Exklusivrecht für die Hausarztvene

03.02.2018

Schon lange keine Kanülengeschichte mehr. Nun denn: Im hintersten Winkel des Klinikums Beteigeuze wohnte Frau Mipfzel. Frau Mipfzel hatte ein hässliches Erysipel am linken Bein und benötigte deswegen dringend eine intravenöse Antibiose. Für so eine Antibiose braucht man eine Kanüle und just diese versagte am Samstagmittag ihren Dienst.

Eine neue Kanüle musste her, die Krankenschwester vom Dienst machte dem Dienstarzt Stress und etwas verspätet (denn Samstagmittag ist jetzt nicht der ultimative Ort der Ruhe in so einer Klinik) eilte ich in Frau Mipfzels Zimmer.
 Frau Mipfzel begrüßte mich mit einem tiefen Seufzer und schob gleich hinterher, dass ihr Hausarzt beim Blutabnehmen jedes Mal treffen würde.

Nach dieser ominösen Aussage deutete sie auf die glorreiche Hausarztvene und bestand darauf, dass HIER die neue Kanüle hinkam. Die glorreiche Hausarztvene war leider im Laufe des Klinikaufenthaltes ziemlich verstochen worden und ich deutete an, dass man an einer anderen Stelle vermutlich eher Erfolg haben würde.

War ihr egal. Hier müsse die Kanüle hin. Nicht sonderlich überzeugt ließ ich mich zu einem Kanülenanlageversuch in die malträtierte Vene überreden, der prompt schiefging. Frau Mipfzel seufzte erneut sehr tief und genehmigte das potenzielle Kanülenanlagegebiet auszuweiten, nur um zwischendurch laut zu rufen: „Nein, nein, da nicht! Da auch nicht. Warum legen Sie die Kanüle nicht hier an?!!“

„Öh, weil Sie an dieser Stelle keine Vene haben?“

„Dann müssen Sie halt suchen!“

Frau Mipfzel schimpfte weiter, dass sie jetzt schon so lange auf die Kanüle warte und die Schwester hätte außerdem den versprochenen Tee immer noch nicht gebracht.
Ich erklärte, dass am Wochenende einfach nicht so viel Personal da wäre. Da daure vieles etwas länger. Dann wollte ich eine Vene anstechen, die am Rande des von Frau Mipfzels definierten Kanülenanlagegebietes lag.

Nein, nein da könne keine Kanüle hin, erklärte meine Patientin sofort empört, ich solle gefälligst weitersuchen. Im Anschluss stieß sie noch einen weiteren abgrundtiefen Seufzer aus. Ich überlegte, einfach das Zimmer zu verlassen und nur der Gedanke daran, dass Frau Mipfzel die Antibiose wirklich brauchte, hielt mich davon ab.

Frau Mipfzel erzählte mir derweil, dass sie schon viel mehr Erfahrung als ich mit Krankenhäusern hätte und mir sagen könne, dass in so einem Krankenhaus unglaublich viel Leerlauf herrsche. Es sei daher gar nicht nachzuvollziehen, warum der Tee noch nicht gekommen sei oder warum das mit der Kanüle so lange daure.
Zum Glück fand ich dann noch eine kleine wenig vertrauenswürdige Vene, die der Patientin gefallen hatte und welche zum Glück mit einer winzige Kanüle bestückt werden konnte.

Frau Mipfzel seufzte dann nochmals missmutig und ich sagte, dass das Leben eben hart sei und ich würde die Schwester mit dem Tee gleich schicken. Dann floh ich aus dem Zimmer.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 07.02.2018.

