Schnupfen, seit VIER Tagen!

05.03.2018

„Da habe ich diesen Husten, aber nicht so viel. Viel schlimmer ist, dass meine Nase zu ist. Da kann ich überhaupt nicht schlafen. Und Halsschmerzen habe ich auch!“ – „Hmhm“, sagte ich und dachte mir als Arbeitsdiagnose mal das Schlagwort „Erkältung“ aus.

An dieser Stelle lugte Schwester Margarita, sorry Fach- und Gesundheitskrankenpflegerarbeiterin Margarita, in die Aufnahmekabine und reichte mir eine lose Blattsammlung. Irritiert blätterte ich das Bündel durch und wandte mich wieder meiner Patientin zu.

„Öh, Frau Mahnziff. Hier lese ich gerade, dass Sie gestern schon da waren. Und vor drei Tagen ebenfalls. Man hat Sie beides Mal gründlich untersucht und Blut abgenommen. Meine Kollegen vermuten eine Erkältung und haben Ihnen geraten, sich erstmal eine Woche zu schonen, viel Tee zu trinken und etwas im Bett rumzuliegen. Warum sind Sie denn heute wieder gekommen?“

„Na, der Schnupfen und die Halsschmerzen sind IMMER noch da!“

„Aber Frau Mahnziff, Sie haben das Problem ja auch erst vier Tage, wenn ich das richtig lese. So eine Erkältung dauert oft eine Woche und manchmal auch etwas länger.“

„ABER ICH HABE IMMER NOCH HALSSCHMERZEN!“

„Sie müssen Geduld haben, Frau Mahnziff. Ihr Rachen ist im Augenblick etwas gerötet, aber man sieht nichts Schlimmes.“

„Morgen haben wir auch einen Termin beim HNO-Arzt“, fügte Frau Mahnziffs Ehemann nun an.

„Ah. Hmhm. Und Sie sind trotzdem heute hergekommen. Äh. Ja. Bitte probieren Sie es doch nochmals mit Tee, Ruhe und Geduld, Frau Mahnziff. Es gibt keinen Grund Sie im Krankenhaus zu behalten … nein, ein Antibiotikum macht hier keinen Sinn. Das ist eine virale Erkrankung. Da hilft leider kein Antibiotikum.“

Ich gab dann noch einige Hausmittelerkältungstipps und den Hinweis auf den Hausarzt, der eine Erkältungserkrankung ebenso gut betreuen könne. Frau Mahnziff verließ enttäuscht über diesen schlechten Service unsere Notaufnahme, kam zum Glück aber in den folgenden Tagen nicht mehr wieder.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 12.03.2018.

