59 Prozent von Patienten der Allgemeinpsychiatrie haben ADHS

03.03.2018

Dr. Arno Deister, aktueller Präsident der DGPPN hat als Co-Autor eine interessante Studie zur Häufigkeit von Hyperaktivität bzw. dem Aufmerksamkeits- / Hyperaktivitätssyndrom bei Erwachsenen einer offenen Allgemeinpsychiatrie-Abteilung publiziert. 

59 Prozent der untersuchten Patienten wiesen ADHS auf (33 % davon schwer betroffen). Fast alle diese Patienten wiesen markante depressive Symptome auf. Aber auch bei Angststörungen, Esstörungen bzw. Adipositas, Sucht, Restless-Legs und natürlich Persönlichkeitsstörungen war die Häufigkeit deutlich erhöht.

Die Frage ist ja, wie in Zukunft nur die Diagnostik und dann auch Behandlung von ADHS in der deutschen Psychiatrie und Psychosomatik geregelt wird. Denn  bisher dürfte eine Diagnostik oder gar leitlinienzentrierte Behandlung sowohl stationär wie auch ambulant noch meilenweit am Bedarf vorbei zu gehen.

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Artikel letztmalig aktualisiert am 03.03.2018.

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Gast
Wenn ich in der Stadt, in der ich aktuell lebe, durch die Straßen laufe und wenn ich die Frequenz rekapituliere von Personen, die ich erlebe oder kennelerne, wo sich im Nachhinein herausstellt, dass diese ADHS haben, dann mutet die Zahl 59% der Patienten in der Allgemeinpsychiatrie mit ADHS sehr plausibel an. Und bei bis zu 10% ADHS in der Gesamtbevölkerung in Deutschland (Kinder und Erwachsene) kennt und erlebt jeder quasi täglich Personen mit ADHS - nur um zu erkennen, dass das ADHS ist, dazu braucht es eben ein Gespür dafür und das hat man vollumfänglich nur dann, wenn man mehr oder weniger ausgeprägt selbst ADHS hat.
#8 am 17.05.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
@#6: Sie meinen das Henne-Ei-Problem. Was bei ADHS zuerst war, ob Henne oder Ei, das ist in Wahrheit längst geklärt. Da helfen auch fast schon krampfhaft an ihrer rein medizinhistorischen Ideologie sich festklammernden Erklärungsversuche von Psychoanalytikern nicht weiter. ADHS entsteht nicht durch frühkindliche oder vorgeburtliche Traumata und Leute die Gegenteiliges behaupten, das sind oft solche, die eher selten mit Betroffen in Kontakt kommen, erst recht nicht selbst betroffen sind und die die Zeichen der Zeit nicht erkennen wollen. Im Übrigen erkennen sich ADHS-Betroffene untereinander, so wie in China ein Deutscher einen anderen Deutschen erkennt, man erkennt sich am Habitus und an der Persönlichkeit und man kann als selbst von ADHS Betroffener sehr wohl "spüren", wenn das Gegenüber auch ADHS hat. Allein schon aus diesem Grund sind Therapeuten für ADHS , die nicht mehr oder weniger selbst ADHS haben, ADHS-Therapeuten 2. Klasse.
#7 am 17.05.2018 (editiert) von Gast
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Gast
Mein erster Impuls nach Lektüre dieses Artikels ist, dass diese These ja schon fast zynisch anmutet. Wenn es auch möglicherweise aus neurologischer und Verhaltenstherapeutischer Sichtweise verständlich sein mag, so eine Schlussfolgerung anzustellen. Mal anders herum gefragt, welcher Mensch mit ADS hat ein vollkommen intaktes Umfeld in dem er groß geworden ist oder aktuell lebt. Wo ist Ursache und wo die Wirkung! Unkonzentriert durch schwierige Lebensumstände oder schwere Lebensumstände aufgrund der Unkonzentriertheit? Ob man unterstützend behandelt , wohlwissend, dass man einfach nicht die Mittel aufbringen kann die wirklichen Probleme zu lösen. Entscheidend in der Psychiatrie ist doch der aktuelle Zustand, wann hat man denn in der Praxis wirklich die Zeit, den Ursachen auf den Grund zu gehen und vor allen Dingen alle Symptome mit der Biografie des Patienten wirklich gut in Einklang zu bringen! Zumal die Patienten in solchen Situation doch nicht immer alles verbalisieren können.
#6 am 17.05.2018 (editiert) von Gast
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Gast
Der Grund, weshalb ADHS so häufig ist, ist, dass die ADHS verursachenden Gene nicht nur Mist verursachen sondern auch viele positive Aspekte bedingen. ADHS als eine je nach Schweregrad Störung oder Konstitution oder Persönlichkeitsvariante , die auch Stärken , Ressourcen , Vorteile und positive Eigenschaften mit sich bringt , hat sich somit auch abhängig von den jeweiligen Umweltbedingungen verstärkt evolutionär als Selektionsvorteile durchgesetzt. Die Häufigkeit von ADHS in Deutschland (in manchen Ländern und Ethnien ein Mehrfaches davon) beträgt um die 8% bis 10%. Zum Vergleich: Autismus-Spektrum-Störungen Häufigkeit lediglich 1% bis 2%.
#5 am 20.04.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Mit ADHS in der Psychiatrie verhält es sich etwa so wie mit der Nutzung von Pornoseiten im Internet. Beides ist der große, blaue Elefant mitten im Raum , den irgendwo jeder sieht bzw. dessen Präsenz fühlt, aber keiner redet darüber und will was damit zu tun haben. Wie prognostiziert doch Russel Barkley, dass ADHS sich letztendlich als das quantitativ größte Thema in der Psychiatrie überhaupt herausstellen wird, das mit (fast) so ziemlich allem dort assoziiert sein kann (nicht muss). Wenn man bedenkt, wie vielen Patienten in der Psychiatrie mit einer ADHS-Diagnose und damit einer ursächlichen Therapie (nicht nur der Therapie der Begleit- oder Folgeerkrankungen) hätte geholfen werden können - von den volkswirtschaftlichen Kosten ganz zu schweigen - dann wirft das kein gutes Licht auf die doch oft arrogante und ignorante Zunft der Psychiater in Deutschland.
#4 am 20.04.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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Also die Kollegen in der Psychiatrie haben 59 % Adhsler direkt vor der Behandler-Nase und erkennen diese nicht ! Das ist Stoff für die Medizingeschichte ! Spätere Generationen werden sich fragen warum neue Erkenntnisse jahrzehntelang ignoriert werden konnten. Wie bei Semmelweiss. Siehe auch Semmelweissreflex. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Semmelweis-Reflex
#3 am 18.04.2018 von Diplom-Psychologe Jörg Dreher (Psychotherapeut)
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Gast
Übrigens: AD(H)S wird nicht im Medizinstudium unterrichtet! Ich bin selber Kinderpflegerin, habe also häufiger Kontakt mit betroffenen Kindern gehabt und habe in meiner 2-jährigen Ausbildung (1997/98) nicht mal das Wort AD(H)S gehört!!!!!!!! Meine Kolleginnen (Erzieherinnen) sind genauso ahnungslos und wenige Lehrer haben meiner Erfahrung nach eine Ahnung davon.
#2 am 13.03.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Als Mutter eines Kindes mit AD(H)S und mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst betroffen, wundert mich diese Befunde überhaupt nicht. Es ist ja bekannt, dass ein hoher Anteil an AD(H)S Betroffenen an Komorbiditäten wie Depression, Angststörungen, Esstörungen, Sucht, usw. leiden. Unter Patienten, die an diesen psychiatrischen Erkrankungen leiden, müsste also logischerweise der Anteil an AD(H)S relativ hoch sein. In 30 Jahren mit zahlreichen psychiatrischen Aufenthalten wegen depressiven Episoden, Essstörungen, Angststörung habe ich noch keinen einzigen Arzt, Psychiater, Psychologen gefunden, der den Verdacht auf AD(H)S geäußert hätte und keiner in Folge die Diagnostik durchgeführt. Obwohl einige wussten, dass mein Sohn die Diagnose erhalten hatte. Und ich kenne einige Mütter und Väter von betroffenen Kindern, die selbst den Verdacht auf die eigene AD(H)S bekamen und erst nach einer mühsamen Suche einen Arzt fanden, der sich mit Diagnostik und Behandlung auskennt.
#1 am 13.03.2018 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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 Ich frage mich allerdings, wie Apotheker noch in den Spiegel schauen können, wenn Sie ihren Kunden dieses Zeug mehr...
Wer schon in der Jugend mit Schmerzen zu tun hat, wird vermutlich ein Leben lang unter Schmerzen leiden. 

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Ein Leben ohne Handy erscheint vielen von uns gar nicht mehr vorstellbar. Das ständige Warten auf Nachrichten bzw. mehr...

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