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Medizin, Innere Medizin
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Gast
"Nicht sonderlich überzeugt" - dann tun Sie es nicht! Und aus dem Krankenzimmer fliehen, ohne dass Sie in Gefahr sind, geht auch nicht. Als Assistenzärztin üben Sie das Hausrecht aus. Arbeiten Sie an Ihrer Körpersprache, neudeutsch "Performance".
#24 am 23.02.2018 von Gast
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Gast
Ich kenn das Leid mit den "verbrauchten" Venen auch... Mein Trick waren dann immer noch die Füße, da gibt es auch noch gute Venen und die sind selten "zerstochen". Das Verrückteste was ich gelegt habe war ein Zugang so mittig Unterschenkel in eine oberflächliche Vene... (normal hätte ich da längst gefragt ob wir das nicht anders lösen können aber in diesem Falle waren wirklich alle anderen Optionen aufgebraucht oder nicht praktikabel und ein i.v. medikament war wirklich nötig... Der Patient hat es mit Humor genommen.)
#23 am 15.02.2018 von Gast
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Gast
Tja, schlechte Venen habe ich reichlich. Jedenfalls an dem Arm, an dem gestochen werden darf - beim anderen sind axiläre Lymphknoten entfernt worden und sollte nicht angestochen werden. Und ich kenne die verzeifelten Blicke und das Klopfen auf die Venen, die da so gar nicht wollen. Ich werde immer gefragt, welche Vene denn sonst angestochen wird - leider ist es nicht immer die gleiche, die denn auch was hergibt. Ich habe da schon ganz schön Personal verschlissen, wenn dann der/die Dritte sich versucht, aber was muss das muss. Mit beruhigendem Zureden versuchen es manche dann doch auch noch ein viertes Mal oder nehmen auch ganz fiese Stellen. Denen tut das viel mehr weh wie mir :) Eine ganz alte Schwester (ehrenamtlich noch tätig) hat beim Blutspendedienst (damals durfte ich noch) immer auf Anhieb getroffen. Warum auch immer :)
#22 am 14.02.2018 von Gast
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Gast
@18, ein Butterfly ist halt nunmal auch kein Zugang
#21 am 11.02.2018 von Gast
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Einige der Besserwisser haben sicher noch keine Zugänge gelegt und Blut abnehmen ist auch weniger aufwendig, dazu braucht im Notfall die Vene nur etwas angestochen zu werden, und falls es mal zufällig eine Arterie trifft, wird´s der Pat. auch nicht merken. Ich habe schon gestandene Anästhesisten verzweifeln gesehen beim Versuch, einen peripheren Zugang zu legen, nur sind deren Patienten zumeist gut prämediziert und leifern keine "aufmunternden" Kommentare. Das macht´s deutlich entspannter .
#20 am 10.02.2018 von Heinz-Jürgen Mäckler (Arzt)
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Gast
@18) Kann ich verstehen aber irgendwann müssen die Kollegen das Stechen lernen. Und nen schlechten Tag hat jeder Mal. Kann verstehen dass es ärgerlich ist wenn man entweder der betroffene ist oder der "letzte in der Reihe" aber ist nun mal manchmal so.
#19 am 10.02.2018 von Gast
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Gast
Als Anästhesist und Notarzt komme ich bei vielen Venengeschädigte herum. Was man da an zerstochenen Venen sieht, die irgendwelche Kolleginnen und Kollegen nebst Pflegepersonal zerstochen hat, hinterlässt bei mir mehr wie ein Stirnrunzeln. Anstatt herum zu puhlen, sollte man das Stechen Leute überlassen, die davon Ahnung haben. In meinen Bekanntenkreis gibt es einen Arzt, der sticht als Einhänder besser wie so manche Zweihänder. Zu der Patientin, bei so einer Gattung Mensch muss man viel Geduld mitbringen. Noch etwas zu dem Bild, bzw. Text, müsste es nicht heissen, in den Armen? An den Armen bringt nichts.
