Proliferationstherapie als schmertztherapeutische Alternative

16.04.2018

Proliferationstherapie als schmertztherapeutische Alternative 

Wissenswertes über die Proliferationstherapie ( Prolotherapie )

(Wörter, welche mit einem * vesehen sind, vestehen sich als genderneutral.)

Proliferationstherapie ist eine erfolgreiche therapeutische Anwendung für akute und chronische Schmerzzustände, deren Ursache nicht nur in den Gelenken selbst liegt.

Bestehen die Schmerzen bereits seit Jahren, kann häufig keine komplette Schmerzfreiheit, jedoch in 80% aller Fälle eine wesentliche Erleichterung erreicht werden. Krankheitsbilder, bei welchen die Proliferationstherapie eingesetzt werden kann:

+ bei degenerativen Wirbelsäulenleiden.

+ bei degenerativen Gelenksarthrosen.

+ bei Schmerzen, die durch wiederkehrende Blockierungen an der Wirbelsäule entstehen können (klassischerweise der sogenannte Hexenschuss ).

+ bei Arthrosen und degenerativen- reumatischen Erkrankungen in den Schultern, Knien, Sprunggelenken, dem Mittel- Vorderfuß, Hand- Fingerund Daumengelenken.

+ bei Arthrosen der kleinen Wirbelkörpergelenke und des Kreuzdarmbeingelenkes.

+ bei einschlafenden Händen und Füssen im Ruhezustand.

+ bei Migräne und anderen Spannungskopfschmerzen.

Die Proliferationstherapie ist ein Injektionsverfahren, welches schon in den 20er Jahren des vergangenen jahrhunderts entwickelt wurde. Dabei wird mit punktueller Präzision direkt in verletzte oder degenerative Bänder, Gelenkkapseln, Faszien oder Sehnen gespritzt.

Die genaue Zusammensetzung des Infiltrats wird immer speziell auf den einzelnen Patienten* (Alter, Gewicht, Körpergrösse und Stoffwechsel) abgestimmt, damit die bestmöglichen Ergebnisse erziehlt werden können.

Wachstum von Kollagen Typ I wird durch Glukose, der Hauptsubstanz des Infiltrats, gefördert. Hauptbestandteile von Bändern und Sehnen sind unter anderem aus Kollagen vom Typ I. Ziel der Injektion ist es, die Struktur der belasteten Regionen zu stärken und somit die jeweilige Funktion wieder zu verbessern.

Im Gegensatz zur klassischen Behandlungsmethode mit Kortison, Lokalanästhetika, Ruhigstellung und anschliessenden krankengymnastischen Übungen zielt die Proliferationstherapie auf Stimulation und Aufbau des betroffenes Gewebes ab. Durch eine Versuchsinjektion unter sterilen Verhältnissen wird die Wirksamkeit und Verträglichkeit bei dem Patienten* herrausgefunden, da nicht jeder Patient* positiv auf dieses Verfahren reagiert.

Zu negativen Erfahrungen durch Proliferationstherapie kann es hauptsächlich kommen, wenn die Patienten* nicht oder schlecht bezüglich des Verfahrens aufgeklärt wurden. Unerwünschte Nebeneffekte sind Hautirritationen und temporäre Verschlechterung des Ausgangszustandes, welche jedoch in wenigen Tagen wieder abklingen.

Naturgemäss sollten Patienten* mit Diabetes ihren BZS überwachen und möglicherweise entsprechend einstellen.

Bei länger andauernden Beschwerden, welche bis zu Beginn der Proliferationstherapie konservativ behandelt wurden, kann sich ein Erfolg jedoch nicht so schnell abzeichnen und es bedarf patientenbezogen* einiger (bis zu acht) Nachbehandlungen. Diese können in 1-2 Wochenzyklen notwendig sein, wobei sich pro Sitzung eine Besserung von 15-20% des ursprünglichen Schmerzbildes darstellt.

Die Proliferationstherapie ist kein Wunder- oder gar Allheilmittel bei chronischen Schmerzen in Gelenk, Sehnen und, oder allgemeinem Bewegungsapperat. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass ca. 80% der Schmerzpatienten* positiv reagieren und ein gewisser Anteil (aus 80% ca. 40%) innerhalb von wenigen Minuten Linderung erfahren.

Der Behandler* sollte relativ routiniert mit Injektionsverfahren aller Art vertraut sein. Da bei der Proliferationstherapie jedoch nur subcutan injiziert wird, dürfte dieses kein Problem darstellen.

Die betroffene Stelle wird grosszügig mit Glucose (B. BRAUN 40% 10ml) SC mit mehrern Stichen, ca. 10 bis 15, eingepritzt (nach vorheriger Sterilisierung der Hautoberfläche). Die betroffenen Nerven können sich lösen und durch Zuführen von Glucose leichter regenerieren, da diese freigepritzt und mit Aufbaustoffen versorgt werden. Anschliessende Injektionen an weiterlaufenden Nervensträngen sind zu empfehlen. > Latente Quaddelbildung ist normal und stellt keine Überreaktion dar. Bei Patienten* mit Spritzenangst (kommt, wenn auch zu Unrecht, immer wieder vor) kann man die Haut, vor den Injektionen, mit Xylocainsalbe desensibilisieren.

Auch als Notfallversorgung, zum Beispiel der „verknackste Fuss“, kann spontan eine positive Reaktion zu erwarten sein, da sich der betroffene Nerv schnellst möglich aus dem gezerrten, somit entzündeten, umliegenden Gewebe frei machen kann und somit dieser, also der Nerv, keine Schmerzsignale an das Gehirn senden wird.

Die Nervenbahnen lassen sich um so leichter ertasten, je dünner der Patient* ist, deshalb kann zur Kanülenläge keine Angabe gemacht werden. Als Durchmesser reicht in den meisten fällen eine 025 Nadel.

Gibt man der „europäischen“ und „asiatischen“ Medizin eine Kombinationschance, stellt sich die Proliferationstherapie als hilfreiches Werkzeug in der Schmerztherapie bei Bewegungsunpässlichkeiten dar.

Die Kombination von anatomischen Wissen und Kenntnis von TCM (u.a. Akupunktur) ist jedoch eine wesendliche Voraussetzung für die Anwendung der Proliferationstherapie.

Zusammenfassung

Patienten* mit chronischen Bewegungsaparatbeschwerden können mit der Proliferationstherapie Linderung und wesentliche Verbesserung ihrer Lebenssituation erfahren.

Selbstverständlich sollten im Vorfeld alle anderen in Betracht kommenden Möglichkeiten von Erkrankungen abgeklärt worden sein.

Die Injektionen werden subcutan in die betroffene Region und dessen Umfeld mit 25-40%iger Glukoselösung eingebracht. Geeignet sind alle oberflächlich verlaufenden Nervenbahnen.

Die Kosten betragen in der Regel pro Patient* und Anwendung zwischen 80,oo EURO (Sozialtarif) bis 150,oo EURO.

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen derzeitig (mangels Weitsichtigkeit) die Kosten für die Behandlung nicht.

Es gelten die allgemeinen Aufklärungs- und Vorsorgepflichten der ärztlichen Verantwortung gegenüber dem Patienten*.

© Markus Steidle, München 2016 ©

Artikel letztmalig aktualisiert am 16.04.2018.

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