Bilingualität: Kinder sind die besten Dolmetscher

19.04.2018

In der Kinderarztpraxis beschäftigen wir uns auch mit pädagogischen Themen, die Sprachentwicklung ist uns sowieso ein Anliegen. Beide Sujets treffen sich bei der zweisprachigen Erziehung innerhalb der Familie. Wie sollen die Eltern das machen?

Beobachtet man Kinder im Urlaub, am Strand, auf dem Campingplatz, weg von den gestressten Eltern, hingegeben der Suche nach Sozialkontakten und Spielen, erkennt man schnell: Alle Kinder, egal welcher Sprache, verstehen einander. Sie verstehen einander durch Gesten, durch blitzschnelle Aufnahme von fremder Sprache, durch Zwischenmenschlichkeit.

Sprache ist für Kinder essentiell, welch banale Feststellung. Die Sprachentwicklung ist, so unterschiedlich sie verlaufen kann, am Ende vielleicht die wichtigste Entwicklungsphase eines Kindes, schließlich prägt sie das Sozialgefüge.
Umso toller, was die Natur den Kindern mitgegeben hat, um ihre Sprache zu finden, anfangs ihre eigene, universelle und am Ende eventuell gar die der Eltern. Universalität – kann man das so nennen? Die Fähigkeit, sich in welcher Sprache auch immer zu verständigen. Mit Sprache meine ich nicht nur den verbalen Austausch, auch Gesten des Säuglings oder Gebärdensprache fallen hier hinein.

Spracherwerb in der Zweisprachigkeit

Eine spezielle Variante des Spracherwerbs ist es, eine zweite Sprache zu erlernen. Hier sind besondere Voraussetzungen wichtig:

Zweitspracherwerb

Wachsen Kinder mit einer anderen Sprache auf als der, welche im Land gesprochen wird, in dem sie sich gerade zufällig aufhalten, lernen sie die Landessprache ähnlich schnell wie die Muttersprache. Sobald sie müssen, sobald sie ein neues Bad in der neuen Sprache nehmen, passiert es ganz von selbst. Mitunter geht es sogar noch schneller, weil die Fähigkeit zum Sprachelernen bereits „gespurt“ ist.

Manchmal lese ich bei älteren Kollegen in Einträgen im Vorsorgeheft Bemerkungen wie „spricht noch kein deutsch“ oder womöglich „sollte jetzt mehr deutsch lernen“. Das ist eine anachronistische Sicht der Sprachentwicklung bei Zweisprachigkeit und aus der Sorge geboren (die sich auch bei vielen nichtdeutschsprachigen Familien hält), dass die Kinder ausgegrenzt würden. Würden wir in Papua-Neuguinea nicht auch weiterhin deutsch mit unseren Kindern sprechen?

Kinder sind so unendlich international, so großzügig, so rücksichtsvoll, wenn sie jemandes Kind gegenüber treten, das die eigene Sprache nicht kennt. Sie improvisieren, sie zeigen, sie helfen, oberste Maxime ist das gegenseitige Verstehen, nicht das Verstehen der eigenen Position. Zweisprachige Kinder sind tolle Dolmetscher, oft wertvoll für die Familien, im allerpositivsten Sinne. Letztendlich erweitert die Mehrsprachigkeit nicht nur den linguistischen Horizont, sondern das Verständnis für andere Kulturen und andere Denkweisen und damit das Zusammenleben aller.

 

Mehr zum Thema:

Zweisprachigkeit.net
Die offizielle Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Broschüren für nichtdeutschsprachige Eltern

 

 

ursprünglich hier

 

Bildquelle: Daniel Lobo, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.04.2018.

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Medizin, Pädiatrie
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Meine Kinder mögen beide Sprachen, aber am wichtigsten war für sie immer die Sprache ihrer Schulfreunde ; in einer spanischsprachigen Klasse sprachen sie am liebsten Spanisch, in Deutschland mit den deutschen Freundinnen und mit uns Eltern Deutsch. "Zweisprachige Kinder sind tolle Dolmetscher, oft wertvoll für die Familien, i" nur diesen Satz kann ich aus meinen Erfahrungen nicht bestätigen. Zwar kann Kind sich in jeder Sprachsituation adequat ausdrücken, aber ÜBERSETZEN und das noch simultan - das ist ein wesentlich bewussterer Akt und erfordert Training.
#3 am 21.04.2018 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Meine Kinder sangen meine Kinderlieder, hoerten auf deutsch die gutenacht-geschichten, sprachen Kinderreime nach...und lernten diese den einheimischen Freunden..lange bevor sie mir auf deutsch antworteten. Und immer die guten Ratschlaege der deutschen Freunde..Du musst verlangen, dass die kinder deutsch reden...doch wir hatten einfach Spass an der Sprache...mit vier kam dann die dreimal-durcheinander-phase, vorallem in der adventszeit«Mami, alle Jahre wieder we have a happy house, cierto?» Was haben wir Spass gehabt..mit dem Beginn der Pubertaet wurden die Sprachen dann von selbst getrennt und pomierten sich von ganz alleine hinsichtlich der Grammatik...zum Ende ihrer Schulzeit wuenschten sie sich einen Aufenthalt in England zum Polieren ihrer dritten Sprache, die die sie mit Mickey Mouse und Donald im Kinderzimmer lernten, weil die deutsche Oma sie mit den Videos vor Wissensluecken im Urwald schuetzen wollte..und heute machen sie ihr deutsches Abi per Fernschule....nun ist die Zeit vorbei, in der es durchs Haus hallte«Mami venga rapido, el Nikolaus hat Schokolade gebracht, very good.»
#2 am 20.04.2018 von Gast (Rettungsassistentin)
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Gast
Ja, richtig, Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, lernen die Sprachen der Umwelt, in der sie sich bewegen, problemlos,wenn zwanglos, auch wenn es zweifellos immer eine dominierende Sprache geben wird.In Lateinamerika lebend haben meine beiden hier adoptierten Kinder die Landessprache als dominierende Muttersprache behalten, es ist ja auch die Sprache ihrer Umwelt, unseres Lebens hier. Doch deutsch ist ganz von alleine und zwang und problemlos zur zweiten Muttersprache geworden, fern ab der deutschen Schule in den Bergen der Anden, nur weil Mami vom ersten Tag an ihre Kinder zuhause auf deutsch erzogen hat. Was sollte ich auch anderes tun?
#1 am 20.04.2018 von Gast (Rettungsassistentin)
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