Patientenverfügung: Gut vorbereitet sterben

04.04.2018

Aus aktuellem Anlass möchte ich aus meiner Sicht als Intensivmediziner in einem Krankenhaus der Maximalversorgung den Fokus auf ein paar wichtige, dringlich zu regelnde Dinge legen. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Organspendeausweis, Bankenvollmacht …

Ein Fall der letzten Wochen: Eine 32-jährige bisher komplett gesunde Frau war am Montag noch arbeiten. Dienstags krank geschrieben, in der Apotheke was „gegen Grippe“ geholt. Mittwoch zunehmend schlecht Luft bekommen, ab ins Krankenhaus, nachmittags auf der Intensiv, abends beatmet, Donnerstags zur Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) zu uns auf die Intensivstation. Glaubt ihr, die Frau hat noch Zeit gehabt, irgendwas zu regeln?

Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Organspendeausweis, Bankenvollmacht … Man muss sich um solche Dinge kümmern, wenn man die Kraft, die Zeit und die Gesundheit dafür hat. Also jetzt! Denn wenn man all diese Unterlagen wirklich benötigt, ist es zu spät etwas zu regeln.

Was du jetzt geregelt haben solltest:

Wenn man intensivpflichtig krank wird, passiert das in aller Regel plötzlich und ist nicht vorher absehbar und dann befindet man sich in einem Zustand, in dem man sich selbst zu eigenen Wünschen nicht mehr äußeren kann. Das muss dann ein Stellvertreter übernehmen. Es ist mitnichten so, dass automatisch jemand aus der Familie als gesetzlicher Stellvertreter eingesetzt wird. Wenn der Richter auch nur andeutungsweise Zweifel daran hat, dass es Diskrepanzen in der Vertretung des Patientenwillens gibt (die so gar nicht existent sein müssen), wird in der Regel ein Berufsbetreuer eingesetzt. Der hat meist noch 150 andere Fälle und ihr tut gut daran, genau dieses Szenario zu verhindern.

Es reicht ein einfacher Schrieb (dafür gibt es Vordrucke, zum Beispiel hier). Anders als eine Vollmacht ist eine Vorsorgevollmacht nur gültig, wenn die betroffene Person selber nicht mehr geschäftsfähig ist. Solange ihr also wach und geschäftsfähig seid, ist dieses Papier wertlos.

Die Eintragung in irgendein Register ist meiner Meinung nach Quatsch, auf keiner der Intensivstation, auf denen ich in den letzten zehn Jahren gearbeitet habe, ist jemals bei einem solchen Register angerufen worden. Hinterlegt die Kopie oder das Original bei der Person, die ihr als Vorsorgebevollmächtigte eingetragen habt, das reicht vollkommen aus.

Es gibt leider auch immer wieder Fälle von Missbrauch der Vorsorgevollmachten, deshalb gibt es für diejenigen, die sich nicht sicher sein können, noch die Möglichkeit der …

Kennen die wenigsten, ist aber ein tolles Instrument, um sich vor einem Missbrauch der Vorsorgevollmacht zu schützen und trotzdem für den Fall der Fälle vorgesorgt zu haben. In der Betreuungsverfügung kann man Wünsche für den Fall einer notwendigen Betreuung äußern. Wie man wohnen möchte, welche medizinischen Maßnahmen durchgeführt werden sollen, welche nicht und vor allem, wer im Falle des Falles als Betreuer eingesetzt werden soll und wer nicht. Es geht aber noch weiter: Man kann dem potenziellen Betreuer ganz genaue Vorgaben für die Betreuung machen, zum Beispiel darüber, wer zu Weihnachten ein Geschenk bekommen soll oder wer Auskunft über beispielsweise den eigenen Gesundheitszustand erhalten darf.

Damit die Betreuungsverfügung in Kraft tritt, muss ein Richter angerufen werden, dieser muss sich vor Ort oder nach ärztlichem Gutachten ein Bild von der temporären oder dauerhaften Geschäftsunfähigkeit machen und eine Betreuung nach euren geäußerten Wünschen anordnen. Das Gericht ist auch verpflichtet, die Einhaltung der Vorschriften zu überprüfen. Recht gut erklärt wird der Sachverhalt hier, auch Vorlagen können hier abgerufen werden.

Ich empfehle aber wie bei allen Vorlagen, die das Thema betreffen, besonders den Part mit den persönlichen Wünschen ausführlich zu gestalten. Nur dadurch bekommen die behandelnden Ärzte und Pflegekräfte und auch der Richter einen Eindruck von euren persönlichen Vorstellungen.

