Gewichtsverlust, 1 Kilo!!

31.03.2018

Und da war ich der Dienstarzt, was einem ab und zu eben so passiert als Arzt. Gerade bereitete ich Blutkonserven für einen Patienten vor, als eine missmutige Krankenschwester anrief: „Ja, ein Patient hat ein Kilo abgenommen.“ Hier sagte ich länger nichts und die Krankenschwester auch nicht.

 „Öh“, sagte ich dann nach einer Weile, „und jetzt, äh, das sollte der Patient nicht? Also warum ist er denn hier?“

Die Schwester machte ein genervtes Geräusch und schien nun von einer Akte abzulesen: „Wegen eines Harnwegsinfektes und Exikkose.“

„Öh, okay. Ich bin da noch etwas verwirrt. Warum wiegt ihr denn den Patienten?“

„Das weiß ich doch nicht!“, rief die Schwester empört.

Eigentlich wollte ich endlich die Blutkonserven anhängen, aber das alles schien sich zu einem größeren Problem zu entwickeln.

„Ja“, sagte ich also, „normalerweise lassen wir die Patienten nur wiegen, wenn sie zum Beispiel durch eine Herzinsuffizienz Wasser eingelagert haben und eine entwässernde Therapie erhalten. Dann wäre ein Kilo Wasserverlust an einem Tag etwas viel. Aber Sie sagen, der Patient sei ausgetrocknet gekommen?!“

„Man hat mir gesagt, die internistischen Ärzte wollen angerufen werden, wenn die Patienten so schnell Gewicht verlieren!“, schrie die Schwester aufgeregt ins Telefon.

Ich erklärte resigniert, ich würde nachher vorbeikommen und mich des Problems annehmen.

Auf Station stellte ich fest, dass der Patient an irgendeiner Stelle zu viel Infusion bekommen hatte und aufgrund oben genanntem Herzinsuffizienz-Problem nun entwässernd behandelt wurde. Ich passte also die Dosis der Medikamente an und lobte die Schwester für den Anruf, woraufhin diese erneut rief: „Woher sollte ich denn wissen, was der Patient hat?!“

Ich versuchte dann irgendwie freundlich anzubringen, dass es doch auch die schwesterliche Schichtübergabe gäbe und dann floh ich unter dem Todesblick der wütenden Pflegekraft aus dem Zimmer. Wie es aussah ging sie davon aus, dass der Superdienstarzt die Probleme aller im Klinikum anwesenden Patienten einfach auswendig im Kopf habe.

m_1522767848.jpg

Zum Blog.

 

Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.04.2018.