98 Wertungen (4.69 ø)
13244 Aufrufe
Medizin, Innere Medizin
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Was sucht die Frau in der Notaufnahme???
#15 am 12.03.2018 von Dipl.-Ing. Diethard Heilig (Nichtmedizinische Berufe)
  0
Kranke Schwester
"10631 Aufrufe" Frau Dietrich: Weil nicht jeder, der den Beitrag gelesen hat, diesen auch bewertet hat.
#14 am 11.03.2018 von Kranke Schwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
  0
Kleiner Tipp: Es heißt Gesundheits- und Krankenpflege. Gar nicht so schwer... ;)
#13 am 11.03.2018 von Christel Kehr-Fuckel (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
  5
Interessant, meinen Beitrag #6 haben wohl mehr Personen gelesen (77 Bewertungen), als die oben stehende Geschichte (75 Bewertungen). Wie kommt das denn?
#12 am 11.03.2018 (editiert) von Eugenia Dietrich (Studentin der Humanmedizin)
  14
Gästin
Vielleicht sollte man solche Patientinnen darauf aufmerksam machen, dass man sich in Wartezimmern und Notfallaufnahme weit schlimmere Krankheiten einfangen kann als eine Erkältung. Ich meide gerade Ärzte wie die Pest.
#11 am 08.03.2018 von Gästin (Nichtmedizinische Berufe)
  6
Immer wieder super!!! Zorgcooperations skizziert haarscharf, humorvoll, manchmal auch mit Zynismus. Es trifft aus meiner Sicht und 35-jähriger Berufserfahrung leider fast immer zu!!! Weiter so. Liebe Grüße
#10 am 07.03.2018 von Ute Kath (Arzthelferin)
  2
"Da ist etwas schief gegangen"! Ja Die erste gründliche Untersuchung ohne Abstriche blieb überaus unauffällig. Da die Streptococcen-Schnelltests erst im Kommen waren und keine breite Verwendung hatten, sollten die Streptococcen eben wissen, dass sie zuerst die Tonsillen zu befallen haben, und nicht wie bei meinem Kind erst die Larynx... Und überhaupt, man muss doch wissen, dass so eine Erkältung schon mal ein paar Tage dauern kann! Übrigens, ich BIN als eine hysterische Mutter, abgestempelt worden. "Ja-ja, das ist Ihr erstes Kind. Ja-Ja, da macht man sich zu viele und vor allem unnötige Sorgen!" Und die auch noch am Wochenende!..
#9 am 07.03.2018 von Eugenia Dietrich (Studentin der Humanmedizin)
  52
#6: so war das nicht gemeint. Scharlach ist etwas ganz anderes, und den sollte man auch schnell behandeln. Und nicht mit Tee. Da ist etwas schiefgegangen.
#8 am 07.03.2018 von Sylvia Robinson (Ärztin)
  0
;)
Man meckert über seine Arbeit nur so lange, wie man sie hat. Und zu den Tierärzten: gerade die ALDI-Kunden, die die ganze Woche damit verbringen, billiges Essen zu essen, haben ihr Geld für Sie und Ihre teueren Röntgenbilder gespart. :DDD Ich persönlich habe eine andere Erfahrung gemacht: mein junges, gesundes Tier sollte bei einer Schneidezahnfehlstellung ein Feinschicht-CCT, natürlich in Narkose, bekommen. Ich habe keine Einsicht gezeigt, warum ich wegen einem Schneidezahn so viel Geld für ein ganzes Feinschicht-Cranio-CT bezahlen soll. Es wurde mir erklärt, damit wir doch sehen, ob mit der Statt des Kieferapparates alles stimmt! Für mich absolut nicht einleuchtend. Sehr teuere Strahlenbelastung für "mal sehen"
#7 am 07.03.2018 von ;) (Gast)
  23
Habe dem Beitrag nicht entnehmen können, waren die Laboregebnisse auch angeschaut worden? Erfolgte denn ein Hals-Abstrich? Meine Tochter (damals 4 Jahre alt) klagte über Halsschmerzen, leicht erhöhe Temperatur. Kinderärztin verschrieb Paracetamol. Drei Tage später klagte das Kind immer noch über die Halsschmerzen. Wochenende... Ich benahm mich wie diese dumme Patientin: ich fuhr mit der Tochter in die Klinik... Es hat sich nun ein Scharlach gezeigt (hier hat der Arzt nicht nur die Akte aufgeschlagen). Mein Kind bekam ein Antibiotikum und trug von der Geduld der 3 Tage nur eine einseitige Palatoglossus-Parese. 2 Jahre mussten vergehen, damit sie nicht nur breihiges Essen essen konnte. War wahrscheinlich zu wenig Tee?
#6 am 07.03.2018 von Eugenia Dietrich (Studentin der Humanmedizin)
  66
Die Leute sind oft so hilflos, kennen die Hausmittel und die frei erhältlichen und dennoch hilfreichen Mittel aus der Apotheke oder Drogerie nicht, oder geben z.B. einem Kind so viele Paracetamol-Zäpfchen, dass es Glück hat, wenn seine Leber das übersteht, denn ein fieberndes Kind, das z.B. von Wadenwickeln profitieren könnte, hält ja auf und ist anstrengend ... mal etwas selbst zu tun oder einfach mal auszuhalten, kommt vielen gar nicht in den Sinn. Ist das nun Bedienungsmentalität oder Unsicherheit?
#5 am 07.03.2018 von Sylvia Robinson (Ärztin)
  4
bei uns Tierärzten ist es manchmal andersherum: Hundchen zeigt seit 3 Wochen die gleiche Symptomatik (Würgen, Erbrechen oder Durchfall z.B.). Aber am Wochenende ist es PLÖTZLICH so schlimm (aber erst nachdem ALDI geschlossen hat!), daß der Notdienst angerufen wird und SOFORT ein termin verlangt wird. Mit kompletter Diagnostik einschließlich Blut und Labor natürlich, am besten auch mal röntgen....
#4 am 07.03.2018 von Dr. med.vet. Stefan Gabriel (Tierarzt)
  4
Ohjaaa, die Leute die einfach nicht verstehen können dass man länger als 2 Tage erkältet sein könnte..... (Auch in der Variante, Mein Kind hustet IMMER NOCH!!!) Ich hatte im Winter ne fiese Erkältung, da ging es nach ner Woche laaangsam besser, aber die 2. Woche war ich sicher noch nicht belastbar, und die Taschentücher wurden auch weiter felißig verbraucht. Man kann natürlich auf der anderen Seite drüber reden, dass es gesellschaftlich, und auf der Arbeit manchmal schwierig ist wenn man eben einfach krank ist. Oder wenn das Kind krank ist und beide Eltern doch gerne arbeiten gehen wollen.... (oder alleinerziehend). Aber das heißt nicht, dass man Ärtze zu Handwerkern - bitte JETZT heile machen!!! - umfunktionieren kann.... Komsumgesellschaft hat eben auch ihre Grenzen, und die betreffen auch die Nerven der Ärzte. (Mein Kind (6 Jahre alt, nicht exsikkiert) spuckt schon seit 3 Stunden!!!! Nicht so gesagt: Stellen sie sich vor, dass kann auch noch mindestens 3 weitere Stunden dauern!!!)
#3 am 07.03.2018 von Sonja Kupfer (Studentin der Humanmedizin)
  11
Köstlich .. excellent .. :-) Die Kollegin hat offensichtlich viele Talente - hoffentlich bleibt sie der Medizin erhalten! Falls nicht: sie könnte auch als Autorin (oder Karikaturistin?) reüssieren (falls sie doch einmal die Nase voll haben sollte...) P.S. Viele Ärzte haben ja eine künstlerische Ader - bitte weiterhin pflegen!!!
#2 am 07.03.2018 von Dr. med. dent. Wolfgang Carl (Zahnarzt)
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Köstlich!
#1 am 06.03.2018 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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