Eine Sache fehlt noch. Wenn es nämlich Kinder gibt, braucht man die …

Für den unwahrscheinlichen aber möglichen Fall, dass beide Elternteile versterben oder in Folge eines Unfalls oder einer Erkrankung dauerhaft geschäftsunfähig bleiben und nicht mehr für die eigenen Kinder sorgen können, sollte eine Sorgerechtsverfügung verfasst werden. Eltern können darin anweisen, wer sich um die Kinder kümmern soll, wenn sie selber nicht mehr dazu in der Lage sein sollten. Recht gut erklärt ist das hier, kein schönes Thema, ich habe diese Situation aber bereits zweimal erlebt. Ein Verkehrsunfall, bei dem der PKW vorne unter den LKW geschoben wurde, die Eltern waren noch an der Unfallstelle tot, zwei der drei Kinder überlebten den Unfall schwerverletzt.

Der naheliegende Gedanke, die Kinder bei den Großeltern unterzubringen, ist erstmal nicht gänzlich verkehrt. Je nachdem, wie es um den Gesundheitszustand der Großeltern steht und je nachdem, wie groß der Altersabstand ist, kann es sinnvoll sein, die Kinder bei Familien im Freundeskreis oder bei den eigenen Geschwistern großwerden zu lassen. Ein komplexes und unangenehmes Thema, aber eine Sorgerechtsverfügung hilft den Gerichten, die richtige Entscheidung zu treffen.

Und dann wäre da noch die …

Ja, die kann man gerne schreiben. Aber bitte nicht in einem der Formulare, die unter anderem diesen unsinnigen Satz enthalten:

„ … wenn zwei Ärzte (gerne auch zwei Fachärzte!) unabhängig voneinander festgestellt haben, dass ich mich unabwendbar im unmittelbaren Sterbeprozess befinde …“

Das ist totaler Schwachsinn, denn in diesem Zustand wird keine Patientenverfügung benötigt. Wenn ein Arzt feststellt, dass sich ein Patient in einem unabwendbaren (!) unmittelbaren Sterbeprozess befindet, sind alle anderen Maßnahmen – pardon – Leichenfledderei.

Patientenverfügungen werden aus dem einfachen Grund geschrieben, dass Menschen verhindern wollen, angeschlossen an Maschinen vor sich hin zu vegetieren und irgendwann auf der Intensivstation zu sterben.

Die Ärzteschaft hat es versäumt, hier rechtzeitig Beratungsangebote auf die Beine zu stellen. Auch im hausärztlichen Bereich wird eine entsprechende Beratung überhaupt nicht vergütet. Diese Lücke haben die Juristen ausgefüllt und sich gut aufgestellt mit teilweise sehr teuren Beratungsangeboten, bei denen man für viel Geld immerhin ein echtes Wachssiegel vom Notar erhält und das macht doch wirklich was her. Sieht schick aus, ändert aber nichts daran, dass das Geschwafel in den meisten Patientenverfügungen nichts wert ist, weil die Situation, in der die Patientenverfügung anzuwenden wäre, so niemals eintreffen kann. Die Patientenverfügungen bleiben also in Folge dessen meist unbeachtet.

Ich empfehle an dieser Stelle eher handgeschriebene Patientenverfügungen, wie ich sie bei einem Patienten fand. Der Patient selber war ehemaliger Oberarzt einer chirurgischen Klinik in der Nähe. Er hatte in häuslicher Umgebung bei Luftnot den Rettungsdienst gerufen, ist notfallmedizinisch versorgt worden. Bei Ankunft auf unserer Intensivstation wurde der Patient bereits künstlich beatmet. In seinen Unterlagen fand sich anschließend die folgende Patientenverfügung:

***********

Hiermit verfüge ich, Dr. med. H.M., geb. am **.**.1939 für den Fall, dass ich meinen Willen nicht selbständig äußern kann, dass ich jegliche intensivmedizinische Maßnahmen ablehne. Sollten versehentlich lebensverlängernde Maßnahmen wie die Anlage einer Magensonde, die Anlage eines zentralvenösen Katheters, eine Dialysetherapie, eine Antibiotikatherapie, eine Katecholamintherapie oder auch eine Beatmungstherapie mit oder ohne Anlage eines Endotrachealtubus begonnen worden sein, so sind diese Maßnahmen sämtlich und unverzüglich abzubrechen. Ich dulde solcherlei Maßnahmen unter keinen Umständen, auch nicht kurzfristig.

