Schmerz aus der Vergangenheit

21.03.2018

Mit starken Bauchschmerzen stellt sich eine Frau in der Notaufnahme vor. Das Abdomen zeigt eine deutliche Abwehrspannung, doch erklären können sich die Ärzte die Schmerzen zunächst nicht. Die Suche nach der Ursache schickt die Ärzte weit zurück in die Vergangenheit der Patientin.

Aufgrund starker kolikartiger Bauchschmerzen stellt sich eine 30-jährige Frau in der Notaufnahme vor. Mit einer Herzfrequenz von 105 Schlägen pro Minute ist die Patientin tachykard, die restlichen Vitalparameter sind unauffällig. Das Abdomen zeigt eine deutliche Abwehrspannung, doch Ultraschalluntersuchung und Laborwerte geben keinen Aufschluss über eine mögliche Ursache. Leber, Gallenblase und Gallengänge wirken unauffällig, die Entzündungsparameter, Nieren- und Leberwerte befinden sich im Normbereich.

Erst im CT ist der Übeltäter deutlich sichtbar. An der Mesenterialwurzel des Dünndarms ist ein 7 cm großer, länglicher Fremdkörper sichtbar. Die Schmerzen der Frau rühren von einer Verdrehung des Darmabschnitts (Volvulus), die vermutlich durch den Eindringling verursacht wurde. Unklar bleibt zunächst, um was für einen Gegenstand es sich handelt.

Fisch oder Fleisch – oder OP-Besteck?

Nicht selten werden Fischgräten verschluckt, doch die Dichte lässt eher auf einen metallischen Draht schließen. Denkbar wäre ein vom Operateur vergessenes Objekt im Bauchraum, die Patientin hat allerdings keine Vorerkrankungen und ist noch nie operiert worden.

Im laparotomischen Eingriff zeigt sich den Ärzten des Rätsels Lösung: Im Bauchraum finden sie den Draht einer Zahnspange. Der hatte den Dünndarm an zwei Stellen durchbohrt und so eine Achse für die Verdrehung geschaffen. Die Ärzte können die Verwachsungen lösen und den Draht entfernen, ohne dass eine Resektion des Dünndarmabschnitts nötig wird.

Nach der OP bestätigt die Patientin, bis vor zehn Jahren in kieferorthopädischer Behandlung gewesen zu sein. Daran, einen Draht verschluckt oder verloren zu haben, erinnere sie sich nicht – sonst hätte sie dies in der Anamnese erwähnt. Bereits kurze Zeit später kann sie beschwerdefrei aus dem Krankenhaus entlassen werden.

 

Quelle:

Orthodontic braces come back to bite: a novel presentation of a small bowel volvulus; Talia Shepherd et al., BMJ Case Reports, doi: 10.1136/bcr-2017-221152
 

Artikel von Maren Böcker

 

Bildquelle: Capt. David J. Murphy / U.S. Air Force photo

Artikel letztmalig aktualisiert am 29.03.2018.

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Eine 25 jährige Mutter klagte über Schmerzen und Druck im unteren Halsbereich, nach Angaben der Patientin, konnte sie ihre Zahnteilprothese nicht wiederfinden. Ihr internistischer Hausarzt ließ in seiner Praxis ein Rö/Thorax anfertigen. Deutlich waren die Metallteile in der Speiseröhre zu erkennen. Die Patientin habe zu keiner Zeit bemerkt den Zahnersatz im Schlaf verschluckt zu haben. Die Prothetik konnte ohne Operation wieder entfernt werden. Als mir diese Bekannte vor etwa 30 Jahren ihr Ereignis erzählte, konnte ich es fast nicht glauben, doch scheinbar ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass es nicht auch heute noch vorkommt.
#1 am 27.03.2018 von Heidrun Fieber (Heilpraktikerin)
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