Arbeitsteilung: "Machen Sie bitte alles, danke!"

11.03.2018

Der Sonntagsdienstoberarzt hatte keinen Bock. Missmutig hatte er alle Privatpatienten visitiert und sich nun in die Untiefen des Klinikums Beteigeuze zurückgezogen, vermutlich um weiteren sonntäglichen Oberarzttätigkeiten nachzugehen. Hier rief die Privatstation bei mir an. Denn an diesem Sonntag war auch ich da. Dumm gelaufen. „Der Frau Zingbosch geht es schlecht!“

„Ah“, sagte ich, „aber war nicht vor wenigen Minuten der Oberarzt zur Visite da und hat sich auch Frau Zingboschs Problemen angenommen?“

„Doch, schon. Er hat die Dosis von ‚beliebtem kardiologischem Medikament‘ erhöht. Aber das hilft nicht. Du musst JETZT kommen.“

Weil die Privatstationsschwester nun sehr aufgeregt war, ging ich also weg aus der übervollen Notaufnahme, um den oberärztlichen Plan und die Patientin zu begutachten.

Frau Zingbosch war todkrank. Ein Tumor hatte sich großzügig in Lungen, Knochen und Bauchraum verteilt. Zugegeben, die kardiale Medikation entsprach nun den aktuellen Leitlinien, aber gegen Schmerzen und Luftnot half das jetzt auch nicht so richtig. Ich ergänzte die Oberarzttherapie um viel Schmerzmittel mit sedierender Wirkung, sodass Frau Zingbosch zumindest nicht unter Schrecken und Schmerzen versterben musste, dann wanderte ich grummelnd in die Notaufnahme zurück, in der Hoffnung meinem Oberarzt nicht mehr hinterherräumen zu müssen.

Kurz darauf tauchte genannter Oberarzt wieder auf, mäkelte etwas an meiner palliativen Therapieänderung herum, fand aber auch keine bessere Lösung.
In diesem Augenblick eilte nun auch der unfallchirurgische Oberarzt herbei. Er bräuchte einen Bauchultraschall für einen seiner unfallchirurgischen Patienten. Ob wir internistischen Ärzte das heute vielleicht noch erledigen könnten?

„Aber selbstverständlich“, sagte mein Oberarzt und wandte sich um, um zu gehen. „Das macht die Frau Zorgcooperations nachher.“

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.03.2018.

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@ Frau Scherer: Das mag nicht die Regel sein, es ist aber ihre Aufgabe und das aus gutem Grund. Ich persönlich finde es auch kein bißchen toll, wenn sie sagen, sie könnten es nicht, denn wenn sie es wirklich nicht können, wäre das ziemlich bedenklich und wenn sie nur behaupten, es nicht zu können, um die Arbeit auf andere abzuwälzen, wäre das eine Sauerei. Mein Eindruck in solchen Fällrn war meistens, sie haben keine Lust, das ordentlich zu lernen und benutzen ihre eigene Inkompetenz dann als Druckmittel gegenüber Kollegen. Ich habe allerdings auch Chirurgen erlebt, die sich dafür nicht zu Schade waren und bereitwillig selber geschallt haben. Meistens waren diejenigen auch in sonstiger Hinsicht die besseren Ärzte.
#9 am 15.03.2018 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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ups --tippen ist nicht meine Stärke, ich hoffe, man kann es lesen ;-)
#8 am 15.03.2018 von Susanne Scherer (Arzt)
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es erstunt mich immer wieder, die Beiträge Herrn Hoffmanns zu Temen zu lesen, von denen er berufsbedingt ganz offensichtlich keine Ahneung hat... Wenn auch erfrischend überzeichnet, treffen die Beobachtungen aus der Klinik in Betegeuze doch immer wieder den Kern der Belastungen in der Assistentenzeit. und: ad #3 es ist nicht die Regel, daß Chirurgen schallen - und es ist toll wenn sie zugeben, es nicht zu können.
#7 am 15.03.2018 von Susanne Scherer (Arzt)
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Oberärzte sind so eine Sache ... in der Klinik habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass bei Nachfragen beim Hintergrund-Oberarzt die Antwort kam: "Sie entscheiden das schon richtig, ich vertraue Ihnen da", das klingt erstmal gut, ist aber eigentlich Bequemlichkeit. Zum Glück ging alles gut, und ich habe viel gelernt. Learning by Doing, sozusagen.
#6 am 14.03.2018 von Sylvia Robinson (Ärztin)
  1
Was man immer wieder hört: "Ja das ist hier so!" "Das machen wir schon immer so!" "Da muss jeder Schüler / Praktikant / Assistent / ... durch!" Jaja, solche Sprüche halten sich, tiefstes Mittelalter der Didaktik, stets im krassen Widerspruch zum aktuellen Stand der Wissenschaft und der Technik - weil es wohl bequemer ist zu delegieren anstatt mal eben selbst Hand anzulegen. Merke: Ein guter Teamleader sitzt nicht auf dem Kutschbock und schwingt die Peitsche - er spannt sich selbst in den Tross ein und zieht am Karren!
#5 am 14.03.2018 von Oliver Ritzmann (Rettungssanitäter)
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Mal wieder aus dem Leben gegriffen. Klasse!
#4 am 14.03.2018 von Christopher Dedner (Arzt)
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Das ist jetzt nur geraten, aber ich vermute, Frau Dr. Zorg hat die Vorstellung, ihren Patienten besser helfen zu können, wenn sie ihre Ruhezeiten einhält, anstatt nonstop durchzuarbeiten. Außerdem könnte man sich fragen, warum die Unfallchirurgie notwendige Ulltraschalluntersuchungen bei ihren Patienten nicht selber durchführt. Immerhin schneiden die ihre Patienten ja auch selber auf und schippeln selber drin herum - da böte es sich an, zur besseren Übersicht auch selber zu schallen.
#3 am 14.03.2018 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Sehr geehrte Frau Dr. Zorg, ich verstehe diesmal Ihr Problem nicht. Es ist doch für den Lerneffekt gerade junger Assistenzärztinnen sehr positiv, wenn erfahrene Vorgesetzte jederzeit klare Anweisungen geben und die Abläufe im Hospital perfekt eintakten...
#2 am 14.03.2018 von Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Erst mal vielen Dank der Redaktion für die neue Kommentarfunktion - hoffenwir mal, daß die Diskussionen einenhauch gesitteter zugehen werden, als früher. @ Frau Zorgcorporations: Deine Zeichnungen sind einfach die besten! Gibt es die irgendwann auch als Buch?
#1 am 11.03.2018 von Gast (Arzt)
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