Ich wünsche in jedem Fall eine bestmögliche palliative Unterstützung mit Linderung von Durst, Unruhe, Hunger und Schmerz. Insbesondere die Schmerzlinderung soll im Fokus stehen und sehr großzügig durch Opioide wie z.B. Morphin, Sufentanil oder ähnliche Präparate sichergestellt werden. Eine mögliche atemdepressive Wirkung nehme ich ausdrücklich billigend in Kauf.

Undeutliche Äußerungen meinerseits sind im Zweifel zu ignorieren.
Wenn möglich möchte ich in meiner häuslichen Umgebung sterben.

Gezeichnet. Dr. H.M. im Oktober 20**.

***********

Eine solche Patientenverfügung lässt keinen Spielraum offen. Ganz ohne Wachssiegel. Auf einer einzigen DIN-A4-Seite steht hier mehr als auf den meisten zehnseitigen Patientenverfügungen, die wir so reingereicht bekommen – und die meist ignoriert werden, weil sie so schwammig formuliert sind.

Über Sinn und Unsinn einer Therapie wird bei Patienten auf der Intensivstation oft erst dann nachgedacht, wenn alle Maßnahmen ausgeschöpft worden sind und die Patienten mit Beatmung, und am besten auch noch mit Dialyse, in die nächste Codierungs-Stufe gerutscht sind.

Dieser Patient war der einzige, bei dem selbst der leitende Oberarzt der Intensivstation keine Option sah, entgegen dem klar geäußerten Willen des Patienten die begonnene Intensivtherapie fortzuführen. Es ist der einzige Patient, den ich in fünf Jahren kennengelernt habe, der es geschafft hat, vor Durchführung aller Maßnahmen der Mühle Intensivstation zu entkommen und in Würde gehen zu dürfen.

Der Patient erhielt sehr großzügig Morphin, wurde extubiert und verstarb in der Nacht. Ursächlich war wahrscheinlich eine exazerbierte COPD, eine Lungenentzündung bei einer vorbestehenden Lungengerüsterkrankung. Das ist nichts Bösartiges und prinzipiell sogar gut behandelbar, aber eben nur mit Intensivtherapie, die dieser Patient klar und unmissverständlich für sich ausgeschlossen hatte.

Anhang

Darüber hinaus sollte man natürlich noch andere Vorkehrungen für das eigene Ableben treffen. Die großartige Patricia Cammarata, die unter dem Pseudonym „das Nuf“ einen sehr lesenswerten Blog betreibt, hat einen tollen Beitrag dazu geschrieben, den man hier [Werbung] findet. Ist zwar Werbung für eine Risikolebensversicherung, aber die sollte sowieso jeder haben. Anbieter gibt es ja genug. Ich denke, dann solltet ihr schon mal einen großen Schritt weiter sein.

Herrje, ein richtiger Serviceblog hier heute.

 

Bildquelle: Nahid V, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 05.07.2018.