70 Wertungen (4.44 ø)
16253 Aufrufe
Medizin, Innere Medizin
Um zu kommentieren, musst du dich einloggen. Einloggen
Kranke Schwester
@ Redaktion: Wieso werden eigentlich keine Absätze übertragen? Das macht die Kommentare ziemlich unleserlich.
#20 am 03.06.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
  0
Kranke Schwester
Dann muss man halt in der Übergabe bei den wichtigen Fakten bleiben und sich das Gemotze über "unmögliche" Verhaltensweisen des Pat. bzw. dessen Angehörigen sparen. Dann reicht auch 1 min. pro Patient. Hand auf's Herz: Wie oft geht es in der Übergabe nicht ausschließlich um die wichtigen Infos sondern viel um Nebenschauplätze wie z. B. nörgelnde Angehörige oder sonst irgendwas, was irrelevant ist für die Übergabe. Mich persönlich nervt das. Da werden wichtige Infos unterschlagen und dafür ausführlichst über "anstrengende" (weil: besorgte) Angehörige gemotzt.
#19 am 03.06.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
  0
Tja "Kranke Schwester", da ich Sie anders nicht kontaktieren kann auf diesem Wege: Ich finde es wirklich wünschenswert, möglichst viel über den Patienten und über den medizinischen Behandlungsweg zu wissen. Leider ist es aber in unseren Strukturen, wie erwähnt, nicht integriert, dass Pflegepersonen Infos über die Anordnungen der Ärzte erhalten, und die Zeit für die Übergabe ist bei im Durchschnitt 1 Minute pro Patient (auf einer Normalstation) doch sehr knapp. Zusammenreimen, warum Anordnungen getroffen werden, ist eine Sache, Wissen eine andere. Glauben Sie mir, ich würde mir wirklich wünschen, dass ich mehr Zeit hätte, die ärztlichen Anordnungen auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen, Fakt ist aber, dass man heutzutage als Pflegekraft oft froh ist, wenn kein Patient im Dienst Schaden genommen hat. Vielleicht sieht Ihre Arbeitssituation anders aus, dann sind Sie zu beneiden. Ich hoffe in einigen Jahren sieht die Situation der Pflege in Deutschland endlich anders aus.
#18 am 07.04.2018 (editiert) von Regine Fast (Gesundheits- und Krankenpfleger)
  5
Kranke Schwester
Ist vielleicht ein bisschen OffTopic: Aber einerseits jammern wir (GuK), dass wir von den Ärzten und der Gesellschaft ofz nur bedingt anerkannt und respektiert werden und auf der anderen Seite machen wir uns dann nur zu "Befehlsausführern" der vom Arzt angeordneten Maßnahmen ohne selbst mal das Hirn einzuschalten? Kann ja wohl nicht wahr sein! Wenn wir ernst genommen und anderkannt werden wollen, sollten wir vielleicht auch zeigen, dass wir mehr können, als nur stumpf ärztliche Anweisungen auszuführen. DAS wäre mal ein Schritt in Richtung "Professionalisierung der Pflege!"
#17 am 07.04.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
  1
Kranke Schwester
@ Regine Fast: Ich gebe Ihnen nur zum Teil Recht. Denn auch eine GuK darf gerne mehr als das "nötigste" wissen und sich weiterbilden. Richtig, ich muss als Guk nicht alle Verordnungen der Ärzte verstehen - aber bei sowas alltäglichem wie "Gewichtsverlauf beobachten" sollte man schon wissen, was der Grund dafür ist. Und als GuK sehe ich es als meine verdammte Pflicht (sorry) an, zu wissen, warum der Patient überhaupt da ist! Natürlich muss ich nicht alle 30 Nebendiagnosen auswendig wissen, aber GAR keine Ahnung zu haben, ist wirklich schwach. Pflege und Medizin können auch in der Übergabe meiner Meinung nach nicht getrennt werden, denn meine pflegerischen Tätigkeiten ergeben sich aus den Diagnosen und dem AZ des Patienten. Tut mir Leid, aber wenn man seine Pflegetätigkeit nur als stumpfes Ausführen von (ärztlichen) Anordnungen begreift ohne selbst mal nachzudenken oder nachzufragen, ist meiner Ansicht nach dort ziemlich verkehrt, was macht man denn dann im Notfall, bis der Arzt da ist?
#16 am 07.04.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
  1
