Ein Selfie, das noch lange juckt

06.02.2018

Selfies sind ein hartnäckiger, aber harmloser Trend. Dachte ich auch lange. Bis sich die Zahl der Kinder, die sich kopfkratzend in meiner Apotheke wiederfanden, verdächtig erhöhte. Immer öfter verbindet sie nicht nur ein gemeinsames Foto – sondern auch ein Lausproblem.

Etwas ungewöhnlich für die Jahreszeit ist es schon. Das Problem haben wir häufiger im Sommer: Die Läuse gehen wieder um, denn die Schulferien sind vorbei. Das Mädchen, das gestern bei uns in der Apotheke war, hatte die dicksten Viecher im Haar, die ich je gesehen habe. Riesig für eine Kopflaus.


Es ist klar, dass man eine Schule nicht total lausfrei halten kann. Aber um eine Kopflausepidemie einzudämmen und vor allem, um ständiges Wiederanstecken zu verhindern braucht es ein bisschen Koordination. Und zwar von Schule und Eltern. Wenn nicht alle gleichzeitig gegen die Läuse vorgehen und sie auf irgendeinem Schopf überleben geht die Ansteckung immer weiter.
 Manchmal würde ich gerne einen Brief an die Eltern verfassen:



Betreff: Kriechgetier


Liebe Eltern,


ich werde nicht um den heißen Brei herumreden: In der Klasse Ihres Kindes gibt es Kopfläuse.


Nun, nachdem Sie aufgehört haben zu schreien, sollten Sie wissen, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Wirklich.

Ernsthaft. Keine Panik! Das ist eine ziemlich verbreitete Angelegenheit. Kopfläuse sind sehr kleine Tierchen, die sich an die Kopfhaut Ihres Kindes anheften. Sie beißen in die Haut und saugen Blut. Diese Bisse jucken. Das ist es wahrscheinlich auch, worauf die Lehrerin der Kinder aufmerksam gemacht hat: dieses ständige Kratzen. 


Kopfläuse legen Eier, die am Haarschaft kleben und perlgrau aussehen. Sie ähneln ein wenig den Kopfschuppen. Wenn etwas, das aussieht wie eine Schuppe  am Haarschaft klebt und keine Tendenz zeigt sich zu lösen. Ja – dann sind es Eier beziehungsweise Nissen. Die Läuse selber sehen Sie übrigens selten – die sind zu flink.


Läuse übertragen sich von Person zu Person. Eine Übertragung durch geteilte Haarbürsten oder Mützen kommt vor. Heutzutage liegt es aber häufiger an den Selfies, wenn die Kinder zur Aufnahme die Köpfe zusammenstecken. Läuse können nur in unmittelbarer Nähe der Kopfhaut überleben.

Kopfläuse werden die nächsten Tage Ihres Lebens bestimmen, wenn Sie darauf aus sind, sie auszulöschen. Ich möchte daran erinnern, dass es Kakerlaken und Kopfläuse sind, die einen Nuklearschlag überstehen, also werden sie bei Ihnen zur permanenten Angelegenheit – außer man ist darauf vorbereitet alles zu tun, um sie loszuwerden. Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt!


Erster Schritt: Die Kontrolle, wer alles befallen ist. Dazu wäscht man der Person die Haare, befeuchtet sie am besten noch mit Conditioner und kämmt die Haare mit dem Läusekamm durch, den man immer wieder an einem Tuch abwischt. Da nasse Läuse in eine Art Schockstarre verfallen, kann man sie so entfernen und auf dem Tuch bestens erkennen. Der Fund auch nur einer Laus weist auf einen Befall hin. Diese Person muss behandelt werden. Vergessen Sie den Papa nicht – Wiederansteckungen sind häufig.


Zweiter Schritt: Wechseln Sie die Bettwäsche, wenn sie sich besser fühlen – nötig ist das allerdings nicht. Läuse, die sie außerhalb der Kopfhaut ihrer Familienmitglieder (oder anderer Menschen) finden, sind entweder tot oder auf dem besten Weg dahin. Kochen Sie Bürsten und Kämme aus. Schmeißen Sie das Lieblingsstofftier von ihrem Kind in den Trockner. Wenn das nicht geht, stecken sie es in einen Plastiksack und für ein paar Tage in die Garage – das Stofftier, nicht das Kind.


