Clozapin: Vorsicht beim Umstieg auf E-Zigaretten

18.04.2018

Immer mehr Patienten steigen von Zigaretten auf E-Zigaretten um. Das ist eigentlich erfreulich, denn die Umstellung reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Bei Patienten, die Clozapin und Olanzapin einnehmen, ist aber auch Vorsicht geboten. Die Umstellung kann Auswirkungen auf den Blutspiegel der Medikamente haben.

Der Anteil der psychiatrischen Patienten, die rauchen, ist auffallend hoch. Das kann vielerlei Gründe haben. Zum Beispiel gehen psychiatrische Erkrankungen häufig mit einem erhöhten Maß an Nervosität einher und rauchen hilft manchen Patienten, die Nervosität zu reduzieren.

Ein anderer Grund, den Psychopharmakologen gerne anführen, wenn es um die erhöhte Anzahl an Rauchern unter psychiatrischen Patienten geht: Rauchen kann den Blutspiegel bestimmter Medikamente wesentlich reduzieren und dazu führen, dass Nebenwirkungen abnehmen. Gleichzeitig nimmt aber natürlich auch die Wirksamkeit ab. Patienten, die wirklich viel rauchen, also in der Größenordnung von einer Packung am Tag, können bei bestimmten Medikamenten den Blutspiegel um bis zu ein Drittel und in Einzelfällen circa um die Hälfte senken.

Wie funktioniert das?

Wieso ist das so? Zigarettenrauch enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Einige PAKs verursachen Krebs, daher ist es ohnehin sinnvoll, nach Wegen zu suchen, die Aufnahme dieser Substanzen zu vermeiden. Eine zweite Wirkung der PAKs ist die Induktion (Ankurbelung der Produktion) des Cytochrom-P450-Isoenzyms CYP1A2. Je mehr P450 CYP1A2 man im Körper hat, desto schneller werden Medikamente abgebaut, die über eben jenes CYP1A2 abgebaut werden. Dazu gehören Clozapin und Olanzapin. Dieser Mechanismus erklärt, warum starke Tabakraucher bei gleicher Clozapin-Dosis niedrigere Clozapin-Blutspiegel aufweisen als andere Patienten mit derselben Dosis.

Welchen Effekt haben E-Zigaretten?

Im Rauch von E-Zigaretten sind kaum PAKs enthalten. Daher verursachen sie vermutlich keinen Krebs und sie induzieren auch kaum oder gar nicht Enzyme wie das P450 CYP1A2. Deshalb reduzieren sie auch den Blutspiegel von Clozapin oder Olanzapin nicht. Das Nikotin, das natürlich auch im Rauch der E-Zigaretten enthalten ist (wobei es auch Liquids ohne Nikotin gibt), führt nicht zu einer Induktion dieses Enzyms.

Und was passiert bei der Umstellung von Zigaretten auf E-Zigaretten?

Preisfrage: Was geschieht, wenn ein Patient, der Clozapin einnimmt, von normalen Zigaretten auf E-Zigaretten umsteigt? 

Genau. Umstieg auf E-Zigaretten -> Keine Enzyminduktion mehr -> kein beschleunigter Abbau des Clozapins mehr -> Anstieg des Clozapinblutspiegels trotz gleicher Dosis. Ein Fallbericht über einen toxischen Clozapin-Plasmaspiegel nach Zigarettenabstinenz findet ihr hier.

 

Bildquelle: Vaping360, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 24.04.2018.

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Medizin, Psychiatrie
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Danke für die Hinweise in diesem Artikel. . Dann sollte auch das - ja anfürsich lobenswerte Unterfangen, aufzuhören mit dem Rauchen - auf jeden Fall dem behandelnden Psychiater mitgeteilt werden, damit die Dosis angepasst wird.
#1 am 26.04.2018 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Was viel stärker mit Wirkungen und Nebenwirkungen zusammenhängt als die Dosis, ist aber der Blutspiegel. Auch das mehr...
Deutsch -> Pharmakologisch Viel hilft viel heißt auf psychopharmakologisch: Haloperidol 5-5-5-5 mg. Etwas tun mehr...
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