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Danke für die klare Ansage bezüglich der Leichenfledderei und Geldschneiderei von Notaren. Leider bin ich als Laie mit dem Schreiben einer konkreten Patientenverfügung heillos überfordert. Da ist es schon besser sich an Vorgaben zu orientieren, wie denen des BMJV (auch wenn sie nicht sehr weit gehen) oder ich lasse mich qualifiziert beraten, wie beim Humanistischen Verband (auch telefonisch), der hilft weiter reichende Festlegungen zu treffen. Die erstellen mir dann auch die nötigen Dokumente nach meinen Angaben. Gänzlich unglaubwürdig wird diese Geschichte, wo es heißt, damit sei es dem Patienten als einzigem gelungen "vor Durchführung aller Maßnahmen der Mühle Intensivstation zu entkommen". Wie kann das sein, nachdem er selber den Rettungsdienst gerufen und so Lebenswillen signalisiert hatte, und sich die Patientenverfügung erst anschließend "in seinen Unterlagen" anfand. Oder ging es hier eigentlich nur darum Werbung für die Risikolebensversicherung zu machen?
#21 am 15.04.2018 von Frank Spade (Nichtmedizinische Berufe)
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Die Beispiel-PV ist etwas kurios. Wie kann ich als Arzt auf die Idee kommen, ich würde "versehentlich lebensverlängernde Maßnahmen" bekommen. Wenn ich einen Unfall habe und dies indiziert ist, werde ich sie erstmal bekommen, weil sich in einer Notsituation niemand für meine PV interessiert, zumal sie dann i.d.R. gar nicht vorliegt. Meine PV kann dann später die Einstellung dieser Maßnahmen verlangen. Dazu muss ich aber auch einen couragierten Bevollmächtigten an meiner Seite haben. Der Gipfel ist dann diese Aussage: "Undeutliche Äußerungen meinerseits sind im Zweifel zu ignorieren." Daraus zu Schlussfolgern, dass "eine solche PV keinen Spielraum offenlässt" ist dann schon grotesk. Der Grund, warum diese PV zur Einstellung lebenserhaltenden Maßnahmen führte, dürfte wohl eher dem Umstand geschuldet sein, dass der Patient selber Arzt und zwar aus "einer Klinik in der Nähe", also möglicherweise persönlich bekannt war. Das führt natürlich zu einer höheren Identifikation mit dem Leidenden.
#20 am 15.04.2018 von Frank Spade (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Meine Mutter ist nun, seit ihrem Hirnbluten vor fast 4 Jahren im Wachkoma. Leider haben wie nur Vorsorgevollmacht und keine Patientenverfügung. Deshalb müssen wir solchen Unsinn ertragen, wie dass meiner Mutter gegen unseren Willen ein entwässerndes Medikament gegeben wird, aber entwässernde Tees wie Brennnessel und Goldrute verboten sind. Angehöriger einer Patientin
#19 am 12.04.2018 von Gast (Mitarbeiter Industrie)
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Gast
Den beitrag finde ich an sich gut, aber ich widerspreche, was die Patiuentenverfügung angeht. Es gibt mittlerweile eine überarbetete Version, in der sich der Passus mit den zwei Ärzten nicht mehr findet, und man detailliert und unmissverständlich ankreuzen kann, was man im im unmittelbaren Sterbeprozess oder im Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit an medizinischer Behnadlung möchte und was zu unterlassen ist. Die Patientenverfügung ist besonders sinnvoll, wenn es wie z.B. bei meinem Vater zu einer Demenz kommt. Nur mit dieser Paientenverfügung und mehreren Gesprächen mit der Stationsleitung ist es uns gelungen, dem Wunsch meines Vaters folgend auf jegliche lebensverlängernde unsinnige MAssnahmen wie PEG und subkutane Flüssigkeitszufuhr bzw Infusionen zu verzichten. Ohne Verfügung wäre all das plus Antibiose bei Infektionen und KH-Einweisung bei Notfall gemacht worden.
#18 am 11.04.2018 von Gast (Ärztin)
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Gast
Drum entscheidet meine Frau per Generalvollmacht und nicht eine starre PV.
#17 am 09.04.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Mein Vater erlitt mit 51 Jahren ein massives Polytrauma bei einem schweren Autounfall. Mehrere Wochen Intensivstation, beatmet, künstlich ernährt, volles Programm. Nach längerer Behandlung sind keine dauerhaften Beeinträchtigungen zurückgeblieben. Aber: Mit einer Patientenverfügung wie in diesem Artikel hätte er den Unfall nicht einen Tag überlebt! Dieses Jahr wird mein Vater 80 und hat bisher noch 30 gute Jahre bei voller Lebensqualität erlebt. Man sollte also schon ein bisschen differenzieren, was die Ursachen für die Intensivmedizinische Behandlung sind.
#16 am 09.04.2018 von Gast (Medizininformatiker)
