Cochrane Review' s Personal DocCheck-Up

17.10.2012
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Die Vorsorge-Untersuchung meines Patienten Cochrane Review, der sich auf Empfehlung seiner Krankenkasse in meiner Praxis vorstellt, ergibt dramatische Hypothesenschwäche, Logikprobleme, Schlussfolgerungsinsuffizienz und hochgradige Logorrhoe. Schon bei der Anamneseerhebung konfabuliert er über seinen persönlichen Hintergrund ("Background"): „Generelle Gesundheitschecks sind übliche Elemente der medizinischen Versorgung in einigen Ländern. Sie zielen darauf ab, Krankheiten und Risikofaktoren für Erkrankung zum Zwecke der Verringerung von Morbidität und Mortalität zu detektieren. Die meisten der üblicherweise für umfassende Gesundheitschecks angebotenen Screening-Tests waren unvollständig untersucht worden. Außerdem führt dieses Screening zu vermehrter Anwendung von diagnostischen und therapeutischen Interventionen, die ebenso schädlich wie vorteilhaft sein können. Daher ist es wichtig, zu beurteilen, ob allgemeine Gesundheitschecks mehr Gutes als Schädliches bewirken.“("General health checks are common elements of health care in some countries. These aim to detect disease and risk factors for disease with the purpose of reducing morbidity and mortality. Most of the commonly used screening tests offered in general health checks have been incompletely studied. Also, screening leads to increased use of diagnostic and therapeutic interventions, which can be harmful as well as beneficial. It is, therefore, important to assess whether general health checks do more good than harm.")Hier lässt der Patient bereits Wesentliches unter den Tisch fallen. Denn in 80-90 % dienen Gesundheitschecks gar nicht dazu, Krankheiten und Risikofaktoren zu erkennen, sondern dieselben a u s z u s c h l i e ß e n und das o h n e jede Gefährdung, da weiterführende Diagnostik oder Therapie e n t f a l l e n. Screening-Tests müssen ihre Sensitivität und Spezifität beweisen. Sie haben nur bei den wenigen Positivbefunden Konsequenzen, bei viel häufigerem Negativstatus aber k e i n e. Bereits bei den Hintergrunddaten des Patienten Cochran Review zeigt sich ein unlogischer Widerspruch, dass ein Screening vermehrt Interventionen nach sich ziehen würde, obwohl dies nur 10-20 % der Untersuchten betrifft, während 80-90 % der Screening-Patienten aufatmen dürfen, weil sie keine Befunde haben. Bei der Abschlussbesprechung ("Author’s conclusion") bleibt der Patient Cochrane Review uneinsichtig bis beratungsresistent. Er behauptet steif und fest, dass die durchgeführten Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen seine ihn betreffende Morbidität und Mortalität weder generell noch kardiovaskulär oder krebsbezogen reduziert hätten - ich hätte ihm nur eine große Anzahl neuer Diagnosen angehängt.("General health checks did not reduce morbidity or mortality, neither overall nor for cardiovascular or cancer causes, although the number of new diagnoses was increased."). Auf meine Vorhaltungen, die Gesundheitschecks könnten ihm doch keinesfalls zur Unsterblichkeit verhelfen, reagierte Cochrane Review äußerst aufgebracht. Er drohte, bei der KV, Ärztekammer, KBV, dem Spitzenverband Bund der GKV und bei DocCheck Beschwerde über mich einzureichen.

Qelle: „General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease”

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD009009.pub2/abstract

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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