Eierschalen im CT

12.02.2018
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Seit über einem Monat leidet ein 43-Jähriger an Hämaturie und starken Schmerzen beim Wasserlassen. Die Beschwerden träten bereits seit einem halben Jahr auf, ließen aber von allein wieder nach. Die Ursache wird erst auf CT-Aufnahmen ersichtlich und lässt die Ärzte staunen.

Ein 43-jähriger Mann aus Qatar klagt in der Notaufnahme über Schmerzen beim Wasserlassen und Hämaturie. Die Beschwerden bestünden bereits seit über einem Monat. Der Patient berichtet, dass die Symptome im letzten halben Jahr öfter auftraten, aber von allein wieder verschwanden.

Verdächtige Ablagerungen

Die Ärzte gehen zunächst von einer rezidivierenden Harnwegsinfektion aus. Zwei angelegte Urinkulturen bleiben jedoch steril. Eine Nieren-Sonographie zeigt eine leichte Hydronephrose. Die computertomografischen Aufnahmen des Abdomens und der Hüfte lassen die Ärzte staunen: In Harnleiter, Nieren, Samen- und Harnblase sind Ablagerungen zu erkennen. Die Organwände sind teilweise kalzifiziert.

Dieses Muster ist typisch für urogenitale Schistosomiasis. Es handelt sich hierbei um eine Infektion mit Parasiten der Gattung Schistosoma (Pärchenegel). Zielorgan sind die Venen der harnableitenden Organe, besonders der Blase und der Ureteren. Bei der Durchwanderung des Gewebes laufen Immunreaktionen des Körpers gegen den Erreger ab. Dabei kommt es zur Kalzifikation des entsprechenden Gewebes. Man spricht auch von „Eierschalen“-Verkalkung.

Weltweit 250 Millionen Infizierte

Obwohl Kalzifikationen in diesen Fällen nicht selten sind, ist bei diesem Patienten beinahe die gesamte Blase in Kalziumablagerungen gehüllt. Die Infektion muss also schon sehr lange vorliegen. Die Ärzte vermuten, dass sich der Mann bereits in seiner Kindheit mit dem Erreger infiziert hat.

Nach Schätzungen der WHO sind weltweit etwa 250 Millionen Menschen mit Schistosomen infiziert, vornehmlich in tropischen und subtropischen Ländern. Besonders stehende Gewässer (z.B. Stauseen) stellen Risikogebiete dar.

Der Patient wird mit dem Anthelmintikum Praziquantel behandelt, der den Erreger eliminiert und weitere Kalzifikationen verhindert.

 

Quelle:

Eggshell Calcifications of the Bladder
Pankaj Nepal et al., NEJM, doi: 10.1056/NEJMicm1504759
 

Artikel von Anke Hörster
 
 

 

Bildquelle: snickclunk, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 17.02.2018.

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Gast
...heißt Qatar nicht Qatar.... wie jetzt????
#5 am 17.02.2018 von Gast
  1
Gast
Der Heimatstaat des Patienten heißt "Qatar" bzw. dt. "Katar", nicht "Qatar". Vgl. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Katar
#4 am 16.02.2018 von Gast
  10
@ #1: Danke für den Hinweis! Tatsächlich handelt es sich um CT- und nicht um MRT-Aufnahmen. Liebe Grüße aus der DocCheck News Redaktion
#3 am 15.02.2018 von DocCheck News Redaktion (Mitarbeiter von DocCheck)
  0
..und was geschieht mit dem vorhandenen Kalk resp. den Beschwerden...
#2 am 15.02.2018 von Dr. Petra Nowakowski (Ärztin)
  0
üblicherweise sieht man Kalk besser im CT als im MRT
#1 am 14.02.2018 von Birgit Simon (Studentin)
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