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Gast
@ #7 Sie schrieben "Notare solle man meiden, sie kosten viel Geld" Das stimmt doch gar nicht. Es kostet bei mir 100€. Trotz Vermögen und Immobilie. Außerdem muss ein Notar bei den Vollmachten hinzugezogen werden, wenn Grundbesitz im Spiel ist.
#15 am 09.04.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Ich habe meiner Frau eine notarielle Generalvollmacht erteilt. Die beinhaltet ausdrücklich auch alle med. Maßnahmen ggf. unter Hinnahme des Todes durch großzügige Dosierung. Die Patientenverfügung ist dann nicht mehr wirklich wichtig, denn meine Frau kennt meine Wünsche en Detail.
#14 am 09.04.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Man sollte nicht den Fehler begehen seine eigenen Vorstellungen darüber ob ein Leben lebenswert ist auf den Patienten zu übertragen. Gerade hier sind Pflege und Ärzte gefragt den tatsächlichen Willen des Patienten zu ermitteln. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht das die Vorstellung von einem lebenswerten Leben eine sehr grosse Bandbreite hat und viele Patienten kennen gelernt die glücklich waren überlebt zu haben dank der Intensivmedizin.
#13 am 08.04.2018 von Gast (Arzt)
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Gast
Die Intensivmedizin ist mit vielen Emotionen belegt. Von Patienten ebenso wie von Mitarbeitern. Einige Punkte des Artikels finde ich nicht richtig und würdelos. Wenn der Autor als Arzt auf einer Intensivstation nur einen Fall in seiner Laufbahn gesehen hat der in Würde die Intensivstation verlassen hat (Und dies nur auf Grund seiner klaren Patientenverfügung) bestürzt mich das sehr. Wir als Ärzte und Pflege auf der Intensivstation sind dafür verantwortlich die Würde des Patienten zu wahren. Wenn dies dem Autor in seiner Laufbahn nie gelungen ist, tut mir das sehr leid.Intensivmedizin ist nicht so simpel wie es sich der Laie im allgemeinen vorstellt. Als ob das Personal bei der Mehrzahl der Patienten die auf eine Intensivstation kommt absehen kann wie das Outcome ist. Dies ist nur bei einem Bruchteil der Patienten möglich.
#12 am 08.04.2018 von Gast (Arzt)
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Die Ablehnung sämtlicher Intensivmedizin halte ich -- zumindest als junger, gesunder Mensch -- für gewagt. Ich denke hier an den Fall einer 40 jährigen Patientin, 3 kleinen Kindern, keine bekannte Grunderkrankungen, die unter laufender Rea auf unsere ITS kam. Letztendlich verstarb sie (V.a. SCD). Aber: Hätten wir hier nicht alles tun sollen? Oder: Was, wenn ich bei dieser Pat'in eine solche Verfügung gefunden hätte? Auch wenn ich dann nach ihrem Willen gehandelt hätte, wie hätte ich das, auf Basis meines Fachwissens, rechtfertigen können? Vor mir selbst? Vor ihren Kindern? Unweigerlich die Frage: Wollte die Patientin tatsächlich *das*? Konnte sie abschätzen, worauf sie sich mit einer solchen Verfügung einlässt? Als ehemaliger OA, klar. Aber als Nicht-mediziner? Ist Schwammigkeit nicht wünschenswert? Vorausgesetzt, ein guter Arzt (hier viel Respekt vor unserem OA, der die REA schließlich abbrach) weiß sie zu deuten? Was verlangen wir, wenn wir solche Absolut-Verfügungen fordern?
#11 am 08.04.2018 von Andreas Schmidt (Gesundheits- und Krankenpfleger)
  3
Der Kollege hat sicherlich gewußt, daß er mit dieser Formulierung auch die erfolgreiche Behandung gutartiger Erkrankungen ausschließt. Ich vermute, er wollte damit sicher gehen, daß keine Abwägungen getroffen werden, die Sinn und Zweck der Verfügung unterlaufen könnten, und daß er es bewußt in Kauf genommen hat, dadurch möglicherweise ein paar seiner letzten Jahre zu verlieren.
#10 am 08.04.2018 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Ich sehe es ähnlich wie Herr von Haselberg. Ceterum censeo: Die Patientenverfügung ist höchstens eine Momentaufnahme von Willen, Emotionen Stand der Wissenschaft und Technik und auf eine zukünftige Situation bezogen, die man einschätzen zu können glaubt. In meinen Augen ist es wesentlich wichtiger, einen oder mehrere Menschen des Vertrauens auszuwählen und mit diesen den Dialog über sein Lebensende zu treten. Diese Menschen werden dann, mit entsprechender Vollmacht ausgestattet und dann kann man sich in sicheren Händen fühlen. Ähnlich wie Herr von Haselberg gibt es doch etliche Menschen, die nach einer intensivmedizinischen Therapie, auch und sogar trotz erheblicher Einschränkungen und Defizite, ihr Leben als sehr lebenswert und eine vorherige Ablehnung jedweder lebenserhaltender Massnahmen als nicht i ihrem Sinne bewerten. Gab es hier sogar mal einen Beitrag zu dieser Thematik?!