#18 am 10.02.2018 von Gast
  10
Ich erinnere mich noch mit Schrecken an die Nacht in der ich mit starken Wehen in die Klinik kam, und mir eine gelangweilte Ärztin (Dr. Soundso) einen butterfly in den Handrücken rammte. AUTSCH! Ein dickes hämatom begann sich abzuzeichnen als sie sich schnell für den Fehlstich entschuldigte und ich ihr meine andere Hand zum 2. Anlauf überließ. Mist! Wieder nichts! Sie war nicht erfreut zu hören daß ich mich weigerte mich von ihr zerstechen zu lassen. Eine halbe stunde später hatte eine entspannte Krankenschwester in Null Komma Nichts den Zugang gelegt und ich bin fleißig im Zimmer auf und ab gelaufen um die Cervix dilatation zu beschleunigen :) 5 Stunden später war dann mein Sohn da. Die Hämatome hatte ich noch 10 Tage später an beiden Handrücken.
#17 am 08.02.2018 von Nicole Josan (Heilpraktikerin)
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Mit ein wenig Übung kann man sich durchaus selber einen Venenverweilkatheter einhändig in die Wunschvene legen.^^
#16 am 08.02.2018 von Annika Diederichs (Tierärztin)
  1
Gast
@11: Wirklich? Handvene hat bei mir nie wirklich weh getan. die Vene über die Radialseite des Handgelenkes dagegen? Autsch (okay, es war vermutlich auch nicht die Vene an sich sondern dass die junge Kollegin etwas zu tief und am Periost lang schrammte. Seit dem bin ich da etwas abgeneigt dieser Vene gegenüber.
#15 am 08.02.2018 von Gast
  0
Also ich bin auch ein sportlicher Rollstuhlfahrer. Aber eine Kanüle in der Handvene hat mir noch nie Probleme bereitet. Aber Patienten, die glauben, sie hätten von meinem Job als Ergotherapeuten und Heilpraktikerin mehr Ahnung und Erfahrung als ich nach ca. 30 Jahren kenne ich zur genüge. Dr. Google sei dank.
#14 am 08.02.2018 von HP Annette Uebach (Heilpraktikerin)
  7
Gast
Ich bin auf den Rollstuhl angewiesen und nutze diesen sehr sportlich, leider mögen das viele Kanülen nicht und Ärzte denken darüber nicht nach. Handrücken und Ellenbeuge führen meist zu Problemen. Der mittlerweile notwendige Port musste umgelegt werden, weil sich meine Schulter zu viel bewegt. Hätte man mir direkt zugehört, dann wäre das nicht nötig gewesen. Schade, dass dem Patient viel zu oft die Kompetenz abgesprochen wird.
#13 am 07.02.2018 von Gast
  0
Gast
Mann hatte Doc eine Engelsgeduld. Oft hilft bei solchen Flatus in Cerebri ein hoher Einlauf ein Taxi nach Hause und orales Pen. Die Erreger sind in der Regel hoechstempfindlich . Welcome welcome . Das gehört in die Propaedeutik dann brauchen wir keinen Numerus Claus.
#12 am 07.02.2018 von Gast
  27
Gast
Die Handvenen sind keine schlechte Idee, besser zu finden und zum Anstechen optimal. Man sollte nur immer eine Flasche Xylocain Spray in der Tasche haben, da dieser Zugang auch mehr Schmerzen erzeugt.
#11 am 07.02.2018 von Gast
  7
Gast
Ich hab eher das Gegenteil, Venen die zwar gut aussehen aber nix fördern. Ist bei mir dummerweise die "Anästhesisten-Vene" auf der linken Seite... mich haben schon viele komisch angeschaut wenn ich sagte sie sollen die Handvenen nehmen und die vermeintlich sichere Vene in Ruhe lassen. Manche hören. Manche nicht. ich mache mittlerweile Wetten mit den PJlern die bei mir ziehen müssen.
#10 am 07.02.2018 von Gast
  0
Gast
