Studie zeigt: Grippe erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt enorm

23.02.2018

Was viele Ärzte und Wissenschaftler schon lange vermutet haben, konnte jetzt erstmal in einer Studie nachgewiesen werden: Eine Grippe erhöht das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen, um ein Vielfaches. Die Strapazen der Influenza sind für den Körper offenbar so groß, dass ein Herzinfarkt daraus folgen kann. Dementsprechend können Grippe-Impfungen auch zur Herz-Kreislauf-Prävention beitragen.

Zusammenhang zwischen Grippe und Herzinfarkt schon lange vermutet

Bereits seit den 30er-Jahren vermuten Ärzte, dass es einen Zusammenhang zwischen der Grippe und einem Herzinfarkt geben könnte. Allerdings war es zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich, eine echte Grippe mithilfe von Labortests nachzuweisen und zu bestätigen. Nur anhand der Symptome konnte eine richtige Grippe nicht von milderen, durch andere Erreger verursachten Atemweginfektionen unterschieden werden. Mittlerweile ist es aber möglich, eine Infektion mit Influenzaviren eindeutig festzustellen. Dafür gibt es in Praxen und Kliniken Schnelltests. Bei schweren Erkrankungen oder unklaren Fällen können zudem Isolate in ein Labor geschickt werden, um sie genauer zu analysieren. Dadurch, dass die Influenza nun eindeutig feststellbar ist, sind entsprechende Untersuchungen weniger fehleranfällig.

Studie aus Toronto beweist: Grippe erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt um das Sechsfache

Das machte sich eine Studie an der Universität Toronto in Kanada zunutze. Unter der Anleitung von Dr. Jeffey Kwong suchten die Wissenschaftler aus den Krankenversicherungsdaten der Provinz Ontario alle Patienten aus der Bevölkerung heraus, die im Zeitraum von 2009 bis 2014 nachweislich an Influenza-Viren erkrankt waren. Von den fast 150.000 durchgeführten Tests waren 19.729 positiv auf Influenza-Viren. Davon hatten 364 Patienten entweder in dem Jahr zuvor oder in dem Jahr danach einen Herzinfarkt. Des Weiteren verglichen die Forscher, bei wie vielen Patienten der Herzinfarkt in den sieben Tagen nach der Grippe-Diagnose – also in der vulnerablen Phase – auftrat und bei wie vielen Patienten schon in dem Jahr davor oder danach (Kontrollphase).

Dabei fiel auf, dass 20 Patienten den Herzinfarkt in der vulnerablen Phase in den sieben Tagen nach der Influenza-Phase erlitten hatten. Bei allen anderen 344 Patienten trat der Herzinfarkt in der Kontrollphase auf, also in den 51 Wochen nach oder in den 52 Wochen vor der Influenza-Diagnose. Daraus lässt sich eine Ereignisrate von 20 Fällen pro Woche in der vulnerablen Phase und 3,3 Fällen pro Woche in der Kontrollphase ableiten. Dementsprechend ist das Risiko, in der Woche mit Influenza einen Herzinfarkt zu erleiden, um mehr als das Sechsfache erhöht.

Die Grippe-Impfung ist eine wichtige kardiovaskuläre Prävention

Obwohl jeder dritte Patient der Studie gegen die Grippe geimpft war und trotzdem an Influenza erkrankte, betonen die Autoren ausdrücklich, dass dies nicht bedeute, dass die Impfung keinen ausreichenden Schutz biete. Um die Effektivität des Grippeimpfstoffes zu bewerten, sei die Studie zu klein gewesen. Die Autoren der Studie betrachten die Ergebnisse vielmehr als Bestätigung aktueller Empfehlungen, dass sich vor allem ältere Menschen gegen Influenza impfen lassen sollten, um sich nicht nur vor der Grippe, sondern auch vor kardiovaskulären Ereignissen zu schützen. Einige Hinweise aus anderen Studien deuten ebenfalls daraufhin, dass eine Influenza-Impfung derartige kardiovaskuläre Ereignisse verhindern könne. Laut der Ärzte Zeitung ist es auch jetzt noch sinnvoll, sich mit einem Vierfach-Impfstoff gegen Grippe impfen zu lassen. Gerade für Risikogruppen wird die Impfung empfohlen. Darüber hinaus äußern die Autoren der Studie aus Toronto, dass es ratsam sei, zusätzlich zur Impfung auf weitere Präventionsmaßnahmen zu achten. Durch regelmäßiges und gründliches Händewaschen etwa könne das kardiovaskuläre Risiko deutlich reduziert werden. Zudem sei es empfehlenswert, die Entwicklung von Impfstoffen mit einer besseren Wirksamkeit voranzutreiben, um zur kardiovaskulären Prävention beizutragen.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Zu den Menschen, die sich allein wegen des erhöhten Herzinfarktrisikos, das mit einer Grippe nachweislich einhergeht, unbedingt jährlich gegen Influenza impfen lassen sollten, gehören vor allem ältere Menschen. Bei ihnen verläuft eine Grippe ohnehin meist kritischer und es dauert länger, bis sie ausgeheilt ist. Dazu kommt noch, dass sie aufgrund ihres hohen Alters und wegen etwaiger Vorerkrankungen ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt haben. Aber auch jüngere Menschen, die eine Herzerkrankung haben oder unter anderen Vorerkrankungen leiden, sollten sich mit einer Grippeimpfung schützen. Dazu gehören zum Beispiel:

Auch für Kinder mit derartigen Erkrankungen und für Schwangere ist eine Grippeimpfung empfehlenswert.

Bildquelle: qimono / Pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.02.2018.

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