Kleine Medikamentenodyssee - weshalb ständige Wechsel nicht gut sind

31.01.2018

Die Geschichte einer kleinen Medikamentenodyssee. Eine ältere Frau (Typ Grossmutti) nimmt diese Dauermedikation wie vom Arzt verschrieben:

Es handelt sich dabei um Medikamente gegen erhöhten Blutzucker, Cholesterin, Blutdruck und ein Blutverdünner. Irgendwann stürzt die Frau und muss einige Tage ins Krankenhaus. 

Dort wird die gleiche Medikation so gegeben:

Man beachte die kursiv geschriebenen Medikamente: Sie entsprechen der Medikation vor dem Krankenhausaufenthalt in puncto Wirkstoff, aber es sind die Medikamente von anderen Firmen – diejenigen, mit denen das Krankenhaus Verträge hat.

Bäumchen, wechsel dich …

Das macht der Patientin in der Klinik erstmal wenig. Sie bekommt die Tabletten ja täglich in kleinen Plastikgläschen zum Schlucken vorgesetzt. Höchstens ist sie etwas verwirrt, dass diese Pillen die gleichen wie zuvor sein sollen, weil sie etwas anders aussehen – aber das wird schon so stimmen.

Dann kommt sie zum Wiederaufbauen in die Reha, wo sie ihre Medikamente weiter nehmen muss – und werden dort folgendermaßen zusammenstellt:

Danach kann sie erstmal wieder nach Hause. Sie bekommt ein Rezept mit, das sie in der nächsten Apotheke einlöst, damit sie bis zum Besuch beim Hausarzt genug Medikamente hat.

Als sie in der Praxis ist, unternimmt der Hausarzt den löblichen Versuch, die Medikamentengabe etwas zu vereinfachen, indem er dies verordnet:

Er hat also die Blutzuckermedikation (das Metformin und Diamicron) in einer Tablette „zusammengefasst“, das Janumet ist ein neueres Kombinationspräparat.

Gedächtnistraining in Tablettenform

Man muss hoffen, dass die Frau auch nach dem Sturz noch alle Sinne zusammen hat und die perfekte Übersicht über ihre Medikation. Denn wenn sie Pech hat, hat sie von demselben Medikament jetzt Mehrfachpackungen oder Reste von angefangenen Packungen zu Hause mit unterschiedlichen Namen: Metfin 850, Glucophage 850mg und Metformin Mepha 850mg: Das ist im Prinzip alles dasselbe. Zusammen mit dem Janumet 60/850 sollte sie es auch nicht nehmen, denn auch darin ist derselbe Wirkstoff.

Das gilt ebenfalls für Co-Valsartan Sandoz 160/12.5, Co-Diovan 160/12.5 und Valsertan HCT Actacis 160/12.5 – alles dasselbe, auch wenn die Namen unterschiedlich sind und die Tabletten immer anders aussehen.

Die Stammapotheke kann in einem solchen Fall helfen. Indem sie die Übersicht über die auch von verschiedenen Ärzten oder Institutionen verordneten Medikamente behält. Indem sie (nach Möglichkeit) bei einem (bekannten) Generikum bleibt und die Frau nicht durch ständige Wechsel verwirrt. Indem Doppelverordnungen erkannt werden und die Patientin bei Neumedikation informiert wird.

Einbußen bei der Compliance

Wir versuchen nach Möglichkeit, die Medikation gerade bei älteren Leuten konstant zu halten, um solche Verwirrungen zu vermeiden. Es hat sich inzwischen auch gezeigt, dass solche Wechsel in der Medikation nicht nur zu ungewollter Überdosierung wegen Mehrfacheinnahmen führen, sondern auch die Compliance bei den Patienten sinken lässt: Sie trauen dem Medikament nicht gleich und nehmen es dann nicht mehr.

Diese Situation gibt es in Deutschland dank der Rabattverträge der Krankenkassen bei so ziemlich jedem Medikament, bei dem Generika vorhanden sind. Die Krankenkasse schreibt vor, welches Generikum von welcher Firma abgegeben werden muss – und diese Vorschriften wechseln teils vierteljährlich (!).

Die Verwirrung bei den Patienten steigt und die Einnahmetreue nimmt ab, nicht genommene Medikamente wirken nicht … Die Frage ist: Spart die Krankenkasse dadurch wirklich ein?

Artikel letztmalig aktualisiert am 27.02.2018.

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