Baby mit Atemnot

25.04.2018

Ein vier Monate alter Junge wird in die Notaufnahme gebracht. Seit 48 Stunden leidet er an massiven Hustenanfällen, denen Apnoephasen von 10-30 Sekunden folgten. Bei der Behandlung lehnen sich die Ärzte aus dem Fenster - und landen einen Glückstreffer.

Der Kinderarzt hatte bei einem vier Monate alten Jungen einen viralen Infekt diagnostiziert, doch in den vergangenen 48 Stunden litt der junge Patient zunehmend an Luftnot und Hustenanfällen, denen Apnoephasen von bis zu 30 Sekunden folgten. Seine Eltern bringen ihn daraufhin in die Notaufnahme.

Bei der Aufnahme zeigt der Junge kein Fieber, Herzfrequenz und Blutdruck sind stabil. Die Sauerstoffsättigung beträgt bei Sauerstoffzufuhr über eine Nasenbrille 95 Prozent. Das Kind ist lebhaft, hat beidseits vesikuläre Atemgeräusche und unregelmäßig wiederkehrenden Husten. Die Apnoephasen zeigt er weiterhin in Abständen von zwei bis drei Minuten.

Säugling mit Vorgeschichte

Die Anamnese ergibt, dass der Junge infolge eines Amnioninfektionssyndroms bereits in der 27. Schwangerschaftswoche als Frühchen zur Welt kam. Seine ersten zehn Wochen verbrachte er auf der Neonatologie, da er CPAP-Unterstützung benötigte.

Die Verdachtsdiagnose der Ärzte ist zunächst eine Bronchiolitis. Eine Pneumonie oder Sepsis halten sie aufgrund des fehlenden Fiebers und des unauffälligen Röntgenbilds für unwahrscheinlich. Keuchhusten wird ebenfalls ausgeschlossen, da sowohl der Junge als auch die Familie gegen die Krankheit geimpft sind.

Das Kind erhält Ceftriaxon und respiratorische Unterstützung. Als das Kind jedoch trotz nasaler CPAP-Beatmung weiterhin Apnoephasen zeigt, erwägt das Team Intubation und kontrollierte Beatmung. Als letzten Ausweg davor ziehen sie eine i.v.-Gabe von Koffein in Betracht. Dies scheint sich laut Studienlage bei Bronchiolitis-assoziierter Apnoe häufig positiv auszuwirken. Der kleine Patient erhält somit 20mg/kg Coffeincitratt. Die Gabe erfüllt seinen Zweck: Bereits eine Stunde später sind keine Atemaussetzer mehr zu verzeichnen, 24 Stunden später kann die CPAP-Beatmung eingestellt werden.

Falscher Verdacht

Nach 48 Stunden hält das Ergebnis eines PCR-Tests jedoch eine Überraschung bereit: Das Ergebnis ist positiv für B. pertussis. Das Kind leidet an Keuchhusten –  eine lebensbedrohliche Erkrankung für Säuglinge.

Die Ärzte geben in ihrem Bericht zu, sich von dem Impfstatus fehlgeleitet haben zu lassen. Auch wenn die Impfung zu dem Zeitpunkt für das Kind noch keinen sicheren Impfschutz darstellte, so trug sie vermutlich zu dem glimpflichen Verlauf der Krankheit bei. Der Junge erhält fünf Tage lang Azithromycin und kann kurze Zeit später entlassen werden.

Warum er auf das Koffein so positiv reagierte, obwohl er nicht an einer Bronchiolitis litt, können sich die Ärzte nicht erklären. Auch in der Literatur finden sie keine Erklärung. Ihren Bericht schließen sie daher mit dem Appell, die Wirkung von Koffein bei Kindern mit Keuchhusten in Studien näher zu untersuchen.

 

Quelle:

Caffeine to prevent respiratory failure and improve outcome in infant pertussis; John Evered et al., BMJ Case Reports, doi: 10.1136/bcr-2017-223102
 

Artikel von Maren Böcker

 

Bildquelle: Jacoplane / MediaWiki

Artikel letztmalig aktualisiert am 25.04.2018.

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Gast
Letztes Jahr hatten 18 Kinder einer Schulklasse in Dresden Keuchhusten - 17 von denen waren geimpft. Pertussis scheint öfter vorzukommen als man glaubt.
#6 am 29.05.2018 von Gast (Heilpraktikerin)
  0
Merke, der Begriff "Schutz"-Impfung ist irreführend, da jede Impfung nur einen bedingten Schutz darstellt und der Impftiter nicht obligatorisch kontrolliert wird.
#5 am 25.05.2018 von Robert Wagner (Heilpraktiker)
  0
Gast
Schon als ich die Überschrift las, war mein Verdacht Keuchhusten.
#4 am 24.05.2018 von Gast (Heilpraktikerin)
  2
Meine haus- und familienärztlichen Praxisgründung 1992 zeigte massiv serologisch nachgewiesene Pertussis Neuinfektionen. Regelmäßige Pertussis-Kombinationsimpfungen alle 10 Jahre beendeten das. Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim RKI hechelt der Impfindustrie hinterher und stellt niemals kritische Fragen. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/article/929138/hartnaeckiger-husten-pertussis-welle-deutschland-bedroht-allem-saeuglinge.html Im Deutsches Ärzteblatt: "Die heute verwendeten azellulären Keuchhusten-Impfstoffe hinterlassen offenbar eine lückenhafte Immunität. Sie verhinderten in tierexperimentellen Studien in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2013; doi: 10.1073/pnas.1314688110) zwar eine schwere Erkrankung, nicht aber die Besiedlung der Rachenschleimhaut mit Krankheitserregern, die sogar auf andere Tiere übertragen werden konnten. Die Studie stellt deshalb die durch die Impfung angestrebte Herdenimmunität infrage.
#3 am 29.04.2018 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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In den meisten Ländern ist es in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Keuchhusten­erkrankungen gekommen. In den USA erkrankten 2012 schätzungsweise 42.000 Menschen, die höchste Zahl seit mehr als 50 Jahren. Verantwortlich gemacht wurde vor allem die zeitlich begrenzte Immunität der Impfung. Die Forschungsergebnisse, die das Team um Tod Merkel vom Office of Vaccines Research and Review der US-Arzneibehörde FDA jetzt vorstellt, liefern eine weitere Erklärung. Es erscheint möglich, dass die Impfung nur die Erkrankung, nicht aber die Infektion verhindert. Damit entfiele eine Barriere gegen Epidemien. Normalerweise verhindert eine hohe Impfquote, dass sich Krankheitserreger in einer Population ausbreiten. Epidemiologen sprechen von einer Herdenimmunität." http://m.aerzteblatt.de/news/56706.htm "Acellular pertussis vaccines protect against disease but fail to prevent infection and transmission in a nonhuman primate model" von Jason M. Warfel et al.
#2 am 29.04.2018 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  1
Koffein hebt den Blutdruck, steigert die Pulsrate und stimuliert den Herzmuskel, das Atemzentrum sowie das Nervenzentrum, steigert auch die Diurese. Es gilt als eines der besten Stimulanzien der vasomotorischen Zentren, wirkt bei extremer Schwäche unterstützend - siehe Wirkung einer Tasse Kaffee. Ich verstehe nicht, wieso die Ärzte sich die positive Wirkung nicht erklären können.....
#1 am 27.04.2018 von Sabine Stawiarski (Heilpraktikerin)
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