Dritter Schritt: Viele Läuse sind inzwischen gegen Loxazol oder Prioderm immun. Deshalb erstickt man sie heute mit Silikonöl – gegen Ersticken kann man nicht resistent werden. Zur Behandlung besorgen Sie sich aus der Apotheke ein Läuseshampoo und folgen den Anweisungen. Das bedeutet: Lesen Sie die Packungsbeilage und lassen Sie es lange genug einwirken. Versichern Sie sich, dass Sie den Kopf nach der Behandlung mit dem feinen Läusekamm sorgfältig durchkämmen, um so viele der Nissen wie möglich zu entfernen. Behandeln Sie jeden, der befallen ist oder alternativ alle Familienmitglieder gleichzeitig.

Ja, ich weiß, das ist ein Riesenaufwand. Tun Sie’s trotzdem. Ansonsten werden Sie es nämlich später eventuell mehrmals wiederholen müssen.


Einmal werden Sie es mit Sicherheit wiederholen müssen: nach 10–14 Tagen. Denn, wenn Sie nicht wirklich alle Nissen beim Auskämmen erwischt haben, können aus den paar, die die Behandlung unweigerlich überlebt haben, neue Läuse schlüpfen. Und die müssen Sie gleich erwischen, bevor sie anfangen sich wieder zu vermehren. Also: Geiches Prozedere wie oben – und dann war es das. Hoffentlich. Wenn das die anderen Eltern auch machen.


Wenn all das versagt, kann man immer noch den Kopf rasieren.


Das ist alles, was ich zum Thema Läuse loswerden musste.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Pharmama
 

Bildquelle: Pete, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.02.2018.