@#8 Das ist aber wirklich manchmal die Ursache. Ich hab auf der Rheuma stechen gelernt (und bitte sehen sie es den jungen Kollegen nach. Irgendwann müssen die es lernen und Trockenübungen bringen nix.) und manchmal war aus den Venen nix mehr zu holen und manchmal war es nach 2 Gläsern Wasser dann doch ergiebiger. (Man muss aber auch sagen, normal gilt die Regel "jeder hat 3 Versuche", dass einer allein mehr als 3 mal sticht ist selten... passiert eigentlich nur wenn niemand anderes zum Blutziehen da ist) Oder manchmal hat der "Stecher" einfach einen schlechten Tag. Gehört halt zum Krankenhausalltag (und ja, ich bin sehr oft Versuchsobjekt bevor ich Studenten an Patienten lasse: Ich habe nämlich recht gute Venen zum üben ;) aber selbst dann geht es auch mal schief.)
#9 am 07.02.2018 von Gast
  0
Gast
Nachdem ich mal von einer Anfängerin an beiden Armen völlig zerstochen war, und nix kam, wobei normalerweise (ca. 1x/A) bei einem Stich alles prächtig fließt, hieß es, ich hätte nichts getrunken. Ich dachte bisher, das sei mehr ein urologisches Problem.
#8 am 07.02.2018 von Gast
  21
... warum keinen hübschen kleinen ZVK? da hat man bei richtiger Pflege lange Ruhe und auch gleich eine Möglichkeit die regelmäßigen Blutentnahmen zu machen.
#7 am 07.02.2018 von Dr. med. Andreas Wolff (Arzt)
  23
Gast
Man muss immer zwischen ambulant, gerade stationär aufgenommen und Dauergast unterscheiden. Bei den letzten sind meistens die Geheimtippvenen verbraucht. Da bleibt mir nur die Option „Lächeln, dem Patienten Mut zusprechen und Stauen“. Meistens ist die Lage gar nicht so schlecht!
#6 am 07.02.2018 von Gast
  2
Gast
Ich bin ebenfalls mit sehr anspruchsvollen Venen bestückt und nehme mir als MFA heraus, die Lokalität vorzuschlagen. Immerhin sind es meine Venen und bisher sind alle damit gut gefahren. Ich muss aber zugeben: der Ton macht die Musik. Und leider...mein Hausarzt kann es nicht. Aber sein Personal umso besser.
#5 am 07.02.2018 von Gast
  2
Netter Artikel und leider nur allzu oft wahr. Wir fragen mittlerweile, welcher der "spendable" Arm ist. Viele Patienten (wir haben aber auch einen hohen Anteil an chronisch / schwer kranken Patienten mit einem langen Leidensweg) wissen in der Tat wo es besser oder schlechter geht. Und der ominöse Aufbau von Druck (mein Hausarzt trifft IMMER...) ist natürlich nicht von Vorteil. Letztendlich lege ich aber als Therapeut den Ort des Geschehens, sprich die Punktionsstelle fest. Wenn ich eine andere Stelle bevorzuge reicht im Regelfall auch eine kleine Erklärung. Der Dialog zeigt sich da immer noch als sinnig.
#4 am 07.02.2018 von Kerstin Dinse (Heilpraktikerin)
  3
Gast
Es schadet aber durchaus nicht, dem Patienten bei der Auswahl einer geeigneten Stelle zuzuhören. Meine Ehefrau hat durchaus sehr schwierige Venen, mit denen sie schon so manches Mal den Betrieb im Krankenhaus oder der Arztpraxis zum Erliegen gebracht hat. Mittlerweile kennt sie aber auch die guten Stellen, muss aber auch endlose Diskussionen mit unerfahrenen Pflegekräften führen, die ihr nicht glauben wollen.
#3 am 07.02.2018 von Gast
  9
Unfallchirurg
Oh ja... auch ich liebe diese Patienten, die zwar "Venen-öd-und-leer" sind, mich aber vor meinem ratlos-suchendem Stich mit den Worten ermuntern, dass ihr Hausarzt IMMER bei ihnen problemlos Blut abnehmen kann ... Seuftzzzz
#2 am 07.02.2018 von Unfallchirurg (Gast)
  5
ist mir schon oft genauso ergangen ;-)
#1 am 07.02.2018 von Dr. med. Yves Steinmetz (Arzt)
  3
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