ADHS regiert die (neue) Welt

01.02.2018

Ist es möglich, eine Diagnose zum merkwürdigen Verhalten des US-amerikanischen Präsidenten zu stellen? Hier sind einige Gedanken dazu...

In letzter Zeit wird viel über den Geisteszustand von Donald Trump spekuliert. Von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung und einem Anfangsstadium einer Demenz war die Rede ebenso wie von Paranoia und weiteren Diagnosen bzw. Symptomen. Die Medien überschlagen sich in Ihrer Berichterstattung zum kürzlich erfolgten Gesundheitscheck, bei dem er auch beim kognitiven Test 30 von 30 Punkten erreicht haben soll. Psychiater warnen vor der schnellen Ferndiagnose, die ja laut „Goldwater Rule“ nicht durchgeführt werden sollte.

Allerdings gibt es wenig Menschen, von denen so viele Videos mit Reden, Interviews und TV-Shows existieren wie von Donald Trump. Eventuell lässt sich hiervon schon eine Diagnose ableiten, zumal Psychiater ja auch nicht viel mehr in Ihrem Diagnostikkoffer haben als die bloße Beobachtung nach Stellen von Fragen. Immerhin sind sie die einzigen Fachärzte, die sich das Organ, das sie behandeln, nicht auf Bildern anschauen -

Eine Diagnose erscheint vielen Experten des Gebietes sicher, nämlich die der narzisstischen Persönlichkeitsstörung [1]. Donald Trump ist ein Lehrbuchfall einer solchen Störung, die die ständige Überhöhung des eigenen Ichs verlangt und hierzu auch das Abwerten von Mitmenschen einsetzt. Kritik an der eigenen Person kann von Menschen mit Narzissmus nicht ertragen werden und muss abgewehrt werden, um das Selbstbild zu schützen. Zum Narzissmus gehört auch das Verbiegen der Wahrheit bis zum pathologischen Lügen, um das Selbstbild zu wahren und um die Ziele zu erreichen, die einzig und allein der Befriedigung des eigenen Ruhms dienen. Wir finden alle Elemente des Narzissmus nach DSM-5 bei Trump wieder. Es kann schon zum amüsierten Abonnieren seines Privataccounts auf Twitter einladen, um mitzuerleben, wie er es selbst als Präsident der Vereinigten Staaten nicht aushält, von Lokalpolitikern oder Fernsehmoderatoren kritisiert zu werden und innerhalb weniger Stunden mit Abwertung des Angreifers reagieren muss.

Aber wie passen jetzt die anderen zu beobachtenden Verhaltensweisen wie z. B. die hohe Impulsivität, seine teils konfus wirkenden Handlungen und das Chaos im White House [2] zu dem Narzissmus? Natürlich gar nicht, wenn man ihn mit anderen, deutlich besser strukturierten Narzissten wie z. B. Putin vergleicht. Und auch viele Krankenhausabteilungen wären nicht erfolgreich, wenn ihre (häufig narzisstisch strukturierten) Chefärzte ähnlich desorganisiert agieren würden wie Trump.

Die Vermutung einer beginnenden Demenz lässt sich an dieser Stelle weder widerlegen noch erhärten. Sie stützt sich auf Indizien, wie Reden oder Videoaufnahmen. Es sei ersichtlich, dass er in seinen Reden immer wieder die gleichen Themen aufgreife und sich dabei oft wiederhole. Auch sein Sprachschatz sei klein und womöglich um eine beträchtliche Anzahl Wörter geschrumpft [3]. Videos belegen, dass er oft in Situationen desorientiert wirkt [4]. Z. B. war er nach einer Rede nicht in der Lage, zu erkennen, wo seine Präsidentenlimousine war, obwohl diese direkt vor seiner Nase stand.

Allerdings kann man Interviews aus den 80ern als Videos finden, bei denen er schon die gleichen Themen und Motive hatte und die Sätze ähnlich formulierte und sein Sprachschatz auch nicht gerade gewaltig schien [5].

Folgende Symptome und Eigenarten zeichnen aber eventuell ein ganz anderes Bild und könnten daher auf eine bislang gänzlich unvermutete Diagnose hinweisen. Donald Trump zeigt ein hohes Maß an Impulsivität, Unaufmerksamkeit, Gereiztheit und Hyperaktivität. Seine Aufmerksamkeitsspanne dürfte der eines Goldfischs gleichkommen, glaubt man den Berichten. Sein von ihm Ende der 80er publiziertes Buch „The art of the deal“ hatte er laut seines Ghostwriters kein einziges Mal gelesen, geschweige denn irgendein anderes [6]. Bei Interviews zu diesem Buch konnte er nicht über längere Zeit still sitzen, so dass der Autor dazu überging, Trump einfach nur bei dessen unzähligen Telefonaten zuzuhören [7]. Ebenso beklagen White House Mitarbeiter, dass er nicht mal einer PowerPoint Präsentation folgen könne. Für Trump uninteressanten Themen wie das Lernen des Grundgesetzes kann er also nicht folgen, während er auf Themen, die ihn stimulieren, hyperfokussiert bzw. für wichtigere Ereignisse nicht gedanklich beiseitelegen kann. Sein Hyperfokus liegt dann z. B. auf dem Thema „fake news“, welcher so viel Raum einnimmt, dass er wichtige politische Themen komplett vernachlässigt.

Seine Impulsivität zeichnet sich dadurch aus, nicht wie der „normale“ Mensch eine Entscheidung auch einmal über einen längeren Zeitraum abwägen zu können, er giert quasi nach einer sofortigen Bedürfnisbefriedigung. Die Impulsivität und die Suche nach immer neuen „Kicks“ führte neben der anfänglichen vom Vater vorgelebten Karriere als Immobilienmogul zu ständig neuem „beruflichen Stoff“ wie das Betreiben von Casinos, den Kauf der „Miss Universe Wettbewerbe“ und zum Antreten als TV Reality Star („The Apprentice“).

Offensichtlich ist Donald Trump wenig dazu in der Lage, seine Emotionen gut selbst zu regulieren. Schon als Kind hatte er einen Hang zur Delinquenz und oppositionellem Verhalten. Mit 13 Jahren wurde er von seinem Vater Fred auf eine strenge Miltitärakademie geschickt, weil er diesen nicht mehr im Griff hatte. Er zeigt auch ein gewisses Maß an Unruhe und Hyperaktivität. Er sei

Der Symptomenkomplex von Aufmerksamkeitsdefizit, Impulsivität, schwache Selbstregulation und ggf. Hyperaktivität ist typisch für das Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivität Syndrom, kurz ADHS. Dieses persistiert bei etwa der Hälfte der Kinder auch in das Erwachsenenalter. Es ist keine Erkrankung, sondern eine „andere neurobiologische Anlage“ des Gehirns und sorgt u. a. durch die beeinträchtigte Übertragung des Belohnungshormons Dopamin für ein insgesamt heruntergeregeltes Belohnungssystem, was den Betroffenen oft unzufrieden sein lässt, eine schlechtere Selbstwahrnehmung beschert und zwingt, „mehr“ für sein Dopamin zu leisten als neurotypische Menschen, um eine Zufriedenheit zu spüren.

ADHS sorgt nicht nur oft für Schwierigkeiten in der Ausbildung und im Beruf, sondern auch für Probleme in der Partnerschaft und Beziehung, weil Partner von ADHS’lern häufig mit der Desorganisation und der Impulsivität des Betroffenen überfordert sind und das Gefühl haben, ein (weiteres) Kind zu mitzuversorgen [10]. ADHS’ler haben eine höhere Rate an Trennungen und Scheidungen – Melania ist die dritte Ehefrau von Trump. 40-80% der ADHS’ler haben weitere psychiatrische Diagnosen wie Angststörungen und Depressionen – kein Wunder, wenn das Belohnungssystem schon durch Veranlagung heruntergeregelt ist. Wie in einem kürzlich veröffentlichten DocCheck Artikel steht, ist auch eine narzisstische Persönlichkeitsstörung für ADHSler nichts Außergewöhnliches [8]. Leider ist ADHS im Erwachsenenalter in Deutschland unter Psychiatern noch viel zu wenig bekannt und viele Betroffene werden aufgrund der teils schweren Angststörungen und Depressionen jahrelang mit suboptimalen Medikamenten und/oder mit Psychotherapien versorgt, von denen der ADHS’ler aufgrund seiner speziellen Neurobiologie oft wenig profitiert. Die Psychiater oder Psychotherapeuten sind dann rat- oder hilflos, weil der Patient „immer so unruhig ist“ trotz der Achtsamkeitsübung und ihm scheinbar der Wille fehlt, „an sich zu arbeiten“.

Aufgrund des niedrigen Dopamins therapieren sich dann die meisten Betroffenen selbst und zwar mit extremen Aktivitäten oder Substanzen, die die Dopaminausschüttung begünstigen, v. a. Nikotin, Koffein, Alkohol oder andere Drogen. Hierzu passt, dass Donald Trump 12 Dosen Cola light am Tag trinkt [9].

Was heißt das nun für USA, die Welt und nicht zuletzt für Donald Trump? Ein ADHS ist sicherlich kein Ausschlusskriterium für eine Präsidentschaft, zumal einige Menschen mit ADHS sehr erfolgreich im Beruf sind. Allerdings würde Trump sicherlich von einer Therapie mit einem Stimulanz wie Methylphenidat und von einem Coaching eines Experten profitieren. Im besten Fall könnte es seine Impulsivität senken, seine Aufmerksamkeit auf Dinge lenken, die wirklich politisch relevant sind, sein oppositionelles Verhalten schwächen und seine Empathie stärken. Und dadurch könnte nicht nur er ruhiger werden, sondern auch der Rest der Welt wieder besser schlafen.

Quellen:

[1] http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-02/donald-trump-psychologie-narzisst-diagnose

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Fire_and_Fury:_Inside_the_Trump_White_House

[3] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/donald-trump-leidet-der-us-praesident-an-demenz-kolumne-a-1156203.html

[4] https://www.youtube.com/watch?v=3ydWzTnD7Fw

[5] https://www.youtube.com/watch?v=SEPs17_AkTI

[6] http://ew.com/books/2017/01/25/trump-does-not-read-books-report/

[7] https://www.washingtonpost.com/posteverything/wp/2017/05/16/i-wrote-the-art-of-the-deal-with-trump-his-self-sabotage-is-rooted-in-his-past/?utm_term=.47541f3f8540

[8] http://news.doccheck.com/de/198021/adhs-bleibt-selten-allein/?utm_source=news.doccheck.com&utm_medium=web&utm_campaign=DC%2BSearch

[9] https://edition.cnn.com/2017/12/11/health/diet-coke-trump-health-effects/index.html

[10] https://www.amazon.de/You-Me-Adult-D-D-Attention/dp/1452655405

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.02.2018.

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