PR: Wundversorgung – die passende Behandlung jeder Wunde (Teil 2)

19.02.2018

In unserem letzten Artikel haben wir von den Kriterien zur Auswahl der Wundauflagen und eventuellen Komplikationen in der Wundbehandlung berichtet. Der heutige Artikel soll sich genauer mit den Materialien beschäftigen, die zur lokalen Wundversorgung eingesetzt werden, und verschafft einen Überblick über deren Zusammensetzung und Einsatz in der Wundbehandlung.

Die lokale Wundbehandlung

In der Fachwelt unterscheidet man zwischen konventionellen oder inaktiven Wundauflagen, hydroaktiven oder interaktiven Wundauflagen sowie (bio-)aktiven Wundauflagen.

 

Konventionelle Wundauflagen

Zu den konventionellen Auflagen, deren Hauptaufgabe es ist Wundexsudat aufzunehmen, gehören Kompressen aus Baumwolle, Vlies aus synthetischen Fasern oder Wundgazen aus mehreren Schichten. Sie zeichnen sich durch hohe Saugfähigkeit aus, bringen jedoch das Problem der Austrocknung der Wunde und der Verklebung mit dem Abdeckungsmaterial mit sich. Beim Verbandwechsel kann dies zu einer Zerstörung des Gewebes und einer erneuten, unter Umständen schmerzhaften, Schädigung der Wunde führen. [1,2]

 

Hydroaktive Wundauflagen

Zu den wichtigsten hydroaktiven Verbandtypen gehören die im Folgenden genauer dargestellten Hydrofasern, Hydrogele, Hydrokolloide, Alginate, Aktivkohle-Verbände, Schaumstoffe sowie speziell antimikrobiell wirksame Verbände und Superabsorber. Hydroaktive Wundauflagen halten die Wunde feucht, nehmen gleichzeitig Wundexsudat und teilweise Gerüche auf – wie zum Beispiel Aktivkohle-Verbände – und wirken im Verband oder auch direkt in der Wunde antimikrobiell. Interessant für den Anwender ist die Möglichkeit, je nach Wundzustand, die entsprechende Wundauflage zu verwenden.

Bei oberflächlichen trockenen Wunden in der Epithelisierungsphase werden hauptsächlich Hydrokolloide benutzt. Die Anwendung von Hydrogelen hingegen kommt bei trockenen bis schmierig belegten Wunden in Frage. Hydrogele bestehen aus einer Matrix wasserunlöslicher Polymere, die einen Wassergehalt zwischen 30 % und 95 % aufweisen. Dadurch sind sie in der Lage, Feuchtigkeit an die Wunde abzugeben und das autolytische Debridement zu fördern, wodurch Nekrosen gelöst werden. Hydrokolloide bestehen aus hydrophoben Polymeren, die durch die Aufnahme von Flüssigkeit quellend reagieren und Gele bilden. Dies wird durch eingelagerte Substanzen, wie Carboxymethylcellulose, Pektin oder Gelatine begünstigt. Hydrokolloidverbände werden hauptsächlich in der Epithelisierungsphase verwendet. [1-5]

Bei der Behandlung von nässenden und stark exsudierenden Wunden kommen Alginate und Hydrofasern zum Einsatz. Schaumstoffe und Superabsorber sind für mäßig bis stark exsudierende Wunden geeignet. Alginate werden aus Alginsäuren der Braunalgen entwickelt und bilden stark quellende Gele. Das entstandene Gel reagiert hydrophil, größere Mengen Exsudat können aufgenommen werden und die darin enthaltenen Zelltrümmer und Bakterien werden mit dem nächsten Verbandwechsel von der Wunde entfernt. Durch freiwerdende Calciumionen kommt es zu einer blutstillenden Wirkung. Zudem reduziert die Gelbildung durch den enthaltenen Calcium-Anteil auftretende Blutungen. Alginate sollten nur in der Wunde benutzt und der Kontakt mit gesunder Haut muss gemieden werden, da dort ansonsten durch die Gelbildung Mazerationen auftreten können. Sie werden durch die hohe Saugfähigkeit oft in der Exsudationsphase eingesetzt.

Eine moderne Variante finden wir bei Hydrofaserverbänden vor. Diese binden Flüssigkeiten des Wundexudat durch Carboxymethylcellulose. Ein weiterer bindender Bestandteil sind Polyesterfasern und Cellulose Ethylsulfonat Fasern. Das Material ist so aufgearbeitet, dass dieses Flüssigkeit in vertikaler Richtung aufnimmt. Daher besteht keine Gefahr einer Mazeration an gesundem Gewebe.

Interessant für die Wundversorgung bei leichtem bis starkem Exsudataufkommen, sind Schaumstoffauflagen. Sie zeichnen sich durch den mehrschichtigen Aufbau aus unterschiedlichen Polyurethanen aus, der zu einer hohen Absorptionsfähigkeit führt und daher in nahezu allen Phasen der Wundversorgung eingesetzt werden. [1,2] Schaumstoffe sind „Allrounder“ und in verschiedenen Varianten erhältlich. Dazu zählen zum Beispiel Schaumstoffe mit und ohne Kleberand, mit oder ohne Silikonbeschichtung und mit oder ohne Anreicherung durch das Polymer Polyhexanid (PHMB).

Für die Versorgung von infektgefährdeten oder infizierten Wunden kommt zum Beispiel eine Schaumauflage zum Einsatz, die eine zusätzliche antimikrobielle Wirkung aufweist und mit PHMB angereichert ist, welches an die Wunde abgegeben wird, Keime abtötet und so eine Keimbelastung in der Wunde reduziert. PHMB ist gegen ein breites Spektrum infektiöser Organismen anwendbar, darunter auch MRSA (Methicillin-resistenter Staphylocoocus aureus) und VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) und reduziert die Bakterienzahl um mehr als 99,9 % innerhalb von 6 Stunden. Eine weiche und anschmiegsame Struktur des Schaumstoffs macht das Verbandmittel komfortabel für den Patienten. Zusätzlich kann der Verband bis zu sieben Tage verbleiben. Durch die zuverlässige Aufnahme von Exsudat und Flüssigkeit, hält der Schaumstoff die Wunde optimal feucht, ohne diese auszutrocknen. So fördert er die natürliche Heilung und trägt zu einer schnellen Verbesserung des Patientenbefindens bei.

Superabsorber weisen ein sehr hohes Saugvermögen und Rückhaltevermögen auf. Sie können so ein Vielfaches (bis zu 20-faches) ihres Eigengewichts an Flüssigkeit aufnehmen. Das einmal gebundene Exsudat wird auch unter mechanischem Druck kaum wieder abgegeben. So werden die Wundränder vor Mazeration geschützt und ein feuchtes Wundmilieu aufrechterhalten, welches die Wundheilung fördert. Ein proaktiver Reinigungseffekt bietet eine entzündungshemmende Wirkung, eine Reduktion der Keimlast und unangenehme Gerüche werden gebunden. Superabsorber können auch in Kombination mit Kompressionsverbänden eingesetzt werden.

Speziell bei infizierten Wunden oder bei Verletzungen, bei denen eine besondere Infektionsprophylaxe notwendig ist, werden Materialien mit antimikrobieller Wirkung verwendet. Hierzu zählen Wundauflagen mit PHMB, superabsorbierende Wundverbände, silberhaltige Wundauflagen und Aktivkohleverbände. Silberionen in den Behandlungsmaterialien führen zu Komplexbildung mit Proteinen der Bakterienzellen und dienen so der Abtötung der Zellen. Die biozide Wirkung wird beispielsweise bei Pilzen oder multiresistenten Keimen, wie MRSA genutzt. In Verbindung mit Aktivkohle wirken diese Materialien geruchsbindend, was das allgemeine Wohlbefinden des Patienten positiv beeinflussen kann. Zusätzlich ist Aktivkohle durch eine Oberfläche von 1.000 bis 1.500 m2/g extrem absorptionsfähig und zur Aufnahme hoher Exsudatmengen geeignet. [5]

 

Bioaktive Wundauflagen

Unter dem Begriff bioaktive Wundauflagen werden zum Beispiel autologe Eigenhaut oder der Einsatz von Wachstumsfaktoren zusammengefasst, welche die Wunde durch direkte biologische Mechanismen beeinflussen. [2,4] Auch der Kollagen-Wundverband gehört zu dieser Gruppe von Wundauflagen. Er besteht aus einer porösen Struktur mit sehr ausgeprägter Kapillaraktivität wodurch er Flüssigkeiten gut aufnehmen kann. Durch die kontinuierliche Absorption des Exsudats werden Zelltrümmer (wie abgestoßene Nekrosen, Fibrinbeläge) sowie entzündungsinduzierende Proteasen und Zytokine aufgenommen. Dies regt die Einwanderung von Fibroblasten an, induziert die Kollagensynthese und beschleunigt so den Aufbau des Granulationsgewebes. Die Zufuhr von hochwertigem Kollagen in der Wundauflage begünstigt die Neubildung körpereigener Kollagenfibrillen und -fasern während der Granulations- und zu Beginn der Epithelisierungsphase. Dies fördert wiederum die notwendige Proliferation und Migration der epidermalen Zellen und unterstützt die Wundheilung.   

 

Referenzen

[1] Kujath P. und Michelsen A. Wunden – Von der Physiologie zum Verband. Dtsch Arztebl 2008;105(13): 239-48.

[2] Sarabahi S. Recent advances in topical wound care. Indian J Plast Surg. 2012;45(2): 379-387.

[3] Das S. und Baker AB. Biomaterials and Nanotherapeutics for Enhancing Skin Wound Healing. Front Bioeng Biotechnol. 2016;4: 82.

[4] Horn T. Übersicht und Klassifikation lokaler Wundauflagen. Fortbildungstelegramm Pharmazie 2010;4(1): 19-31.

[5] Neye H. Behandlung chronischer Wunden. VIN VerordnungsInfo Nordrhein 2017.

https://www.kvno.de/downloads/newsletter/vin/VIN_06_2015_2.pdf Zuletzt aufgerufen am 16.02.2018.

Artikel letztmalig aktualisiert am 28.02.2018.

1 Wertungen (5 ø)
550 Aufrufe
Um zu kommentieren, musst du dich einloggen. Einloggen
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
… wieviel Erfahrung und Geschichte sich hinter „Rosidal“ verbirgt? Die Marke steht nun bereits seit mehr als 55 mehr...
Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist neben Schmierinfektionen über kontaminierte Gegenstände das mehr...
Als 1998 die Unternehmen Lohmann und Rauscher zu L&R fusionierten, rutschten auch die Produktmarken beider mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2018 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: