Nicht hilfreiche Helplines

09.02.2018

Diese Packung Tenormin 25mg ist momentan so in Österreich im Handel:

tenorminteilbar

Keine Sache, oder? Ausser, dass seit einem Wechsel die Tabletten nicht mehr teilbar sind.

Da ist aber deutlich eine teilbare Tablette (mit Bruchrille) auf der Packung.

Das ist schon verschiedenen Apothekern aufgefallen und man hat bei der Firma angefragt. Die Reaktionen sind … speziell.

Das sei keine teilbare Tablette auf der Packung, sondern ein „Logo“. Alternativ: Man warte auf die Zulassung, damit man die Verpackung ändern kann.

Bis dann sind aber verschiedene Chargen im Umlauf, die optisch nicht zu unterscheiden sind. Die Firma hat einfach die unteilbaren (neuen) Tabletten in die alten Schachteln gepackt.

Sehr schön auch der Kommentar auf fb dazu von einer Kollegin, die bei der Helpline der Firma anrief um zu fragen, was der Patient, der nur eine halbe Tablette nehmen soll denn jetzt am besten macht? Anstatt Info zu geben, wie man am besten vorgeht, wird da jegliche Verantwortung abgeschoben: Sie wollen die Initialen des Patienten, wissen, welcher Arzt das verschrieben hat und das (wo?) melden, weil der Patient das geteilt nimmt und das so nicht zugelassen ist. Teilen ist/war hier nämlich nur zur erleichterten Einnahme okay, aber nicht zur Halbierung der Dosierung ….

Das erinnert mich stark an die Mitarbeiterin der Firma, bei der wir angerufen haben um nachzufragen, was die Kundin, die ihrem Familienmitglied ein in dem Land nicht erhältliches Medikament mitbringen wollte am besten tun soll. Das Problem war, dass das Medikament bis zur Anwendung gekühlt gelagert werden muss. Wir wollten anfragen, wie man das am besten handhabt (Kühlbox? versendet die Firma das vielleicht direkt?), ob das Medikament für ein paar Stunden eventuell Temperaturen über 8 Grad (vielleicht bis 20 Grad) verträgt und ob sie da Erfahrung oder Tests haben betreffend Haltbarkeit danach. Auch da kam dann alles … nur keine Antwort zu unseren Fragen. Letztendlich wurde uns noch angegeben, dass wir als Apotheke auch nach dem Verkauf des Medikamentes verantwortlich dafür seien, dass das Medikament richtig gekühlt beim Patienten (in dem Fall ein paar hundert Kilometer entfernt und im Ausland) ankommt! Danke dafür (nicht). Aber wir wissen immer noch nicht, wie das gehen soll …

Jegliche Verantwortung wird da geschickt abgelenkt. Hattet ihr auch schon solche Erfahrungen?

Nota bene: das hatten wir auch schon anders. Ich frage mich nur, ob das ein neuer Trend ist?

Artikel letztmalig aktualisiert am 09.02.2018.

49 Wertungen (1.63 ø)
1195 Aufrufe
Pharmazie
Um zu kommentieren, musst du dich einloggen. Einloggen
Gast
Ach herrje Herr Dr. Schätzler! Natürlich teile ich L-Thyroxin mit einem Tablettenteiler . Und trotz dreier Staatsexamen in Pharmazie , schaffe ich es nicht 2 gleiche Hälften zu bekommen. Bei Thybon wird es dann echt blöd. Das teilt sich noch schlechter und bei einer HWZ von 19h und einem Gehalt von 20 Mikrogramm pro Tablette ist das suboptimal. Unter dem Aspekt ist das Substitutionsverbot ein Witz. So bekommt man nie einen konstanten Blutspiegel.Aber Hauptsache billig produziert. Und natürlich ist zu den Festbetragspreisen keiner willens Retardformen oder niedrigere Dosierungen zu produzieren.
#4 am 14.02.2018 von Gast
  12
@ Gast #1: Es gibt technisch einwandfreie Tablettenteiler in Apotheken und Drogeriemärkten bei uns in Deutschland und anderswo. Wer so etwas nicht zur Hand hat, drückt eine möglichst mit Bruchrille versehene Tablette in den gerundeten Boden eines Eierbechers. Fertig!
#3 am 12.02.2018 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  3
Gast
@1 teilen ist aber manchmal notwendig (gerade in der Geriatrie oder bei Patienten mit Niereninsuffizienzen müssen Dosierungen angepasst werden) und es gibt eine vielzahl von Hilfmitteln die das erleichtern. Zum Thema selbst: Ich hab so das eine oder andere Vögelchen was sich in diversen Verpackungseinrichtungen eingenistet hat zwitschern hören. Da läuft vieles nicht so ab wie es sollte. Die Geschichte von oben passt da gut in das was ich schon gehört habe rein. Klingt ziemlich nach jemand hat aus kostengründen Mist gemacht, die Leute am Telefon wissen von nix und versuchen jetzt zu retten was zu retten ist... man kann nur hoffen dass kein patient darunter leidet.
#2 am 12.02.2018 von Gast
  0
Gast
Teilen Sie einmal Tabletten mit Bruchrillen. Das, was dabei herauskommt, sind in den seltensten Fällen 2 gleiche Hälften. Ich halte das Teilen per se schon für einen Kunstfehler.
#1 am 11.02.2018 von Gast
  2
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Das neue Heilmittelgesetz ist da … und es bringt für Apotheker bei weitem nicht nur gewünschte Änderungen. mehr...
Irgendwie warte ich immer noch auf den öffentlichen, europaweiten Aufschrei. Aber bis jetzt ist die Medienlandschaft mehr...
Der Patient, den ich in der Apotheke habe, bezahlt grummelnd die 150 Franken für seine Medikamente. Er muss – er mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2018 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: