Ein Schatten betritt die Onkologie

16.04.2018

Onkologische Fälle sind bei uns keine Seltenheit. Vom LungenCA über Leukämie haben wir alles. Und trotzdem schockiert es mich immer wieder, was Krebs mit Menschen und deren Angehörigen anstellt.

Vor kurzem hatten wir wieder so einen Fall. Die Dame, gute 80, völlig orientiert, zuhause noch selbstständig, kam mit einem metastasierenden LungenCA zu uns. Sie war geschwächt, wirkte jedoch nicht allzu beunruhigt, da sie wie sie mir erzählte, schon seit jungen Jahren mit „Mr. K“, wie sie ihren Krebs nannte, zu kämpfen hatte. Ihr größtes Problem waren der durch die Chemo bedingte Diarrhoe und ihre Schwäche, die sie dazu nötigte, uns zur Hilfe zu rufen, wenn sie ihre Notdurft verrichten musste. Sie war eine Kämpfernatur, aß trotz Appetitlosigkeit, machte soviel es ging selbst.

Sie erholte sich soweit, dass sie mit onkologischer Betreuung nach Hause entlassen werden konnte. Was für eine Freude, ihr diesen Wunsch zu erfüllen und sie am Rollator die Station verlassen zu sehen.

Ein Schatten kehrt zurück

Kaum 3 Wochen später war sie wieder da. Ich konnte kaum glauben, dass es dieselbe Frau war. Sie war eingefallen und abgemagert, hatte starke Schmerzen, war auf kontinuierlichen, hochdosierten Sauerstoff angewiesen, Essen musste ihr eingegeben werden, da sie so schwach war. Es ging rapide bergab mit ihr, so rapide, dass sich unsere Ärzte auf eine Palliativtherapie einigten. Sie bekam Morphium in die Infusion. Sie bekam Dormicum iv. und Buscopan iv.

Als klar wurde, dass sie terminal war, bauten wir ihr mit dem Bettbogen und Tüchern ein Zelt, stellten Becher mit Tupfern ins Zimmer, die mit wohlriechenden ätherischen Ölen getränkt waren, betteten sie auf eine Wechseldruckmatratze um, lasen ihr Geschichten vor. Auch dann noch, als sie nicht mehr bei Bewusstsein war. Die Angehörigen wechselten sich ab, waren praktisch 24h an ihrer Seite. So konnte sie im Beisein ihres Sohnes loslassen und gehen. Sie sah so friedlich aus, als hätte es all den Schmerz der letzten Monate nicht gegeben, der Sohn traurig aber erleichtert, dass seine Mutter nun nicht mehr leiden musste und in Würde gehen konnte.

Was bleibt, ist eine Hülle

Trotzdem: Krebs ist ein Arschloch. Er macht aus Menschen voller Leben atmende Skelette. Raubt Frauen und Männern das Selbstbewusstsein, wenn sie durch die Chemo ihre Haare verlieren. Er schürt Hoffnungen, nur um sie dann wieder zunichte zu machen, raubt Angehörigen den letzten Nerv. Er löscht nach und nach alles, was diesen Menschen ausgemacht hat und lässt eine schmerzgepeinte Hülle, aus der das Leben so schnell hinausfließt, dass man als Pflegende, Arzt und Angehörige nur hilflos daneben steht.

 

Bildquelle: Julia Taylor, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 19.04.2018.

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Medizin, Onkologie
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Erschreckend, die Hilf- und Orientierungslosigkeit, die durch die Kommentare erkennbar ist.
#18 am 18.04.2018 von Stefan Zahn (Wirtschaftswissenschaftler)
  0
Liebe Frau Dr. Tanja Zilch, Sie werden Ihre Gründe haben, warum Sie eine ganzheitliche Onkologie ablehnen. Das ist Ihre Freiheit. Worauf wollte ich hinweisen, wenn ich behaupte dass Krebs kein "Arschloch" ist. In dieser Wortwahl zeigt sich doch die persönliche Betroffenheit und Hilflosigkeit. Lother Hirneise, Präsident von Menschen gegen Krebs e.V weist immer wieder darauf hin, dass eine ganzheitliche Behandlungsstrategie das Mittel der Wahl ist. Es geht doch gar nicht darum Operationen oder Chemo gänzlich abzulehnen. Wir müssen lernen besser damit umzughen und eine ganzheitliche Sichtweise einer Erkrankung mit Einbezug seelicher Konflikte in Betracht zu ziehen. Warum wird dies wohl an Universitäten derzeit seltenst oder gar nicht gelehrt? Die Autorin beschreibt es doch ganz klar: ...schon seit jungen Jahren hatte die 80 jährige Dame mit Mr. K (Krebs) zu kämpfen. "Ihr größtes Problem waren der durch die Chemo bedingte Diarrhoe und Ihre Schwäche, die sie nötigte Hilfe zu suchen. "
#17 am 18.04.2018 von Christian Müller (Heilpraktiker)
  33
Unfassbar, was für ein Geschwurbel (Müller, Brück) hier in den Kommentaren wieder vom Stapel gelassen wird. Zum Fremdschämen...
#16 am 17.04.2018 von Robin Engert (Arzt)
  10
Liebe Frau Brück, wie sagt man so schön: Intelligenz ist ein Prognosefaktor und wenn Sie sich einmal die Mühe machen würden und sich rational und objektiv mit den Entwicklungen und Errungenschaften der modernen Onkologie auseinander zu setzen, dann würden auch Sie Ihre Verblendung ablegen
#15 am 17.04.2018 von Dr Tanja Zilch (Ärztin)
  15
@Züch Das Problem "reiner Schulmedziner" KANN sein, dass sie nicht ganzheitlich denken und dadurch relevante Dinge außer Acht lassen. Die Onkologie ist zum Scheitern verurteilt, bleibt sie auf dem heutigen Stand der Dinge stehen. Ich habe viele renommierte Onkologen auf Fortbildungsveranstaltungen getroffen, die sich Alternativen zu dem von Ihnen als bewährt Beschriebenen wandten- warum nur, frage ich mich, wenn die heutige Onkologie der Weisheit letzter Schluss ist?! Aber lassen Sie uns nicht streiten, denn jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Wenn Sie krank sind, gehen Sie einfach den von Ihnen gepriesenen Weg. Unsere Wege werden sich sicherlich niemals kreuzen.
#14 am 17.04.2018 von Michaela Brück (Zahnarzt)
  27
Lieber Herr Heilpraktiker Müller: ich persönlich kenne keinen Krebspatienten, der nicht zumindest vor seiner Heilung schulmedizinisch operiert wurde. Und als Onkologin habe ich jeden Tag Krebspatienten zu tun. Mögen nur die Patienten vor solchen Leuten wie Ihnen beschützt werden
#13 am 17.04.2018 von Dr Tanja Zilch (Ärztin)
  11
@Michaela Brück: erstaunlich dass so große Welten zwischen Zahnärzten und Ärzten liegen. Ich würde an Ihrer Stelle Dinge von denen ich nichts verstehe nicht kommentieren
#12 am 17.04.2018 von Dr Tanja Zilch (Ärztin)
  15
@Schwester Latka Ich glaube, dass Sie das Geschriebene missverstehen. Jede Erkrankung sollte hinterfragt werden- nicht im Sinne von Schuld, darum geht es nicht! Es gibt Umstände, Belastungen, die möglicherweise einen Beitrag dazu geleistet haben, dass es dazu kam. Die Psyche des Menschen ist doch mit dem Soma verbunden. Ich denke, dass Herr Müller eher das gesunde in sich Hineinkehren, Hinterfragen vom Außen aber auch dem Inneren angesprochen hat; das kann zu äußerst wertvollen Einsichten führen, Lösungen und Auflösungen von Konflikten, was letztlich sehr vorteilhaft für Gesundung ist.
#11 am 17.04.2018 von Michaela Brück (Zahnarzt)
  35
An #3 Christian Müller: Ihr Beitrag ist sowas von deplatziert - ein Schlag ins Gesicht jedes Krebskranken und ihren Angehörigen! Vorallem Ihr Satz: "Welcher Konflikt wurde übersehen?" Bei so einer Haltung dieser Krankheit gegenüber stellt sich mir die Frage wie es Ihnen wohl gehen würde, wenn Sie die Diagnose Krebs erhielten? Ob Sie dann immer noch so "schlau" daher reden würden? Für den Fall der Fälle wünsche ich Ihnen dass Sie genug Mut aufbringen würden die Schuld nicht bei Sich zu suchen (nach ungelösten Konflikten zugraben) sondern den Krebs einfach "ein A******** " nennen können! Nix für ungut! An the nurdy nurse: Toller Artikel und auf dass wir Profis nie so abgebrüht werden dass uns sowas völlig am A..... vorbei geht!
#10 am 17.04.2018 von Schwester Annette Latka (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
  8
@Christian Müller gelesen unterschrieben
#9 am 17.04.2018 von Michaela Brück (Zahnarzt)
  26
Ich entschuldige mich für die Teilung meines Statements in Blöcken wegen zu hoher Wortanzahl. Gesundheit sei mit Ihnen allen!
#8 am 17.04.2018 von Michaela Brück (Zahnarzt)
  16
Pathologen fanden heraus, dass unzählige alte Menschen mit diversen Tumoren verstarben- MIT- NICHT WEGEN! Ein Urologe sagte mir vor 20 Jahren schon angesprochen auf das Handling eines ProstataCAs eines Verwandten: LASSEN! Er wird damit sterben nie deswegen. Und er behielt Recht! Tod 15 Jahre später an Herzversagen. Man mag mich wieder maßregeln oder belächeln, es ist Zeit, in der Onkologie umzudenken, neue, andere Wege zu beschreiten, die weniger Opfer durch das gigantische Ausmaß von Kollateralschäden hinterlässt. 3/3
#7 am 17.04.2018 von Michaela Brück (Zahnarzt)
  39
Will man also Gesundung, Genesung so müsste vorrangig der Körper gestärkt werden- nicht geschwächt. In meinen Augen trägt zu diesem Ziel inbesondere die Chemo nicht bei. Radiatio gilt per se als cancerogen (möglicherweise Mitverursacher so vieler MammaCAs?) So what? Schulmedizin auf dem Irrweg? I believe so, Zu der betagten Dame: mit 80 Jahren hat man ein schönes Alter erreicht, in dem man durchaus an den Ausklang des Lebens auf dieser Erde denken darf und sollte. Schön, wenn es erfüllt war! Weshalb dann noch eine solche Tortur auf sich nehmen? 2/3
#6 am 17.04.2018 von Michaela Brück (Zahnarzt)
  40
In der Homöopathie lernte ich, dass es sich bei Krebs um einen Zustand handelt, in dem der Körper zur eigenen Regulation nicht mehr fähig ist. Das ist so ganz falsch nicht, produziert ein jeder täglich "solche" Zellen, die aber der Apoptose, also dem programmierten Zelltod zugeführt werden (Entsorgung). Genau diese scheint im Körper der Betroffenen nicht mehr gegeben. Der nächste Schritt müsste demzufolge sein sich zu fragen, warum dem so ist und woran es dem Menschen vielleicht mangelt vergleichbar einer Dysbiose des Darmes, die man nach mikrobiolgischer Analyse durch Gabe von Pro- und Präbiotika korrigiert. Das erscheint mitnichten leicht. Viele Causae kommen in Frage. Beherzigt werden aber sollte: eine gewaltige wenn nicht die zentrale Rolle in einem solchen Geschehen wodurch auch immer bedingt spielt das Immunsystem. 1/3
#5 am 17.04.2018 (editiert) von Michaela Brück (Zahnarzt)
  39
Ich habe auch schon ähnliches erlebt und stimme Ihnen zu, dass man sich manchmal wirklich fragt, was sich der liebe Gott da eigentlich gedacht hat! Allerdings habe ich kürzlich meinen Vater an einem Schädel-Hirn-Trauma verloren. Er war ein halbes Jahr ohne richtiges Bewusstsein, mit PEG und Tracheostoma versorgt, alle 3h gelagert, andauernd abgesaugt... Auch ohne Krebs und terminale Erkrankung haben wir letztlich entschieden, dass der mutmaßliche Wille von ihm das Umschwenken auf eine palliative Therapie ist. Was Sie beschreiben - den Schmerz vorher, die falschen Hoffnungen die man sich macht, wie friedlich sie ging etc. kann ich 1:1 auf ihn und inzwischen auf viele andere Diagnose(n) übertragen. Die wenigsten dürfen aus voller Gesundheit heraus einfach einschlafen. Was bleibt ist immer eine Hülle. Sie leisten einen wertvollen Beitrag dazu dass Patienten (trotz Arschlocherkrankung) friedlich gehen können. Das ist extrem hilfreich nicht hilflos, auch wenn es sich manchmal so anfühlt!
#4 am 17.04.2018 (editiert) von Tonja Bartl (Arzt)
  0
Ihr Artikel über den Schatten in der Onkologie hat mich sehr irritiert. Um es auf den Punkt zu bringen: Krebs ist absolut kein "Arschloch" und raubt keinesfalls Menschen das Selbstbewusstsein. Es kommt auf den Standpunkt an den man einnimmt. Krebs ist im Grunde nichts anderes als ein Symptom. Es gilt zu erkennen, was zum Krebs geführt hat. Welcher Konflikt wurde übersehen und was gilt es zu lernen. Krebs entsteht durch eine Stress-Situation (Strahlungen, ungelöste emotionale Konflike, Transfettsäuren, ...) der physisch oder psychisch hervorgerufen wird. Was ist denn überhaupt ein Tumor? Ein Tumor ist eine "Entgiftungsfabrik" um den Körper im Heilungsprozess zu unterstützen. Das Hauptproblem ist dass mit Krebs eben sofort Tod, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, auch "Arschloch", etc. assoziiert wird. Denken Sie doch auch mal an die vielen Fälle in denen Menschen Ihren Krebs überwunden haben und gestärkt mit und ohne Chemo weiter leben durften. Christian Müller, Heilpraktiker
#3 am 17.04.2018 von Christian Müller (Heilpraktiker)
  137
Auch Danke für den Artikel. Meine Schwester leidet an einem Nierensarkom, aber eine besondere, seltene Form. Diagnose seit 2013. Nieren-Op, Lungen-Op, Kopf-Op, Kein Jahr ohne Chemo. Jetzt bekommt sie ein neues Medikament vom Prof. Dr. Blay (Zentrum F-Bérard) ein sehr sehr humanen, netten fähigen Onkologe. Für Sie für uns (die Familie) zittern wir mittlerweile vor jedem Arztbesuch und auch das Wort "palliativ" ist für uns zum Phobie-Wort geworden. Krebs ist eine S......Krankheit.
#2 am 17.04.2018 von Laurence Gromier-Heim (Heilpraktikerin)
  0
Danke für den Artikel und besonders den letzten Abschnitt. Mein Schwager starb 2008 4 Wochen nach Diagnose an einem Pankreas-CA. Ohne Chemo, weil schon zu spät. Krebs ist ein A***, stimme ich zu.
#1 am 17.04.2018 von Annette Creson (Medizinjournalistin)
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