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Pharmazie
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Gast
Je wärmer es ist, desto früher müssen die Haare nochmal behandelt werden. Die Nissen entwickeln sich bei Wärme schneller. Nachdem wir 5 Jahre läusefrei den Kindergarten überstanden hatten, hat es uns am Vorabend des Adria-Urlaubs doch noch erwischt. Meine Tochter hatte Bindehautentzündung (natürlich erst abends nachdem der Kinderarzt schon zu hatte). Um die Nacht zu überstehen, holte ich ein Mittel aus der Apotheke. Beim Einträufeln habe ich dann die Viecher auf dem Kopf krabbeln sehen. Zum Glück hat unsere Apotheke abends länger offen. Nach der abendlichen Mammut-Haar-und-was-weiß-ich-nicht-alles-noch-Waschaktion dann am nächsten Tag nach dem Besuch beim Kinderarzt wegen der Bindehaut in den Urlaub gefahren. 11 Tage später Behandlung wiederholt. Zu spät. 2 Wochen später wieder Läuse. Und auch nach dem zweiten Mal Haare waschen an diesem Abend kämmten wir noch lebende Läuse aus den Haaren, was uns dazu bewog, noch einen dritten Waschgang mit einem anderen Mittel durchzuführen.
#14 am 20.02.2018 von Gast
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Gast
Ergänzend sollte man Couch und nicht zu vergessen Autositze staubsaugen.
#13 am 16.02.2018 von Gast
  0
Gast
Wieso weisen Sie zu Recht darauf hin, dass es nicht nötig sei, die Bettwäsche zu wechseln, aber empfehlen die Kuscheltiere zu behandeln? So ein Unfug! Eine guter Tipp an die meist gestressten Mütter ist: www.pediculosis-gesellschaft.de
#12 am 15.02.2018 von Gast
  1
Danke für diesen Satz "Viele Läuse sind inzwischen gegen Loxazol oder Prioderm immun", der beantwortet meine Frage aus einem anderen thread. Meine Töchter wie fast alle Mädchen mit langen Haaren, hatten übrigens viel zu viel Angst vor Ansteckung , die hätten nie die Köpfe mit anderen Kindern zusammengesteckt, wenn Läuse in der Klasse rumgingen, die nahmen auch ihre Mäntel und Mützen an ihren Platz. Nissen auskämmen ziept nämlich fürchterlich.
#11 am 14.02.2018 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
  1
Wir hatten mal das "Vergnügen" durch einen besiedelten Schutzhelm bei einer Bergwerksbesichtigung..... Hält man sich bis dahin für psychisch stabil, ist es dann sehr interessant an sich Symptome der Paranoia zu entdecken (Oh mein Gott, die sauteure Couch, die gerade ein halbes Jahr alt ist mit den tollen Kissen.....) Zwar schon vor 10 Jahren passiert waren diese Biester doch extrem wehrhaft gegen die üblichen Mittel. Vom Kinderarzt kam der Tipp mit der Haarfarbe. Das hat den Zirkus dann wirklich beendet.
#10 am 14.02.2018 von Dipl.-Psych. Andrea Kolb (Heilpraktikerin)
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Die Anwendung als Spray wird als problematisch angesehen, weil der Sprühnebel unabsichtlich eingeatmet werden kann. Da die Sprays brennbar sind, ist in der Nähe von offenen Flammen (z.B. Gastherme im Badezimmer) besondere Vorsicht geboten. Alle dimeticonhaltigen Mittel sind brennbar. Behandelte Haare sind leichter entflammbar. Vermeiden Sie sicherheitshalber von der Anwendung bis zum Ausspülen die Nähe zu offenen Flammen (Kerze, Feuerzeug, Gastherme, Gasherd) sowie die Nähe zu glühenden Gegenständen (z.B. Fön). Es sind bereits Fälle von Verbrennungen dokumentiert. Es reicht eine Kerze oder Zigarette in Kopfnähe. Diese Brände sind fast nicht zu löschen und verursachen fürchterliche Verbrennungen im Gesicht- und Kopfbereich. Diese Information wurde in einem Vortrag auf dem diesjährigen DAV2018 Dt. Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsmedizin in Garmisch Partenkirchen deutlich kommuniziert und anhand mehreren Patienten - Bsp. In verschiedenen Brandverletztenzentren in Deutschland belegt.
#9 am 13.02.2018 von Sabine Haas-Schinzel (Ergotherapeutin)
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Gast
So lange die Läuse noch keine Selfies für ihre Nissen machen!
#8 am 13.02.2018 von Gast
  2
Gast
#4 die Laus läuft beim Selfie von Kopf zu Kopf.
#7 am 13.02.2018 von Gast
  0
Gast
#1 und #3 Ich kann Ihnen leider aus persönlicher Erfahrung sagen, dass es sich hierbei um ein Gerücht handelt. Da ist der Wunsch der Vater des Gedanken.
#6 am 13.02.2018 von Gast
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Ein Rundflug oder eine Unterdruckkammer sollten hier auch helfen, zumindest für Stofftiere etc. ist es eine brauchbare Methode sie in einen der üblichen Unterdruckbeutel für Staubsauger zu packen, und diesen zu vakuumisieren (Staubsauger).
#5 am 13.02.2018 von Stefan Lorengel (Chemiker)
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Gast
was hat ein selfie mit der laus zu tun?!
#4 am 13.02.2018 von Gast
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ja, die Viecher mögen keine Farbe- keine chemische und die biologische aus dem Reformhaus alternativ Bioladen auch nicht. Das mit dem conditioner und dem auskämmen sollte man trotzdem machen- jeden Tag mindestens eine Woche und dann nach einer Woche nochmal
#3 am 13.02.2018 von Lydia Wolf (Ärztin)
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Gast
Wer eine Sauna im Haus hat, kann alle verdächtigen Kuscheltiere, Bettdecken usw. für eine Stunde bei 100°C in die Sauna legen, das überleben nur wenige. Menschen gehen ja nur etwa 10 Minuten bei dieser Temperatur in die Sauna, aber das an einem Abend und am anderen das Läuseshampoo angewendet, schwächt sie von mehreren Seiten. 4-6 Wochen harte Arbeit, dann ist das Thema Läuse durch. Seit wir das ein Mal durchgestanden haben, wird jeder, der im Ferienlager usw. war, danach prophylaktisch mit einem elektrischen Ungezieferkamm durchgekämmt, bevor er wieder ins Haus geht. Wir hatten das Problem danach nie wieder.
#2 am 13.02.2018 von Gast
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Lehrerin
Ich hatte das Problem zwar nie selber, habe mir aber von Kolleginnen erklären lassen - Haarefärben tötet die Brut auch radikal ab. Stimmt das?
#1 am 07.02.2018 von Lehrerin (Gast)
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