgenommen hatte. Dabei aß er auch die sogenannte „Carolina Reaper“ – sie gilt als die schärfste Chilischote der Welt. Unmittelbar nach dem Verzehr litt der Mann an starkem Würgereiz, musste sich aber nicht Erbrechen. Kurz darauf stellte sich erstmals der Schmerz in Nacken und Hinterkopf ein.

Laut der behandlenden Ärzte löste der Verzehr der Chilis bei ihrem Patienten RCVS aus. Bisher ist in der Literatur kein weiterer Fall bekannt.

Die Symptome des Patienten verschwanden in den folgenden Wochen von selbst. Ein Kontroll-CT fünf Wochen später war unauffällig.

 

Quelle:

An unusual cause of thunderclap headache after eating the hottest pepper in the world – “The Carolina Reaper”

SK Boddhula et al., BMJ Case Reports, doi: 10.1136/bcr-2017-224085, 2018

 

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Artikel von Anke Hörster
 
 

 

Bildquelle: Matt Brown, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 09.05.2018.

57 Wertungen (4.81 ø)
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..ich bin selbst neurologisch betroffen (Karotys links externa) und habe bisher Glück, dass der Durchlauf von Mitte und rechts einigermassen übertragen wird, so dass die (eingeschränkte) Funktionsfähigkeit einigermassen erhalten ist...da ich gern "gewürzt" esse (Knoblauch, Lorbeer u.v. andere u.a. auch..etwas Chilli) haut mich der beschriebene Vorgang "etwas um"..in der Chilli Schote müsste es demnach eine chem. Substanz geben, die auf die Arterien- bzw. Venenwände wirkt und zumindest zeitweise den Durchfluss behindert..diese Substanz ist möglicherweise auch in anderen Gewürzen vorhanden..gut wäre es, wenn man sie kennt und evtl beschreiben kann..sicherlich darf man nicht in übertriebenem Masse würzen..
#2 am 23.05.2018 von Ernst Steinfeld (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Chili reaper, rcvs, habe ich wieder eine tolle Abkürzung gelernt... Gibt es auch auch ein Wettschnarchen? Wer am lautesten schnarcht hat gewonnen.
#1 am 14.05.2018 von Gast (Arzt)
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