#9 am 08.04.2018 von Franz Josef (Chemiker)
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Arzthelferin
In meinen Augen, ist es schon ein Armutszeugnis der Ärzteschaft, dass man überhaupt so etwas wie eine Patientenverfügung benötigt. Es heißt nunmal auch Humanmedizin, kein unnötiges Leiden der Menschen, um womöglich noch ordentlich Profit zu machen
#8 am 08.04.2018 von Arzthelferin (Arzt)
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Eine Patientenverfügung samt Vollmachten zu erstellen ist inzwischen auch für einen weniger Sachkundigen relativ leicht geworden. Notare bzw. Anwälte sollte man tunlichst meiden - das kostet viel Geld, ist nicht notwendig und inhaltlich sind die Verfügungstexte meist völlig überaltert - sorry. Ein verständiger Hausarzt hilft meist gerne weiter ebenso interessenunabhängige Institutionen (d.h. aber auch z.B. kirchliche o.ä. Beratung meiden; die halten es immer noch zu sehr mit dem Paternalismus, göttlicher Fügung und Hoffnung). Vorschläge für zuverlässig "funktionierende" Verfügungen: - C.H. Beck Verlag: "Vorsorge für Unfall, Krankheit, Alter" - Text vom bayr. Staatsministerium für Justiz. Aktuell mit klaren Erläuterungen - DGHS e.V., Berlin: Bei Mitgliedschaft aktueller Formularsatz mit klaren Erläuterungen, kostenlose individuelle Beratung, im Notfall elektr. abrufbar bzw. bei Nichtbeachtung "Rechtsschutz".
#7 am 06.04.2018 von Gerhart Gross (Nichtmedizinische Berufe)
  2
Das sehe ich auch kritisch. Mir hat man bei einer Ablation eine hämodynamisch bedeutsame Perikardtamponade gesetzt, die ich ohne Intensivmedizin nicht überlebt hätte. Ich bin froh, dass man alles daran gesetzt hat, mich zu retten und freue mich mittlerweile wieder bester Gesundheit bei 71 Jahren.
#6 am 06.04.2018 von Lorenz von Haselberg (Arzt)
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Jegliche intensivmedizinische Maßnahmen abzulehnen, finde ich aber auch etwas riskant. Ich möchte z.B. schon intensivmedizinisch behandelt werden, wenn ich z.B. einen Autounfall hatte, wo doch die Möglichkeit besteht, dass ich wieder gesund werden kann. In den üblichen Patientenverfügungen gibt es noch andere Szenarien außer dem unabwendaren Sterbeprozess, z.B. das Endstadium einer unheilbaren tödlichen Erkrankung, eine irreversible Gehirnschädigung (natürlich genauer definiert) oder eine fortgeschrittene Demenz.
#5 am 06.04.2018 von Anja Kömpel (Tierärztin)
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Da ich im Weaning auch auf einer Intensivstation tätig bin und somit auch tgl. mit diesem Thema zu tun habe, kann ich den Blog nur unterstützen. Eine Patientenverfügung ist keine leichte Sache und man muss sich tatsächlich Zeit nehmen und sich erkundigen, um etwas vernünftiges hinein zu schreiben. Als kleine Entwarnung für die Menschen, die nur die juristischen Vorlagen verwenden: Natrürlich treffen die Aussagen bzgl. der Erkrankungen und ZUstände für den Abbruch von medizinischen Maßnahmen häufig bzw. fast immer nicht die aktuelle Situation, aber man kann anhand der Aussagen in Verbindung mit der Familie oder den engsten Vertrauten einen mutmaßlichen Willen versuchen zu ermitteln und dann als verantwortungsbewußter Mediziner trotzdem Therapien beenden. Das dauert vielleicht länger als im oben beschriebenen Fall eines oberärztlichen Kollegen, ist aber immer noch eine sinnvolle und mögliche Option um Leiden nicht zu verlängern und würdiges Sterben zu ermöglichen.
#4 am 06.04.2018 von Stephan Böckling (Arzt)
  1
Gast
Ein Arzt hat sicher gute Möglichkeiten, seinen Willen handschriftlich auszudrücken. Aber woran soll sich denn nun der Normalbürger orientieren?
#3 am 06.04.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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Ich frage mich, ob die als vorbildlich angeführte, handschriftliche, Patientenverfügung den gleichen Erfolg gehabt hätte, wenn sie nicht von einem ausgewiesenen Kollegen verfasst worden wäre, sondern von „Lieschen (Karlchen) Müller“. Meiner Erfahrung nach, wäre die Verfügung dann ignoriert worden.
#2 am 06.04.2018 von Claus Ruckes (Nichtmedizinische Berufe)
  11
Danke für diesen ausführlichen und wichtigen Beitrag!
#1 am 06.04.2018 von Ulrich Sallen (Arzt)
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