Drück mal ein Auge zu

21.02.2018

Tagelang leidet eine junge Amerikanerin unter Irritationen und Rötungen im linken Auge. Die Naturliebhaberin hat keine Vorerkrankungen, ist sportlich und geht häufig reiten. Als sie ihr Auge im Spiegel genau inspiziert, macht sie eine ungewöhnliche Entdeckung.

Eine 26-jährige Amerikanerin leidet unter Irritationen und Rötungen im linken Auge. Die Frau hat keine Vorerkrankungen, ist sportlich und reitet gern. Als sie ihr Auge im Spiegel genauer inspiziert, zieht sie einen kleinen transparenten Wurm unter dem Augenlid hervor.

Sie sucht einen Arzt auf, der bei der Untersuchung zwei weitere Würmer entfernen kann, einen solchen Fall jedoch zuvor noch nie erlebt hat. Er schickt die Parasiten zur Analyse an die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und die Patientin zu einem Spezialisten.

Dieser diagnostiziert einen parasitären Befall des linken periokulären Gewebes und kann zeitgleich drei weitere Würmer sicherstellen. Statt eines antihelminthischen Medikaments empfiehlt er zunächst regelmäßige Augenspülungen bis der genaue Parasit bekannt ist – doch das soll dauern.

Ungewöhnlicher Befall

Im Laufe der folgenden 20 Tage zieht sich die Patientin insgesamt 14 Würmer aus dem Auge. Schließlich melden die Wissenschaftler der CDC, dass es sich um Thelazia-Parasiten handle. Die Spezies, die das Auge der Patientin besiedelt, heiße Thelazia gulosa. Um diese zu ermitteln, mussten die Forscher in der Literatur bis ins Jahr 1928 zurückgehen, weshalb die Bestimmung eine längere Zeit in Anspruch nahm.

Thelazia gulosa befällt hauptsächlich Rinder und wird von Stallfliegen übertragen. Ein Befall bei Menschen war jedoch bisher nicht bekannt. Vermutlich hat sich die Patientin die Parasiten auf der Pferderanch eingefangen, die sich in nächster Nähe zu Rindern befindet. Dort habe sie wahrscheinlich Fliegen aus ihrem Gesicht nicht schnell genug weggewischt, wodurch die Larven in ihre Tränenflüssigkeit gelangen konnten.

Inzwischen ist die Patientin beschwerdefrei – der 14. Wurm war der Letzte und eine medikamentöse Behandlung somit nicht mehr nötig.

 

Quelle:

Case Report: Conjunctival Infestation with Thelazia gulosa: A Novel Agent of Human Thelaziasis in the United States; Richard S. Bradbury et al., The American Journal of Tropical Medicine and Hygiene, doi: 10.4269/ajtmh.17-0870

 

Artikel von Maren Böcker

 

Bildquelle: Senior Airman Stephanie Morris / U.S. Air Force photo

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.04.2018.

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Danke für diesen für mich hochinteressanten Artikel. Aktuell beschäftige ich mich nämlich mit Hygiene und Infektiologie, insbesondere Lebensmittelhygiene in der Landwirtschaft.
#1 am 17.04.2018 von Alfred Geißler (Arzt)
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