Ab und zu trinke ich jeden Tag ein Bier

22.04.2018

Da war ich also Arzt im Klinikum Beteigeuze und musste viele Patienten nach ihrem Alkohol- und Zigarettenkonsum befragen. Diese Fragen finden die meisten Leute eher nicht so gut. Also flunkern sie immer etwas. Auf dass der Arzt nicht erkenne, was sich wirklich hinter ihrer Antwort verbirgt.

Was der Patient meint, wenn er sagt:

= Damals in meiner wilden Jugend pflegte ich einige Zigaretten zu konsumieren. Das war so vor 60 Jahren. Oder 70.

oder

= Nachdem ich jetzt 40 Jahre lang täglich zwei Schachtel gezogen habe, habe ich vor einem Monat aufgehört. Voll gut, oder?

= Einmal im Monat, mit meinen Freunden

oder

= Ein Bier am Tag. Manchmal auch zwei.

= Also einmal im Jahr an Silvester.

oder

= Jedes Wochenende beim Komasaufen mit den Kumpels und Kumpelinen.

 

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 25.04.2018.

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Medizin, Innere Medizin
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Das Problem wäre leicht zu entschärfen, wenn es eine meßbare Größe gäbe. Im jedem Arztbericht zu lesen, man sei adipös, begeistert einen auch nicht grade, da das den Verdacht nahelegt, man sei ein Sofapupsender Fleischklops. Daß aber 95 kg Frau durchaus auch einfach groß und kräftig sowie sportlich aktiv sein können, geht daraus nicht hervor. Der BMI ist zumindet mal eine Größe, die differenzieren hilft. Etwas Ähnliches beim "...abusus" wäre sicher eine Hilfe, um zu quantifizieren.
#7 am 21.08.2018 von Caroline Santo (Physiotherapeutin)
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Gast
Ein - wie stets bei ZORG - interessanter Beitrag. Ich verstehe durchaus, dass sich Ärzte (auch) für die gesundheitschädlichen Süchte ihrer Patienten interessieren. Das sich Patienten durch gewisse Fragen aber häufig auch stigmatisiert fühlen, verstehe ich ebenfalls sehr gut. Vor allem, wenn z.B. der Begriff "Nikotinabusus" dann in der Akte durchgeschleift wird. Ehrlich gesagt, habe ich für diese Bezeichnung recht wenig übrig. "Nikotinabusus" bedeutet übersetzt "Nikotinmisbrauch". Jedem Misbrauch also müsste nach meiner Auffassung aber ein regulärer Gebrauch gegenüberstehen. Ist das beim "Nikotinabusus" tatsächlich so? Im übrigen sagt WIKIPEDIA : Bei Begriffen wie „Drogenmissbrauch“ (Missbrauch und Abhängigkeit, lat. Abusus) etc. handelt es sich somit um Begriffe, die zwar weit verbreitet sind, dem aktuellen (wissenschaftlichen) Stand und (gewünschten) Sprachgebrauch der Medizin (nach ICD-10[6][7]) aber nicht mehr entsprechen.
#6 am 27.04.2018 von Gast (Biochemiker)
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Die Auffassungen, was Alkohol ist, gehen zudem auseinander. Eine speziellle, gar nicht so seltene Klientel zählt Bier (egal in welcher Dosis) nicht dazu. Daher empfielt es sich bei Diskrepanz zwischen offensichtlichem Abusus und der Vereinung, Alkohol zu konsumierenm, dezidierter nach speziellen Getränken zu fragen: "Sie trinken also keinen Alkohol - und wie sieht es mit Bier aus?"
#5 am 26.04.2018 von Dr. rer.nat. Stefan Graf (Biologe)
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Ich schicke die Angehörigen immer raus und begründe das mit der abstehenden körperlichen Untersuchung. Natürlich nutze ich die Gelegenheit auch für die wirklich Eltern nichts angehenden Fragen. Und glaubhafter Probierkonsum der erst total maulfaulen und dann oft erleichterten und gesprächigen Jugendlichen wird nicht als problematisch dokumentiert. Oft kommen dann auch Themen und Fragen, die in Anwesenheit der Eltern oder Sozialbetreuer nie aufgetaucht wären. Dann dauert die "körperliche Untersuchung" halt mal länger ;-)
#4 am 25.04.2018 von Sylvia Robinson (Ärztin)
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Ja, Ärzte müssen wirklich interpretieren: Mein Neffe, in der deutschen Sprache noch unsicher, wurde in der Notaufnahme gefragt, ob er rauche. Er meinte, er habe auf einer Party schon mal eine Zigarette geraucht ( er ist 14) , was ihm den Eintrag " Nikotinabusus" in seiner Akte einbrachte. Gab dann auch noch ziemlichen Stress mit seiner Mami, die den Arztbrief später gelesen hat ..... ein Tipp: Diese Fragen doch bitte nicht in Anwesenheit der Angehörigen stellen ..... dann werden die Antworten ehrlicher.
#3 am 25.04.2018 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Mir fällt in diesem Zusammenhang immer der Zimmermann mit auffälligen Leberwerten ein, der auf die Frage nach seinem Alkoholkonsum antwortete: Ja trinke schon mal was, aber nur wenn Richtfest ist.
#2 am 25.04.2018 von Gast (Arzt)
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Kranke Schwester
Ich liebe die Blogs hier - vor allem Ihre, Frau Zorg sind immer wieder herrlich erfrischend und treffen den Nagel auf den Kopf! Schön, dass es den Ärzten bei der Frage nach Nikotin-/Alkohol-/Drogenkonsum genauso ergeht wie den Pflegekräften. Bei diesen 3 Fragen kann man meist nur von einem äußerst geringen Wahrheitsgehalt der Antworten ausgehen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber meist ist spätestens bei der 2. Frage (Alkohol) Schluss mit Ehrlichkeit. Starkes Rauchen ist noch eher gesellschaftlich akzeptiert als starker Alkoholkonsum. Die Frage nach evtl. Drogenkonsum kann man sich am Schluss dann fast schon sparen.
#1 am 25.04.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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