Milch: Das umstrittenste Grundnahrungsmittel?

07.03.2018

 

Laut dem Milch Industrie Verband (MIV) produzieren in Deutschland rund 4,2 Millionen Kühe stolze 32,7 Millionen Tonnen Milch pro Jahr. Diese Menge soll den jährlichen Verzehr des Bundesbürgers von 52,3 Kilogramm Konsummilch stillen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Konsum um mehr als ein Kilogramm zurückgegangen.

Trotz ihrer Beliebtheit herrscht seit geraumer Zeit ein Kampf gegen die weiße Flüssigkeit. Für den Professor für Ernährungswissenschaft von der Universität Osnabrück, Dr. Bodo Melnik, ist Milch nicht einmal ein Produkt. Es handle sich um eine hochkomplexe Signalsubstanz, die ausschließlich der Versorgung Neugeborener diene.

Als Milch Mainstream wurde

Jedes weibliche Säugetier hat Milchdrüsen, um ihr Neugeborenes zu ernähren. Menschen stellen keine Ausnahme dar, schließlich trinken wir in den ersten Lebensmonaten ebenfalls Milch, ehe wir Brei und feste Nahrung essen können. Wir sind aber mit großer Wahrscheinlichkeit die einzige Spezies, die Milch- sowie Milchprodukte anderer Tiere als Grundnahrungsmittel verwendet.

Wann genau diese Entwicklung begann, lässt sich schwer festlegen. Experten gehen davon aus, dass der Mensch seit etwa 12.000 Jahren Tiermilch konsumiert. Zunächst musste er sich an die in Milch enthaltene Laktose gewöhnen, eine Umstellung, die hunderte Jahre lang andauerte. Bis heute sind oder werden viele Menschen im Laufe ihres Alters laktoseintolerant, insbesondere in Asien.

Doch auch in Europa wurde Milch nicht über Nacht zu einem Grundnahrungsmittel. Die Massenproduktion begann wahrscheinlich zum Ende des 16. Jahrhunderts im Norden Europas. Drei Jahrhunderte später gelang es im Rahmen der Industrialisierung, Milch haltbar zu machen. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie ein großes Gesundheitsrisiko, das zahlreiche Todesopfer erforderte.

Dem französischen Chemiker Louis Pasteur gelang es schließlich, Milch im 19. Jahrhundert haltbar zu machen. Im Rahmen der Pasteurisierung wird Milch kurzzeitig stark erhitzt, sodass Mikroorganismen sterben.

Heute beziehen wir Milch nicht länger vom örtlichen Bauern, sondern von Industrieproduzenten, die ihre Ware an Discounter und andere Händler verkaufen.

Gesundheitsschädigendes Doping

Ob der Werbeslogan „Milch macht müde Männer munter“ aus den 1950er Jahren oder „Milch ist gegen Maroditis“ 20 Jahre später – die Milchindustrie hat in der Vergangenheit viele Werbeversprechen gemacht. Und so hat sich die weiße Flüssigkeit zu einem Grundnahrungsmittel entwickelt, welches eigentlich keines sein sollte.

Der Humanmediziner Bodo Melnik ist ein vehementer Kritiker des modernen Milchkonsums. Er hält ihn für eine Art Doping, welches nach dem Abstillen enden sollte. Leider ist das selten der Fall. Menschen konsumieren Trinkmilch und Milchprodukte bis zum Erwachsenenalter, häufig sogar bis zum Lebensende.

Die Folge des Milchdopings ist ein wachsendes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Ganmaa Davaasambuu von der Harvard School of Public Health publizierte 2006 ihre Analyse zu den in Milch enthaltenen Hormonen. In dem beliebten Getränk sind weibliche Geschlechtshormone in großen Mengen zu finden. Bei natürlichen Östrogenen ist das Potenzial, krebserregend zu sein, 100.000 Mal größer.

Problematisch ist der Milchkonsum nicht nur in den späteren Lebensjahren, sondern bereits nach der Geburt. In Säuglingsnahrung wird immer mehr Milcheiweiß hinzugegeben, was der Humanmediziner ebenfalls als kritisch sieht. Kuhmilch enthält fast dreimal so viel Eiweiß wie die Milch einer Mutter. Ein Mensch sollte somit nur so viele Nährstoffe enthalten, wie er benötigt. Ansonsten befürchtet Melnik, dass in Zukunft immer mehr Menschen an Diabetes mellitus Typ 2 erkranken könnten, wie seine Forschungsdaten zeigen.

Zusammenfassung

Milch hat sich zu seinem industrialisierten Grundnahrungsmittel entwickelt, das für Menschen zahlreiche Gefahren birgt. Ein übermäßiger Konsum im Säuglingsalter könnte Diabetes mellitus Typ 2 fördern; erwachsene Männer könnten hingegen einem erhöhten Prostatakrebsrisiko ausgesetzt sein.

 

Bildquelle: Couleur / Pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 07.03.2018.

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Aus: Brandt
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