PR: Endocannabinoidmangel Syndrom, engl. Endocannabinoid-deficiency Syndrome, kurz CED

15.02.2018

Das Endocannabinoid System ist an einer großen Zahl wichtiger Steuerungsprozesse im Körper beteiligt. Die Theorie des Endocannabinoidmangel Syndroms besagt, dass der Mangel an Endocannabinoiden ursächlich für die Entstehung von Krankheiten wie Migräne, Fibromyalgie oder dem Reizdarmsyndrom sein könnte. Welche Hinweise es aus der Literatur gibt, erfahren Sie hier.

 

Was ist das Endocannabinoidmangel Syndrom, kurz CED?

Anfang der 2000er Jahre wurde die Theorie eines Endocannabinoidmangel Syndroms (Endocannabinoid-deficiency Syndrome – CED) erstmals erwähnt. Ausgangspunkt war das Wissen um neurodegenerative Erkrankungen, bei denen ein Mangel an Neurotransmittern für die Krankheitsgenese verantwortlich ist: Acetylcholin bei Alzheimer, Dopamin bei Parkinson, Serotonin und Norepinephrine bei Depressionen.

Die Hypothese lautete folglich:

Das Endocannabinoid System (ECS) ist im Körper an der Steuerung von Schlaf, Appetit, Bewegungskontrolle (z.B. Krämpfen), Schmerzempfinden, Gedächtnis bzw. posttraumatischem Vergessen, Entspannung, aber auch an der Regulation des Immunsystems, Entzündungsvorgängen und Gewebeschäden beteiligt.

Die Regulation erfolgt in den meisten Fällen über eine klassische Rezeptor-Ligand-Bindung. Die Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 sind in unterschiedlicher Verteilung in allen Organsystemen anzutreffen. Doch auch Rezeptor unabhängige Vorgänge sind möglich. Störungen des Endocannabinoid Systems können Einfluss auf die Entstehung sehr unterschiedlicher Krankheiten und Symptome haben.

CED – Ursache für Migräne, Reizdarmsyndrom und Fibromyalgie?

Für MigräneFibromyalgie und das Reizdarmsyndrom gibt es bislang keine schlüssige Theorie zur Pathophysiologie. Zahlreiche Hinweise legen jedoch einen Zusammenhang zwischen einem Endocannabinoidmangel und den Beschwerden nahe. Zudem ähneln sich die Krankheiten in einigen Aspekten:

CED & Migräne

Verbindung zwischen Endocannabinoidmangel und Migräne

Es gibt eine Reihe von Erkenntnissen, die eine mögliche Verbindung zwischen einem Endocannabinoidmangel Syndrom und Migräne begründen. Der möglicherweise stärkste Hinweis stammt aus einer Untersuchung, in der Anandamidkonzentrationen im Liquor von Migränepatienten und Kontrollpersonen untersucht wurden: Migränepatienten hatten eine signifikant verminderte Konzentration.

Die bei Migräne häufig auftretenden Phänomene wie Überempfindlichkeit gegen Licht oder Geräusche implizieren eine sensorisch erhöhte Schmerzempfindlichkeit. Unter normalen Umständen würde ein solches Ungleichgewicht im Nervensystem durch das Endocannabinoidsystem im zentralen Nervensystem ausgeglichen werden.

Das periaquaduktale Grau gilt als wichtige Hirnstruktur bei der Entstehung von Migräne. In der auch als Migränezentrum im Hirnstamm bezeichnete Region ist Anandamid tonisch aktiv und bewirkt Schmerzlinderung. Wird der CB1-Rezeptor, an den Anandamid als Ligand bindet, blockiert, steigt die Schmerzempfindlichkeit an.

Dass das ECS eine bedeutsame Rolle in der Pathophysiologie der Migräne spielen könnte, ergibt sich aus auch Untersuchungen, die eine Verbindung zwischen Endocannabinoiden und dem trigeminovaskulären System gefunden haben, das als zentral im Entstehungsprozess angesehen wird:

Scheinbar widersprüchlich erscheint, dass Anandamid auch in der Lage ist, die Dilatation von Blutgefäßen zu vergrößern.

Es bleibt zu bedenken, dass bei Migräne eine Vasokonstriktion und Vasodilatation in unterschiedlichen Phasen eines Anfalls auftreten. Die Konzentrationen von Anandamid, die in diesem Zusammenhang gemessen wurden, waren deutlich über dem Spiegel, der notwendig ist, um den CB1-Rezeptor zu aktivieren.

Es wird daher vermutet, dass eine wiederholte Gabe von CBD den Rezeptor desensibilisieren und pathophysiologische Vorgänge mildern könnte – vergleichbar einer Behandlung mit Capsaicin für die neuropathische Schmerzlinderung bei Migräne.

Zahlreiche weitere Untersuchungen haben Verbindungen entdeckt. Kurz genannt seien Folgende:

CED & Reizdarm

Für konkrete Aussagen sind weitere detaillierte Analysen und randomisierte kontrollierte Studien notwendig.

CED & Fibromyalgie

Die Fibromyalgie ist eine nichtentzündliche Erkrankung, bei der die Muskulatur des ganzen Körpers sowie das Bindegewebe schmerzen. Obwohl die Schmerzen stark und die Einschränkungen mitunter groß sind, verursacht die Fibromyalgie keine Schäden an Organen oder Strukturen.

Weitere Erkrankungen

Weitere Erkrankungen, bei denen ein Endocannabinoidmangel Syndrom an der Entstehung beteiligt sein könnte, ergeben sich auch Erkenntnissen, an welchen Prozessen das ECS beteiligt ist.

Multiple Sklerose

In Tiermodellen wurde eine Rolle des ECS in Multipler Sklerose festgestellt. Im Menschen weisen MS-Patienten signifikante Defizite an Anandamid und 2-AG auf.

Reiseübelkeit

Das ECS spielt eine entscheidende Rolle in der Entstehung von Reiseübelkeit bzw. Bewegungskrankheit. In einem Versuch entwickelten die Personen, die signifikant weniger Anandamid und 2-AG hatten, häufiger Reiseübelkeit.

Chorea Huntington

In einem Mausmodell für Chorea Huntington wurde eine weitreichende Störung des ECS gefunden. In postmortal analysierten Gehirnen von Huntingtonpatienten zeigte sich eine Reduktion an CB1-Rezeptoren.

Posttraumatisches Stresssyndrom

Tiermodelle haben zahlreiche Hinweise darauf ergeben, dass das ECS am Auslöschen traumatischer Erinnerungen und stressinduzierter Schmerzreduktion beteiligt ist. Zudem wurde gezeigt, dass stressinduzierte Angst direkt mit einem Anandamidmangel assoziiert ist. Auch im Menschen wurde eine Rolle des ECS im Zusammenhang mit posttraumatischem Stress gefunden.

Quellen:

https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/migraene/was-ist-migraene/
Ethan B. Russo. Clinical Endocannabinoid Deficiency Reconsidered: Current Research Supports the Theory in Migraine, Fibromyalgia, Irritable Bowel, and Other Treatment-Resistant Syndromes. Cannabis Cannabinoid Res. 2016; 1(1): 154–165. Published online 2016 Jul 1. doi: 10.1089/can.2016.0009. PMCID: PMC5576607

Artikel letztmalig aktualisiert am 15.02.2018.

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