An alle, die es nicht wissen: 1. Ärzte schreiben Anordnungen auf ohne den Grund für diese zu nennen. 2. Ärzte stellen oft am Telefon viele Fragen und müssen dann doch auf Station kommen und sich doch die Unterlagen vornehmen. Viel Fragerei stiehlt die auch beim Pflegepersonal wenig vorhandene Zeit. 3. In der "schwesterlichen Übergabe" kann nur weitergegeben werden, was auch bei den "Schwestern" ankommt. Außerdem ist die Übergabezeit kurz; der Fokus liegt auf der Pflege, nicht auf der Medizin. Zur beschriebenen Situation: die Pflegeperson hat anscheinend die Info von den Stationsärzten bekommen, dass ein Gewichtsunterschied telefonisch an die Ärzte mitgeteilt werden soll. Dies hat sie getan. Sie steht nicht in der Verantwortung, die Ursache für den Gewichtsverlust zu erforschen. Die Kommunikationsstörung liegt offensichtlich bei den Ärzten, da dem diensthabenden nichts weitergegeben wurde.
#15 am 07.04.2018 von Regine Fast (Gesundheits- und Krankenpfleger)
  13
Kommunikation ist alles. Ich hatte im Dienst mal einen Anruf: Frau Krause kann nicht schlafen. Bitte Bedarfsmedikation prüfen. Sagte, ich käme später, da vorher akutes Problem. Später Anruf: Frau Krause ist eingeschlafen. Super! Muss ich ja nichts anordnen. Dann stellte sich heraus, dass ich einen Leichenschauschein für Frau Krause ausstellen musste, mit deren Ableben stündlich gerechnet wurde, was mir nur keiner vorher gesagt hatte. Das Bestattungsunternehmen sei schon auf Station. Wo ich denn bliebe!? Tjaa ... es gab zwei Frau Krause auf derselben Station. Dumm gelaufen ...
#14 am 06.04.2018 von Sylvia Robinson (Ärztin)
  0
Ein Ersti mischt sich ein
@Kranke Schwester, da habe ich wirklich was durcheinandergebracht, mein Fehler :P Nunja, man kann meine Aussagen trotzdem noch in Bezug auf #1 verwerten. Die Erwähnung Ihres Beitrages habe ich entfernt.
#13 am 05.04.2018 (editiert) von Ein Ersti mischt sich ein (Gast)
  0
DAS soll eine Krankenachwester gewesen sein? Sicher? Ich kenne PflegehelferInnen, die fähig sind, einen adäquaten Anruf zu tätigen. Fachpflegekräfte können das auch. Eine sehr sehr merkwürdige Begebenheit, ich glaube, da wäre ich gern dabei gewesen. ;-)
#12 am 05.04.2018 (editiert) von Krankenschwester Hildur Bohland (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
  0
Inzwischen geht es auch hier(!!) zu wie auf facebook, schade :'-( Liebe Kollegen und Mitschreiber, bitte erste denken, dann schreiben! Rumpampen ist keine Lösung. Da es hier keine Zugangsrestriktionen gibt kann sich hier jeder anmelden und mitlesen. Und was man manchmal hier zu lesen bekommt dient nicht der Vertrauensbildung der Bevölkerung gegenüber den Gesundheitsberufen.
#11 am 05.04.2018 von Oliver Ritzmann (Rettungssanitäter)
  0
Kranke Schwester
Lieber Ersti, ich befürchte, Sie haben meinen Kommentar nicht verstanden. Da ich als GuK geschrieben habe (und auch bin) meine ich mit "Kollegin" die Schwester aus dem Artikel. Ich kritisierte NUR das Verhalten der Schwester, die a) den Aufnahmegrund des Pat. nicht weiß, b) den Grund der vom Arzt angeordneten Maßnahmen nicht kennt und c) auch noch patzig wird. Edit: Habe in meinem 1. Beitrag das "Kollegin" nochmal korrigiert. Angesichts meiner angezeigten Berufsbezeichnung ging ich fälschlicherweise davon aus, dass klar war, wen ich mit "Kollegin" meine.
#10 am 05.04.2018 (editiert) von Kranke Schwester (Gast)
  2
Ein Ersti mischt sich ein
(Fortsetzung von #8, bitte erst dort lesen) Nun möchte ich niemanden verurteilen. Vielleicht hat die besagte Schwester sich schon überall durchtelefoniert, vielleicht wurde sie von anderen Ärzten blöd angefahren oder hat sonst einen (guten?) Grund, patzig zu sein. Ich weiß es nicht. Das hier beschriebene Verhalten der Frau Zorg ist aber kein Armutszeugnis, ist nicht beleidigend und ich kann ehrlich gesagt auch den/die Kommunikationsfehler (->#1) nicht bei ihr finden.
#9 am 05.04.2018 von Ein Ersti mischt sich ein (Student der Humanmedizin)
  2
Ein Ersti mischt sich ein
#1 Eine (Zitat:) "vorschrifts-" und fachgemäße Meldung an den Arzt würde bspw. lauten: "Wir haben hier einen Patienten, der wegen [Erkrankung] zu uns gekommen ist und seit [Behandlungsdauer] [Behandlung] wird. Dieser hat über [Zeitraum] [Masse] abgenommen." Frau Zorgcorporations hat die gute Schwester nicht abgetan, sondern das, was besagte Schwester von sich aus hätte liefern sollen, erfragt. Ohne den klinischen Zusammenhang ist die Information eines KGW-Verlustes schlichtweg wertlos. Damit wäre die Frage nach dem Grund der KGW-Kontrolle entfallen. Ebensowenig muss man ins Telefon brüllen. Zugegebenermaßen, als Stud. Med. habe ich mit mein paar Wochen Pflegepraktikum nicht die riesige Klinikerfahrung und möchte, aber sowas kriegt man sogar in einer Woche auf Station hin. (Fortsetzung in einem weiteren Kommentar)
#8 am 05.04.2018 (editiert) von Ein Ersti mischt sich ein (Gast)
  1
Gehen wir davon aus, dass es sich bei der Schwester nicht um eine Berufsanfängerin handelt. Das Problem ist doch Phänomen unserer Strukturen: Wir müssen immer mehr Vorschriften und Abläufe einhalten, die eingeführt werden, ohne auch deren Sinn zu vermitteln. Hier wurde die Regel aufgestellt, ab so viel Gewichtsverlust Arzt verständigen. Wird gemacht. Wir haben immer mehr Technik, mit der es zu einfach ist, jemanden anzurufen, statt selbst zu überlegen, was zu tun ist. Wir haben oft eine mangelhafte Fehlerkultur. Die Schwester hat vermutlich so oft Sätze hören müssen die beginnen mit „Warum haben Sie nicht…“, dass sie jetzt eben stur die Anweisungen befolgt. Und jetzt kommt auch noch Frau Dr. Zorg und erwartet eigenständiges Denken!
#7 am 05.04.2018 von Christopher Dedner (Arzt)
  4
ad Kommentar 2: sehr gut! Dachte schon, ich hätte es als alter Lateiner 25 Jahre lang falsch geschrieben! ad K. 3: sehr gut! Inkompetente Mitarbeiter sind oft die penetrantesten- Sie bestimmt nicht..ad K. 5: lieber Herr Kollege Sallen, es geht in diesem Beitrag natürlich einerseits um Abläufe in der Klinik, aber insbesondere um zwischenmenschliche Kommunikation, da dürfen sich meiner Einschätzung nach auch (akademisch oder nicht-akademisch gebildete) Mneschen zu äußern, die nicht durch die (Knochenmühle [Uni-]) Klinik gegangen sind, wie z. B. ich seinerzeit als Assistenz- und Oberarzt.
#6 am 04.04.2018 von Dr. med. Bernd Hegemann (Arzt)
  7
Warum meinen eigentlich Leser, die null Ahnung von Vorgängen in Krankenhäusern haben, z.B. Diplom-Ingenieure oder Veterinärmediziner, überall ihren Senf dazu geben zu müssen?
#5 am 04.04.2018 von Ulrich Sallen (Arzt)
  38
@Frau Diederichs: Sie können kein "s" kaufen, Sie können nur Vokale kaufen! Konsonanten müssen Sie raten! Omannomannomann, wo ist die Allgemeinbildung nur hin...
#4 am 04.04.2018 von Barbara Hempel (Tierärztin)
  13
Kranke Schwester
Ich hoffe, der Artikel ist überspitzt geschrieben - ansonsten wäre es ein doppeltes Armutszeugnis für die Krankenschwester-Kollegin: nicht nur keine Ahnung von dem Patienten und dem Grund für die angeordneten Maßnahmen zu haben, sondern auch noch patzig zu werden.
#3 am 04.04.2018 (editiert) von Kranke Schwester (Gast)
  24
Ich kaufe ein "S" und möchte auflösen: Exsikkose (lat. ex „aus“ und siccus „trocken“;)
#2 am 04.04.2018 von Annika Diederichs (Tierärztin)
  27
Ja, eigentlich hat doch die gar erschröckliche Pflege-Kraft alles "vorschrifts"-mäßig gemacht, oder? Die gute Frau Dr. Zorg scheint diesmal bißchen schlecht drauf gewesen zu sein, das gibt uns zur Sorge Anlaß und soll sich keinesfalls wiederholen!
#1 am 04.04.2018 von Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann (Nichtmedizinische Berufe)
  56
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Nach zwei Wochen ging es endlich bergauf und nach einer weiteren Woche sagte ich erfreut: „So, Herrn Moomzl, die mehr...
Herr Mimpfzl hatte seine Frau dabei: Frau Mimpfzl, die auch den Großteil des Redens übernahm. Ihr Mann hätte seit mehr...
Herr Binzel war hiervon etwas verwirrt und als man ihm den wichtigsten Zettel von allen, den mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2018 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: